Nur ein kleiner Teil der zu Hause gepflegten Menschen mit Anspruch auf Sozialhilfe erhält diese tatsächlich, während in Pflegeheimen deutlich häufiger Sozialhilfe gezahlt wird. Eine Studie im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands zeigt zudem erhebliche regionale Unterschiede beim Zugang zur „Hilfe zur Pflege“ und spricht von einem starken Einfluss des Wohnorts auf die Unterstützung Pflegebedürftiger.
2023 wurden in Deutschland insgesamt 4,9 Millionen Menschen zu Hause gepflegt. Nach Berechnungen eines Teams um den Rechtswissenschaftler und Pflegeexperten Thomas Klie, über deren Ergebnisse der „Spiegel“ berichtet, hatten darunter schätzungsweise rund 390.000 armutsbetroffene Personen einen Anspruch auf die „Hilfe zur Pflege“, eine Form der Sozialhilfe, weil Einkommen und Vermögen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichten, um ihre Bedarfe zu decken. Tatsächlich erhielten jedoch nur rund 76.000 Menschen diese Unterstützung, also knapp ein Fünftel der Anspruchsberechtigten.
Regionale Unterschiede beim Zugang zur Sozialhilfe
Bei den Zahlen handelt es sich laut Studie um Ergebnisse von Modellrechnungen auf der Basis der Pflegestatistik sowie von Daten zur Grundsicherung im Alter. Demnach hängt es stark vom Wohnort ab, ob Bedürftige die ihnen zustehende Sozialhilfe erhalten oder nicht. Im Saarland liegt der Anteil der zu Hause Gepflegten mit Anspruch, die tatsächlich Sozialhilfe beziehen, mit rund einem Zehntel am niedrigsten, in Sachsen-Anhalt ist es etwas mehr als ein Fünftel. In Hamburg bezieht rund jede dritte zu Hause gepflegte Person mit einem Anspruch Sozialhilfe.
„Derzeit entscheidet die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige zu Hause unterstützt werden“, sagte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, laut „Spiegel“. Der Verband hatte die Studie in Auftrag gegeben.
Statistisches Dunkelfeld bei häuslicher Pflege
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ihre Rechnungen mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Das liegt daran, dass über die häusliche Pflege nur sehr wenige belastbare amtliche Statistiken erhoben werden, insbesondere wenn sie ausschließlich oder überwiegend durch Angehörige erfolgt. Die häusliche Pflege finde „in hohem Maße in einem statistischen Dunkelfeld“ statt, heißt es in der Auswertung. Über die finanzielle und soziale Lage der Bedürftigen und ihrer Pflegenden sei sehr wenig bekannt.
Belege aus den amtlichen Statistiken und Forderungen
In den amtlichen Statistiken sehen die Studienautoren dennoch einen Beleg dafür, dass viele zu Hause Gepflegte trotz Anspruch keine Sozialhilfe erhalten und dass dies stark vom Wohnort abhängt. In Berlin und Hamburg werden von allen Pflegebedürftigen, die Sozialhilfe erhalten, 45 beziehungsweise 42 Prozent zu Hause gepflegt. In allen anderen Bundesländern liegt dieser Anteil zwischen 9 und 23 Prozent. Der Paritätische Gesamtverband fordert daher unter anderem, häuslich Gepflegte intensiver zu beraten.
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