Außenminister sieht Finnland als Vorbild für Schutz vor Bedrohungen durch Russland.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat nach einem Besuch in Finnland ein grundlegendes Umdenken bei der Zivilschutzplanung in Deutschland gefordert. „Ich glaube, wir müssen einfach komplett umdenken“, sagte Wadephul bei der Besichtigung einer großen Zivilschutzanlage in Helsinki, wie n-tv und das Handelsblatt übereinstimmend berichten. Finnland gilt als vorbildlich bei der Ausstattung mit Schutzräumen, die auch unter Privatgebäuden angelegt sind. In der Hauptstadt Helsinki mit etwa 700.000 Einwohnern gibt es Kapazitäten für rund 900.000 Menschen. Die besichtigte Anlage im Stadtteil Merihaka bietet Platz für bis zu 6.000 Personen und schützt vor nuklearen und chemischen Bedrohungen. In Friedenszeiten wird sie als Sportstätte oder Parkplatz genutzt.
Deutschland scheitert beim Schutzraumbau
Wadephul betonte, dass Deutschland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 über den Bau ähnlicher Anlagen nachdenke, bisher aber kaum Fortschritte erzielt habe. „Haben wir irgendwie etwas erreicht?“, fragte er rhetorisch und forderte, das Tempo deutlich zu erhöhen. Zudem sei ein anderer Ansatz bei der Errichtung solcher Schutzräume nötig. Begleitet wurde er von seiner finnischen Amtskollegin Elina Valtonen, mit der er auch den geschlossenen Grenzübergang Vaalimaa besichtigen wollte. Dieser war vor seiner Schließung der meistfrequentierte Übergang zwischen der EU und Russland.
Finnlands Zivilschutz als deutsches Vorbild
Laut onvista.de lobte Wadephul die finnische Herangehensweise an den Zivilschutz als „unaufgeregt, aber konzentriert“. Die Bevölkerung übe Widerstandsfähigkeit regelmäßig ein, was Deutschland als Vorbild dienen könne. Valtonen verteidigte unterdessen den Austritt Finnlands aus dem Ottawa-Abkommen zum Verbot von Antipersonenminen. Das Land halte sich an die Regelung, Minen nur im Kriegsfall einzusetzen. Finnland teilt mit Russland eine 1.340 Kilometer lange Grenze, die seit dem Nato-Beitritt im April 2023 die längste Landgrenze des Bündnisses zu Russland darstellt.
Russland baut Militärpräsenz an Finnlands Grenze aus
Die tagesschau berichtet zudem von verstärkten russischen Militäraktivitäten an der finnisch-russischen Grenze. Experten wie Michael Jonas vom German Institute for Defence and Strategic Studies gehen davon aus, dass Russland seine militärische Infrastruktur in der Region ausbaut. Satellitenbilder deuten auf den Bau neuer Stützpunkte hin, etwa 190 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt. Finnlands Armeekommandeur Pasi Välimäki schätzt, dass Russland langfristig bis zu 80.000 Soldaten an der Grenze stationieren könnte. Andere Schätzungen liegen noch höher.
Finnland und Deutschland stärken Sicherheitskooperation
Wadephul und Valtonen besichtigten zudem das finnische Grenzpatrouillenschiff „Turva“, das im Dezember einen Frachter der sogenannten russischen Schattenflotte aufgebracht hatte. Der Frachter stand im Verdacht, einen Schaden an einem Unterseekabel in der estnischen Wirtschaftszone verursacht zu haben. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland soll in den Bereichen hybrider Bedrohungen, Cybersicherheit und europäischer Handlungsfähigkeit verstärkt werden.
