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Startseite AktuellTickets werden knapp: Musical „Titanic“ begeistert in Tecklenburg
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Tickets werden knapp: Musical „Titanic“ begeistert in Tecklenburg

von Dominik Lapp 29. Juli 2025
von Dominik Lapp 29. Juli 2025
Masha Karell als Ida Straus. / Foto: Dominik Lapp
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Was passiert, wenn ein Musical wie „Titanic“ nicht auf Sensation und Katastrophenpathos setzt, sondern auf feine Zwischentöne und erzählerische Tiefe? Die Freilichtspiele Tecklenburg liefern darauf eine beeindruckende Antwort. Regisseur Ulrich Wiggers gelingt mit seiner Inszenierung des Stücks von Maury Yeston (Musik) und Peter Stone (Libretto) eine ebenso bewegende wie kluge Version der bekannten Geschichte – fernab von Klischees und nahe an den Menschen.

Ein Netz aus Schicksalen statt Spektakel

Schon vor dem ersten Ton macht das Bühnenbild klar: Die Titanic ist kein Mythos, sondern längst Vergangenheit. Verstreute Requisiten – Rettungswesten, Koffer, Spielzeug – erzählen leise von Verlust.

Titanic in Tecklenburg

Hannah Miele (Kate Murphy), Gioia Heid (Kate Mullins), Laura Araiza Inasaridse (Kate McGowan) und Michael B. Sattler (Jim Farrell). / Foto: Dominik Lapp

Wiggers‘ Regie lenkt den Blick fort von der großen Eisberg-Kollision, hin zu den vielen kleinen Geschichten. Jeder Charakter bekommt Kontur, Tiefe, manchmal sogar Widerspruch. Die Szenen fließen elegant ineinander – stets in Bewegung, stets voller Bedeutung.

Bühnenbild mit Symbolkraft

Die Bühne von Jens Janke nutzt die Naturkulisse Tecklenburgs meisterhaft.  Auf mehreren Ebenen – von der Brücke bis zum Maschinenraum – spielt sich das Geschehen ab. Mobile Relings und flexible Treppen sorgen für fließende Übergänge zwischen Orten und sozialen Klassen. Jede Szene erzählt auch visuell eine Geschichte.

Titanic in Tecklenburg

Michael B. Sattler (Jim Farrell). / Foto: Dominik Lapp

Ergänzt wird die Bühne durch Projektionen von Bonko Karadjov, die sich gut ins Gesamtbild einfügen. Besonders eindrucksvoll ist dabei das Finale mit dem sinkenden Ozeandampfer und dem Schiffswrack auf dem Meeresgrund.

Tanz als Erzählform – Kostüme mit Aussage

Francesc Abós choreografiert mit feinem Gespür für Raum und Dynamik. Bewegungen sind nie beliebig, sondern tragen das Erzählen. Ob Heizer, die Kohle schaufeln, oder Passagiere, die Stühle räumen – alles geschieht choreografiert, ohne aufgesetzt zu wirken.

Titanic in Tecklenburg

Benjamin Eberling (E. J. Smith) / Foto: Dominik Lapp

Die Kostüme von Fabienne Ank liefern den optischen Rahmen: prächtig, detailreich, klassenbewusst. Abendkleider und Uniformen kontrastieren mit Arbeiterkleidung. Das Maskenbild von Philip Hager rundet das visuelle Konzept ab.

Starke Stimmen, bewegende Momente

Unter der Leitung von Juheon Han spielt das 26-köpfige Orchester mit großer Sensibilität für die emotionalen Nuancen der Partitur. Zwischen opulenter Klassik, Ragtime und irischem Folk entstehen dichte Klangbilder, die das Geschehen auf der Bühne wirkungsvoll begleiten.

Titanic in Tecklenburg

Felix Martin (J. Bruce Ismay) und Alexander Di Capri (Thomas Andrews). / Foto: Dominik Lapp

Die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie: Benjamin Eberling gibt Kapitän E. J. Smith als würdevollen Tragiker, Alexander Di Capri berührt als Konstrukteur Andrews, Felix Martin brilliert als skrupelloser Reeder Ismay. Til Ormeloh und Tobias Bieri liefern mit ihrem Duett einen musikalischen Höhepunkt. Masha Karell und Anton Rattinger rühren als Ehepaar Straus mit stillem Pathos. Gerben Grimmius bringt sowohl Humor als auch Emotion auf die Bühne.

Titanic in Tecklenburg

Laura Araiza Inasaridse (Kate McGowan) und Michael B. Sattler (Jim Farrell). / Foto: Dominik Lapp

Jedes Detail zählt

Ein besonderes Highlight sind die drei Kates – Laura Araiza Inasaridse, Hannah Miele und Gioia Heid – überzeugen mit Präsenz und Stimme. Im Duett „Drei Tage“ glänzt besonders Araiza Inasaridse im Zusammenspiel mit Michael B. Sattler. Und auch der stimmgewaltige Chor beeindruckt sängerisch, tänzerisch und darstellerisch auf hohem Niveau.

Was den Freilichtspielen Tecklenburg mit dieser „Titanic“-Inszenierung gelingt, ist mehr als eine Nacherzählung einer bekannten Tragödie. Es ist ein durchkomponiertes Bühnenkunstwerk, in dem jedes Detail zählt.

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.

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