Juso-Chef Philipp Türmer stimmt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu, dass die Ungleichbehandlung von privat und gesetzlich Versicherten ein Gerechtigkeitsproblem ist. Er schlägt eine Bürgerversicherung als Lösung vor und kritisiert Merz’ fehlende Antwort sowie eine spätere Klarstellung als widersprüchlich.
Zweigliedriges System als Problem
"Das sage ich ja nicht so häufig. Aber ich muss sagen, da hat er recht. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn".
Türmer betont, das zweigliedrige Krankenkassensystem sei ein großes Problem. "Das ist wirklich ein ganz großes Problem in unserer Gesellschaft, dass wir ein zweigliedriges Krankenkassensystem haben, bei dem die Privatversicherten quasi, wenn sie mit dem Finger schnipsen, am nächsten Tag einen Termin bekommen und die gesetzlich Versicherten teilweise monatelang warten müssen."
Forderung nach Bürgerversicherung
Die Antwort auf das Gerechtigkeitsproblem habe Merz nicht gegeben, so Türmer. "Aber die gebe ich jetzt gerne: Das ist die Bürgerversicherung. Dass wir alle in ein System überführen, dass alle die gleichen Leistungen bekommen. Wenn jeder Mensch gleich viel wert ist – und so ist das – dann gehört auch dazu, dass jeder eine gleich gute Krankenversorgung bekommt."
Die spätere Klarstellung eines Regierungssprechers, es gehe Merz nicht um eine Zusammenlegung der Systeme, nennt Türmer widersprüchlich. "Es ist ein bisschen widersprüchlich. So ist das ja manchmal bei diesem Kanzler. Ich finde, er sollte an der ersten Äußerung an diesem Tag festhalten". "Wir brauchen endlich ein gerechtes System bei den Krankenkassen. Und daran zu arbeiten, ich glaube, das würden die Menschen honorieren."