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Startseite AktuellWarum brüchiger Beton am Rosenplatz den Neumarkt vollends ins Chaos stürzt
AktuellOsnabrück

Warum brüchiger Beton am Rosenplatz den Neumarkt vollends ins Chaos stürzt

von Heiko Pohlmann 25. Juni 2019
von Heiko Pohlmann 25. Juni 2019
Beschädigte Fahrbahndecke am Rosenplatz. (Archiv)
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Es sollte ein Befreiungsschlag sein, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert wollte die weitere Entwicklung am Neumarkt nicht von dem inzwischen gestoppten Kaufhausprojekt OSKAR abhängig machen. Doch nun droht ausgerechnet der ohnehin wenig ansehnliche Rosenplatz Osnabrücks Problemplatz Nummer 1, den Neumarkt, vollends ins Chaos zu stürzen – und mit ihm auch die Finanzen der Stadt und den Busverkehr der Stadtwerke.

Die Folgen einiger jüngst entdeckter Risse im Rosenplatz-Beton (Kostenpunkt im Jahr 2012: 3,5 Millionen Euro) könnten zum unkalkulierbaren Kostenrisiko für die Stadt werden. Neben der nun erneut und völlig ungeplant anstehenden Reparatur des Rosenplatzes, wird der Umbau des Neumarkts vorerst gestoppt, die Johannisstraße wird zu einer dauerhaft eingefrorenen Baustelle und die Stadtwerke wissen nicht mehr wohin mit ihren Bussen.

Beton ist grundsätzlich ein recht stabiles Material, nicht umsonst wurde zum Beispiel die auch als Panzerstraße bekannte Vehrter Landstraße einst aus diesem Material gefertigt. Das „Tock-Tock-Tock“ der mit weichem Asphalt ausgefüllten Dehnungsfugen nervt noch heute manch einen Anlieger des Sonnenhügels und der Dodesheide. Obwohl die britischen Streitkräfte, für die diese Piste einst angelegt wurde, längst abgezogen sind und der Bau bis weit in die 50er Jahre zurückreicht: Die originalen Panzerstraßen aus der Besatzungszeit halten was aus und überdauern scheinbar mühelos die Jahrzehnte.

Risse in der Fahrbahn auf dem Rosenplatz

Risse in der Fahrbahn auf dem Rosenplatz

Betonierung des Rosenplatzes kostete 3,5 Millionen Euro

Rund ein halbes Jahrhundert nachdem für die Rheinarmee die Panzerstraßen aus Beton gebaut wurden, sollte es wieder Beton sein. Diesmal am Rosenplatz – ohne Panzer, dafür teils in rot eingefärbtem Beton – vor allem aber ohne große Dehnungsfugen und für sehr teures Geld: 3,5 Millionen Euro kostete die Umgestaltung des Rosenplatzes – für einen einzelnen Rosenstock war allerdings kein Geld mehr übrig, dabei prägten gerade diese den Platz in seiner ursprünglichen Gestaltung in den 50er Jahren.
Beton tut´s auch – Hauptsache er ist rot; so oder ähnlich dachten die Verantwortlichen wohl, deren moderne Panzerstraße am Ende keine sieben Jahre hielt, wie sich die Stadt nun eingestehen muss.

Es bröckelt nicht nur der rot eingefärbt Beton und es bröckelt auch da, wo keine Autos fahren, im Fußgängerbereich

Es bröckelt nicht nur der rot eingefärbt Beton und es bröckelt auch da, wo keine Autos fahren, im Fußgängerbereich

Technischer Fehler oder Schnapsidee des Architekten?

Im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss wurde am Dienstagnachmittag, direkt vor der Ratssitzung, darüber gerätselt, ob womöglich ein Produktionsfehler Schuld an den inzwischen an einigen Stellen am Rosenplatz aufgetretenen Rissen ist – von fehlenden oder falsch dimensionierten Dehnungsfugen, eine falsche Unterkonstruktion oder falsch angemischtem Beton reichen die Vermutungen. Vielleicht war es aber auch eine nicht erwartete außergewöhnliche Belastung durch den Verkehr.

Weniger technikorientierte Betrachter der Misere könnten es aber auch dahin Verkürzen, dass es einfach nur eine weitere Schnapsidee des Architekturbüros war, das den Rosenplatz auch mit den ebenfalls aus völlig untauglichem Material gefertigten „Sonnendecks“ ausgestattet hat, die sich langsam in Gammel verwandeln.

Waren seit Jahren auf neue Plastikplanken, die besonders schnell vergammelten

Warten seit Jahren auf neue Plastikplanken: Die besonders schnell vergammelten „Sonnendecks“ am Rosenplatz

Ausschreibung für Neumarkt und Johannisstraße gestoppt

Was sich bereits vor der Sitzung des Verwatungsausschusses abgezeichnet hatte, wurde dann bei der Ratssitzung zur Gewissheit. Eine im Mai angestoßene europaweite Ausschreibung, die zum Ziel hatte noch in diesem Sommer den Neumarkt zu sanieren, wurde endgültig gestoppt.
Dabei war der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss dem Vorschlag des Oberbürgermeisters gefolgt. Teile der seit vergangenem Jahr in Umbau befindlichen Johannisstraße werden vorerst nicht mehr weiter fertiggestellt, die geplanten Bauarbeiten für den Neumarkt werden garnicht erst begonnen. Zu ähnlich ist die für Neumarkt und Johannisstraße geplante Betonoberfläche in ihrer technischen Ausführung mit der, die sich am Rosenplatz gerade in Wohlgefallen auslöst.

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So sollte der Neumarkt bald aussehen, mit viel Beton. Entwurf Lützow 7

Stadtwerke ziehen Busse trotzdem vom Neumarkt ab

Nahezu absurd sind die Folgen für den Busverkehr. Obwohl die Bauarbeiten seit Dienstagabend auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben wurden, werden die Stadtwerke mit dem Stichtag 3. Juli den kompletten Busverkehr vom Neumarkt abziehen. Hierzu wird im Bereich Lyrastraße, Neuer Graben sowie Alte Münze eine provisorische Zentralhaltestelle geschaffen.
Um die Erreichbarkeit der Innenstadt auch von Osten sicherzustellen wird ein zusätzlicher Halt an der Wittekindstraße eingerichtet. Neumarkt ohne Busse, aber auch ohne Baustelle.

Architekten könnten Stadt noch Probleme bereiten

Ganz besondere Schwierigkeiten werden auch im Zusammenspiel mit den Architekten erwartet, die sich als Künstler wähnen und daher womöglich besondere Ansprüche bezüglich ihres Urheberrechts anmelden könnten. Unabhängig davon wie untauglich die von ihnen angebotenen Materialien im wirklichen Leben sind, kann die Stadt nichts ohne ihre Zustimmung erledigen und ändern. Das trifft sowohl für den sich mehrfach als Fehlplanung erwiesenen Rosenplatz zu, wie auch für die Neumarktplanung. für die das Architekturbüro Lützow 7 Urheberrechte geltend machen und auf eine Bauausführung in Beton* bestehen kann.

*[Update 27.06.] in einer ersten Fassung stand hier „Bröckelbeton“, gemeint war natürlich „Beton“, allerdings gibt es inzwischen Befürchtungen, dass daraus auch am Neumarkt, analog zum Rosenplatz, „Bröckelbeton“ werden könnte, weswegen ja der Baustopp verhängt wurde

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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