Ein Nachbau des Trojanischen Pferdes aus Metall soll zum zentralen Blickfang eines neuen Parks im Osnabrücker Hasepark werden. Die Planungen für den sogenannten Çanakkale-Park wurden am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA) vorgestellt. Das Projekt geht auf eine Initiative des Jugendparlaments zurück und wird die klamme Stadtkasse mit rund 120.000 Euro belasten.
Im Mittelpunkt der Entwurfsplanung steht eine rund 5.000 Quadratmeter große Fläche im Hasepark. Dort soll nach den Vorstellungen der Stadt bis voraussichtlich Mai 2027 ein Ort entstehen, der an die türkische Partnerstadt Çanakkale erinnert und zugleich als Treffpunkt, Aufenthaltsort und Fläche für interkulturelle Angebote dient. Auffälligstes Element ist dabei eine Nachbildung des Trojanischen Pferdes aus Metall, die auf einer freien, von Bäumen eingerahmten Rasenfläche aufgestellt werden soll. Das Objekt ist ausdrücklich auch als Selfie-Spot für Besucherinnen und Besucher gedacht.
Jugendparlament gab den Anstoß
Ausgangspunkt des Projekts war ein Antrag des Osnabrücker Jugendparlaments, im Stadtgebiet einen Çanakkale-Park auszuweisen. Der Rat hatte dazu bereits am 27. Juni 2023 einen Grundsatzbeschluss gefasst. Anschließend wurden dem Jugendparlament mehrere Flächen vorgeschlagen, die Wahl fiel schließlich auf den Hasepark. Der Osnabrücker Servicebetrieb erhielt danach den Auftrag, für die Fläche eine Entwurfsplanung samt Kostenschätzung zu erstellen.
Vor Beginn der eigentlichen Planung hatte es im Rahmen eines Jugendgruppenaustauschs bereits einen Workshop und einen Ortstermin mit Austauschschülerinnen und -schülern aus Çanakkale gegeben. Deren Ideen und Wünsche flossen nach Angaben der Verwaltung in das Konzept ein.
Tor, Blumenband, Infopunkte und Grillplatz
Der geplante Park soll deutlich erkennbar gestaltet werden. Vorgesehen ist ein Eingangstor am Hauptweg, das in Form und Anmutung an antike Ruinenstätten wie Troja und Assos erinnern und den Schriftzug „Çanakkale Park“ tragen soll. Entlang des Weges ist ein geschwungenes Blumenband geplant, das an die Dardanellen erinnern soll. Gepflanzt werden sollen dabei Arten, die aus der Türkei stammen oder als typisch für die Region Çanakkale gelten.
Ergänzt werden soll die Anlage durch neue Bänke, drei Infopunkte mit QR-Codes und Keramikfliesen sowie mehrere Bereiche für Aufenthalt und Freizeit. Geplant sind unter anderem eine größere Aufenthaltsfläche mit Sitzgruppen und Grillplatz, Natursteinquader in Anlehnung an ein antikes Amphitheater, Hängematten im Schatten einer Baumgruppe sowie frei nutzbare Rasenflächen für Veranstaltungen, Jugendaustausch und Stadtteilaktivitäten.
SPD verweist auf Osnabrück-Park in Çanakkale
Für die SPD-Ratsfraktion erinnerte Heiko Schlatermund im Ausschuss daran, dass es in Osnabrücks türkischer Partnerstadt bereits einen Osnabrück-Park gibt. Nun solle an neuer Stelle gewissermaßen ein Gegenstück in Osnabrück entstehen. Die Städtepartnerschaft zwischen Osnabrück und Çanakkale besteht seit fast 20 Jahren.
In Çanakkale gibt es am Ufer des Flusses Sarıçay bereits den „Osnabrück Parkı“. Dort steht eine Bronzestatue mit drei jungen Steckenpferdreitern. Genau diese bestehende Geste der Partnerstadt ist ein wesentlicher Hintergrund für die Überlegung, auch in Osnabrück einen thematisch gewidmeten Park einzurichten.
Sorge vor Vandalismus und fehlender Förderung
Kritische Nachfragen entzündeten sich im Ausschuss vor allem an den möglichen Folgekosten und an der Gefahr von Beschädigungen. Oliver Hasskamp von der FDP/UWG-Gruppe äußerte die Sorge, dass es an der neuen Anlage zu Vandalismus kommen könnte. Auch Claudia Schiller von der CDU verwies auf diese Gefahr und fragte ausdrücklich nach Fördermöglichkeiten.
Von Seiten der Stadtverwaltung wurde in diesem Zusammenhang geäußert, dass „mit dem Schlimmsten“ zu rechnen sei. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Anlage nicht nur gebaut, sondern später auch regelmäßig instand gehalten oder repariert werden müsste. Zugleich wurde deutlich, dass eine tragfähige Finanzierung über größere Förderprogramme bislang nicht in Sicht ist.
Nach Angaben der Verwaltung verlief eine Abfrage über das städtische Fördermittelmanagement bislang ohne Erfolg. Förderprogramme auf Landes- oder Bundesebene hätten keine Finanzierungsperspektive eröffnet. Denkbar seien allenfalls kleinere Stiftungen mit Summen von bis zu 10.000 Euro. Weitere Prüfungen liefen, eine Förderung sei jedoch keineswegs gesichert.
120.000 Euro für die Parkanlage – mindestens
Die veranschlagten Gesamtkosten liegen nach derzeitiger Schätzung bei rund 120.000 Euro. Damit würde das Projekt in einer Zeit knapper Kassen zusätzlich auf den städtischen Haushalt drücken. Gerade vor diesem Hintergrund stießen die im Ausschuss benannten Risiken von Vandalismus und möglichem Unterhaltungsaufwand auf besondere Aufmerksamkeit.
Die Verwaltung hob hervor, dass die Fläche im Hasepark durch ihren vorhandenen Baumbestand, die Rasenflächen und die Lage nahe am Großspielplatz gute Voraussetzungen für eine Umgestaltung zu einem Ort des Verweilens biete. Der Stadtteil Schinkel sei zudem durch eine große interkulturelle Vielfalt geprägt, viele Bewohnerinnen und Bewohner hätten familiäre Wurzeln in südlichen Ländern, insbesondere in der Türkei.
Kein Steg zur Hase geplant – Fluss zu dreckig?
Keine Zustimmung fand im Ausschuss eine Idee aus der FDP-Fraktion, die in der Nähe verlaufende Hase über einen Steg stärker zugänglich zu machen. Dagegen wandte sich unter anderem Christiane Balks-Lehmann von den Grünen. Sie warnte davor, dass in der früher stark belasteten Hase noch immer schadstoffhaltige Schlämme mitgeführt würden. Eine zusätzliche Öffnung zum Wasser spielte in den weiteren Überlegungen deshalb keine Rolle.
Park soll Begegnung und Städtepartnerschaft sichtbar machen
Nach der Zielsetzung der Vorlage soll der Çanakkale-Park ein Ort der Begegnung werden, an dem interkultureller Austausch gefördert und Wissen über die Partnerstadt niedrigschwellig vermittelt wird. Zugleich soll er Raum für Aktivitäten im Rahmen von Jugendaustauschen und anderen Projekten bieten. Spaziergehende sollen den Bereich ebenso nutzen können wie Gruppen, die dort Veranstaltungen oder Treffen organisieren.
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