Trump verkündet Abkommen über venezolanische Ölfelder mit langfristiger Kontrolle.
US-Präsident Donald Trump hat ein weitreichendes Öl-Abkommen mit Venezuela angekündigt, das den USA langfristigen Zugriff auf 17 strategisch wichtige Ölfelder sichern soll. Wie die Berliner Zeitung berichtet, sollen die Vereinigten Staaten dabei 55 Prozent der Förderung erhalten und das Öl zu Produktionskosten kaufen können. Trump bezeichnete die Vereinbarung auf seiner Plattform Truth Social als das „größte Ölgeschäft der Weltgeschichte“ und betonte, sie werde die US-Ölreserven mehr als verdoppeln und die Benzinpreise senken. Die Nutzungsrechte für die Felder sind laut einem US-Regierungsvertreter, den die Nachrichtenagenturen AP und Bloomberg zitieren, auf 100 Jahre ausgelegt. Die betroffenen Felder liegen im Orinoco-Gürtel und in der Region um den Maracaibo-See, wie Reuters berichtet.
Venezuela verhandelt Öl-Deal
Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bestätigte das Abkommen und sprach von einem historischen Schritt. Nach ihren Angaben umfassen die Felder nachgewiesene Reserven von 65 Milliarden Barrel. Die Entwicklung der Felder könnte Investitionen von knapp 100 Milliarden Dollar anziehen und dem Land Steuereinnahmen von insgesamt 209 Milliarden Dollar bringen, so Rodríguez. Zu den von den USA beanspruchten Anteilen äußerte sie sich nicht. Außenminister Marco Rubio betonte, das Abkommen sei ein Gewinn für beide Länder.
US-Pachtmodell für Ölfelder ohne rechtlichen Präzedenzfall
Experten äußern jedoch Bedenken. Der Energieexperte David Goldwyn sagte laut Reuters, es gebe keinen Präzedenzfall für ein solches Pachtmodell venezolanischer Ölfelder durch die US-Regierung. Venezuelas Verfassung und das dortige Kohlenwasserstoffgesetz könnten dem Vorhaben entgegenstehen. Zudem warnte Analyst Chris Kennedy von Bloomberg Economics, Unternehmen könnten vor hohen Investitionen zurückschrecken, wenn eine spätere US-Regierung oder eine neue venezolanische Führung das Abkommen nicht anerkenne.
Venezuela braucht Jahre für Ölförderungs-Ausbau
Die Förderung des schweren venezolanischen Rohöls erfordert umfangreiche Investitionen in Anlagen, Stromversorgung, Transport und Verarbeitung. Fachleute schätzen, dass der Ausbau mehrere Jahre dauern könnte. Venezuela verfügt nach Angaben der US-Energiebehörde über geschätzte 303 Milliarden Barrel Ölreserven, fördert derzeit aber nur gut eine Million Barrel täglich – weniger als die Hälfte der Produktion vor zehn Jahren. Grund dafür sind jahrelange Unterinvestitionen, Misswirtschaft und Sanktionen.
Trump nutzt Öl-Deal gegen hohe Spritpreise vor Wahlen
Der Öl-Deal wird zu einem Zeitpunkt bekannt, an dem Trump vor den Zwischenwahlen im November wegen stark gestiegener Kraftstoffpreise unter Druck steht. Nach Angaben des Automobilclubs AAA kostete eine Gallone Benzin in den USA am Freitag durchschnittlich 4,09 Dollar, nach 3,21 Dollar ein Jahr zuvor. Zugleich hat der Krieg gegen Iran die Öllieferungen durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt, was die US-Regierung bereits veranlasste, auf ihre strategischen Reserven zurückzugreifen.