Mit „Artus – Excalibur“ bringt das Theater Osnabrück ein Musical auf die Bühne, das im deutschsprachigen Raum vergleichsweise selten zu erleben ist. Vor rund zehn Jahren war Frank Wildhorns Ritterepos zuletzt in der Region auf der Freilichtbühne Tecklenburg zu sehen. Nun zeigt sich in Osnabrück: Das Werk besitzt trotz dramaturgischer Schwächen weiterhin große szenische und musikalische Wirkungskraft.
Große Musicalballaden mit Rockelementen
Wildhorns Partitur ist opulent und emotional aufgeladen. Sie verbindet große Musicalballaden mit Rockelementen und keltisch gefärbten Klangfarben – nicht zuletzt durch den immer wieder eingesetzten Dudelsack. Dem gegenüber steht ein Buch von Ivan Menchell, dessen Dramaturgie nicht immer die gleiche Durchschlagskraft erreicht wie die Musik. Szenen geraten mitunter etwas statisch, Konflikte werden eher behauptet als zugespitzt.

Jan Friedrich Eggers als Merlin und Daniela Tweesmann als Morgana. / Foto: Stephan Glagla
Regisseur Oliver Klöter begegnet diesem Problem mit einer klaren Schwerpunktsetzung: Statt reinen Ritterzauber zu zelebrieren, rückt seine Inszenierung die Figuren und die moralischen Konflikte in den Mittelpunkt. König Artus erscheint hier nicht nur als legendärer Herrscher, sondern als Mensch, der zwischen Macht, Ideal und persönlicher Loyalität zerrieben wird. So entsteht eine Balance zwischen großem Ritterepos und persönlichem Drama – auch wenn einige langsame Szenenübergänge den Spannungsfluss gelegentlich abbremsen.
Visuell beeindruckend
Visuell entfaltet die Produktion eine eindrucksvolle Welt. Bühne und Kostüme von Darko Petrovic erschaffen eine atmosphärisch dichte mittelalterliche Landschaft aus steinernen Elementen, die sich immer wieder neu formieren – etwa zur berühmten Tafelrunde. Das Lichtdesign von Ingo Jooß taucht diese Welt in dunkle, oft nebelverhangene Farben und schafft eine mystische, vom Krieg gezeichnete Stimmung. Die Choreografie von Sabrina Stein strukturiert die großen Ensembleszenen und sorgt für klare Bewegungsbilder auf der Bühne. Die Kampfchoreografie von Jean-Loup Fourure liefert solide Ritterduelle.

Susanna Edelmann als Guinevere und Jannik Harneit als Artus. / Foto: Stephan Glagla
Musikalisch überzeugt der Abend durch Energie und Klangfülle. Das Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von Seong-Bin Oh spielt engagiert und mit Sinn für Wildhorns dramatische Steigerungen. Prägend ist der live auf der Bühne gespielte Dudelsack von Karim McLeod, der dem Klangbild eine markante Farbe verleiht. Auch der Chor (Einstudierung: Sierd Quarré) überzeugt mit kraftvollem Klang.
Starke Besetzung
In der Titelrolle gestaltet Jannik Harneit einen würdevollen, nachdenklichen Artus. Seine Darstellung betont die innere Zerrissenheit des Königs zwischen idealistischem Herrschaftsanspruch und persönlicher Tragik. Vikrant Subramanian setzt als Lancelot einen vokalen Höhepunkt des Abends: Seine Ballade „Nur sie allein“ wird zu einem der emotionalen Zentren der Aufführung. Weitere Akzente kommen von Jan Friedrich Eggers als düster gezeichneter Merlin, Susanna Edelmann als glockenklar singende Guinevere sowie Daniela Tweesmann als machtbewusste Morgana. Auch in den Nebenrollen zeigt sich das Ensemble sorgfältig besetzt – zudem ergänzen Studierende des Instituts für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück die Produktion mit sichtbarer Spielfreude.
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