Theatersanierung, Kinderbibliothek, Kunstfreiheit und die Zukunft der freien Kulturszene: Bei einer Podiumsdiskussion der Tageszeitung noz im Theater Osnabrück haben fünf Osnabrücker Kommunalpolitiker am Montagabend (24. August) über die großen kulturpolitischen Fragen der Stadt diskutiert. Einig waren sich die Vertreter von SPD, Grünen, CDU, FDP/UWG und Linken vor allem darin, dass Kultur für Osnabrück unverzichtbar ist. Bei der Frage, wo Prioritäten gesetzt werden müssen und wie viel Geld dafür zur Verfügung steht, gingen die Positionen allerdings auseinander.
Theater soll zukunftsfähig werden
Einigen Raum nahm die seit Jahren diskutierte Sanierung des Theaters Osnabrück ein. Volker Witte (SPD) verwies im Gespräch mit den noz-Redakteuren Ralf Döring und Raphael Steffen darauf, dass die Stadt bereits seit 17 Jahren an einer Lösung arbeite. Das Gebäude sei technisch in die Jahre gekommen, hinzu kämen steigende Anforderungen insbesondere beim Brandschutz. Voraussetzung für die Generalsanierung sei unter anderem das geplante Proben- und Werkstattzentrum in der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche.
Eine konkrete Kürzung des Kulturetats sieht derzeit keiner der Teilnehmer als Lösung. Ingo Dauer (CDU) verwies darauf, dass die Ausgaben für Kultur in absoluten Zahlen gestiegen seien. Das Problem liege vielmehr in den insgesamt stark gewachsenen städtischen Ausgaben und den finanziellen Belastungen durch Pflichtaufgaben.
Auch Witte sieht keinen Spielraum für Einschnitte. Die Kommunen müssten bei Aufgaben, die ihnen von Bund und Land übertragen werden, stärker finanziell unterstützt werden. Sebastian Bracke (Grüne) betonte ebenfalls die Bedeutung der Kultur und verwies darauf, dass zuletzt auch Preissteigerungen bei den Einrichtungen und der freien Szene berücksichtigt worden seien.
„Gute Kultur ist letztendlich auch immer eine gute Sozialpolitik“, sagte Sebastian Sohn (Linke). Kürzungen träfen auch Menschen, die ohnehin weniger Zugang zu kulturellen Angeboten hätten. Kultur dürfe zudem nicht auf Theater und Bibliotheken reduziert werden, sondern müsse auch Stadtteil- und Jugendzentren sowie Vereine einschließen.

In diesem markanten Gebäude soll die neue Kinderbibliothek entstehen. / Foto: Dominik Lapp
Streit um Kinderbibliothek
Konkreter Streitpunkt ist die geplante Kinderbibliothek im ehemaligen Prelle-Gebäude. Die Linke lehnt die derzeitige Lösung vor allem wegen der langfristigen Mietbindung und der Nutzung eines Gebäudes ab, das bereits leer steht.
Auch Guido Altvogt, der für die Gruppe FDP/UWG sprach, äußerte Bedenken. Bei einer Besichtigung habe er Zweifel bekommen, ob der Standort geeignet sei. Bracke hingegen sieht in dem Vorhaben eine Chance, kurzfristig einen Fortschritt zu erreichen. Gleichzeitig hält er an der langfristigen Idee eines großen Dritten Ortes in der Innenstadt fest.
Die CDU unterstützt die geplante Bibliothek. Für Dauer spricht vor allem die Möglichkeit, relativ schnell starten zu können. Bibliotheken seien längst mehr als Orte, an denen Bücher aufbewahrt werden – sie seien auch Treffpunkte und Kommunikationsorte.
Kunstfreiheit als gemeinsame rote Linie
Deutlich größer war die Einigkeit beim Thema Kunstfreiheit. Hintergrund sind mehrere kulturpolitische Kontroversen der vergangenen Jahre, unter anderem um eine Ausstellung in der Kunsthalle, eine umstrittene Theaterproduktion und die Debatte um das European Media Art Festival.
Für SPD, Grüne, Linke und FDP/UWG steht fest: Politische Einflussnahme auf die Inhalte von Kunst darf es nicht geben. Volker Witte formulierte es besonders deutlich: „Mir muss nicht alles gefallen, aber ich werden den Teufel tun, dass ich irgendjemanden in seiner künstlerischen Freiheit einschränke.“
Sebastian Bracke verwies auf den grundgesetzlichen Schutz der Kunstfreiheit. Kunst müsse auch provozieren und Grenzen überschreiten dürfen. Sebastian Sohn warnte davor, dass politische Parteien ihre eigenen Moralvorstellungen zum Maßstab für kulturelle Einrichtungen machten.
Auch die CDU betonte die Unantastbarkeit der Kunstfreiheit. Ingo Dauer verwies zugleich darauf, dass die künstlerische Verantwortung bei den jeweiligen Leitungen der Einrichtungen liege. Problematisch werde es, wenn Parteien versuchten, direkt Einfluss auf deren Arbeit zu nehmen.

Im August 2025 wurde vor dem Theater Osnabrück protestiert und darüber diskutiert, ob der Intendant nach der Absetzung eines Theaterstücks noch tragbar ist. / Foto: Dominik Lapp
Kunsthalle muss sich an Besucherzahlen messen lassen
Unterschiedlicher waren die Positionen zur Kunsthalle Osnabrück. Die CDU will angesichts gestiegener städtischer Zuschüsse genauer hinschauen. Dauer verwies auf vergleichsweise wenig Besucherinnen und Besucher im Jahr und die daraus resultierende hohe öffentliche Bezuschussung pro Person.
Bracke hielt dagegen, dass sich die Bedeutung der Kunsthalle nicht allein an Eintrittszahlen messen lasse. Gerade Kunst im öffentlichen Raum erreiche Menschen, die keine Ausstellung besuchen. Zudem müsse auch die kulturelle Arbeit mit Schülerinnen, Schülern und Studierenden berücksichtigt werden.
Freie Szene braucht Räume und Unterstützung
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die freie Kultur- und Nachtkulturszene. Die Teilnehmer sehen Potenzial in öffentlichen Plätzen und wünschen sich grundsätzlich mehr kulturelle Angebote außerhalb der klassischen Einrichtungen.
Sohn forderte insbesondere eine stärkere Unterstützung kleiner Clubs und kultureller Initiativen. Kultur müsse möglichst vielen Menschen zugänglich sein. Bracke verwies auf bürokratische Hürden bei Veranstaltungen und die Notwendigkeit, Veranstalter stärker zu unterstützen.
Auch die Kulturnacht wurde als Beispiel für die Vielfalt der Osnabrücker Kulturszene hervorgehoben. Gleichzeitig ging es um die Frage, wie öffentliche Flächen genutzt werden sollen. Während Sohn und Bracke den Zugang zu solchen Räumen für Kultur stärken wollen, betonte Dauer, dass auch kommerzielle Veranstaltungen dort ihren Platz haben können.
Vielfältige Kulturszene
Bei einem Thema herrschte schließlich weitgehend Konsens: Osnabrück verfügt über eine vielfältige Kulturszene, die für die Stadtgesellschaft von großer Bedeutung ist. Gleichzeitig stehen angesichts angespannter kommunaler Finanzen schwierige Entscheidungen bevor.
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