Mit bunten Hüten und selbstgebastelten Steckenpferden ziehen am Dienstag, 27. Oktober, wieder Osnabrücks Viertklässler durch die Innenstadt. Das traditionelle Steckenpferdreiten gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Veranstaltungen der Friedensstadt. Auf die jungen Reiter warten neben den traditionellen Brezeln auch Feuerjonglage, Musik und eine Lichtinszenierung am historischen Rathaus.
Seit 1953 hat das Steckenpferdreiten einen festen Platz im Osnabrücker Veranstaltungskalender. Mit dem Umzug erinnert die Stadt an die Verkündung des Westfälischen Friedens am 25. Oktober 1648, mit dem der Dreißigjährige Krieg beendet wurde.
Steckenpferdreiten beginnt um 17 Uhr an der Domschule
Am Dienstag nach den Herbstferien beginnt das Steckenpferdreiten um 17 Uhr auf dem Schulhof der Domschule. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter eröffnet die Veranstaltung und stimmt gemeinsam mit den Kindern das traditionelle Lied „Wir Reiter zieh’n durch Osnabrück und singen für den Frieden“ an.
Anschließend ziehen die Viertklässler der Osnabrücker Grund- und Förderschulen mit ihren selbstgebastelten Steckenpferden und farbenfrohen Hüten durch die Innenstadt zum historischen Marktplatz.
Dort erwartet die jungen Friedensreiter eine weitere Tradition: Oberbürgermeisterin Pötter und ihre Helfer verteilen Brezeln an die Kinder.
Feuerjonglage, Theater und Lichtshow vor dem Rathaus
Gegen 18 Uhr versammeln sich die Kinder vor dem Rathaus. Dort beginnt ein buntes Programm mit Feuerjonglage und der Theaterperformance „Der Streit der Farben“, die in den Fenstern des historischen Rathauses aufgeführt wird.
Gemeinsam mit Entertainer Stephan Rodefeld und den Rock’n’Royals wird gesungen. Den Abschluss des diesjährigen Steckenpferdreitens bildet eine Lichtinszenierung.
Warum die Osnabrücker Kinder auf Steckenpferden reiten
Die historischen Wurzeln der Tradition reichen bis ins Jahr 1650 zurück – allerdings nicht nach Osnabrück, sondern nach Nürnberg.
Dort wurde zwei Jahre nach dem Westfälischen Frieden über dessen praktische Umsetzung verhandelt. Einer Überlieferung zufolge ritten Nürnberger Jungen auf Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten Kaiser Ferdinands III., und baten um ein Erinnerungsstück an den Frieden.
Piccolomini ließ daraufhin silberne Gedächtnispfennige prägen. Auf einer Seite der Münzen war ein Junge auf einem Steckenpferd abgebildet. Die Münzen sollten die Freude über den Frieden auch an die nächste Generation weitergeben.
Wie aus einer Nürnberger Geschichte eine Osnabrücker Tradition wurde
Im Jahr 1875 griffen die emsländischen Schriftstellerinnen Clara und Emmy von Dincklage die Nürnberger Begebenheit in ihrem Buch „Geschichten für die Jugend“ auf. Dabei verlegten sie die Handlung kurzerhand nach Osnabrück.
Diese Erzählung inspirierte den damaligen Osnabrücker Stadtarchivar Ludwig Bäte, der 1948 anlässlich des 300. Jahrestages des Westfälischen Friedens ein Steckenpferdreiten organisierte. Rund 100 Jungen zogen damals durch die noch vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt und umrundeten zweimal den Marktplatz.
Seit 1953 wird das Steckenpferdreiten regelmäßig veranstaltet. Aus dem zunächst kleinen Umzug entwickelte sich eines der bekanntesten Kinderfeste Osnabrücks, bei dem die Erinnerung an den Westfälischen Frieden bis heute von einer Schülergeneration an die nächste weitergegeben wird.
