Seit Ende Februar ist die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG/VK) wieder mit einer aktiven Gruppe in Osnabrück vertreten. Anlass für die Reaktivierung ist das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz – und die damit verbundene wachsende Verunsicherung vieler junger Menschen. Die Initiative versteht sich vor allem als Beratungsstelle für Fragen rund um Wehrdienst und Verweigerung.
Neustart vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen
Die Gruppe nahm ihre Arbeit am 26. Februar 2026 wieder auf. „Wir wollen junge Menschen unterstützen, die sich Gedanken über die Wehrpflicht machen“, heißt es von Seiten der DFG/VK. Zuvor war die DFG/VK in Osnabrück über Jahre hinweg vor allem durch Einzelpersonen präsent, etwa bei Ostermärschen oder Aktionen der Friedensbewegung. Ein regelmäßiges Gruppentreffen hatte es zuletzt vor rund acht Jahren gegeben. Aktuell zählt die Initiative etwa 30 Mitglieder im Raum Osnabrück. Ihr Ziel ist es, insbesondere junge Menschen bei der Auseinandersetzung mit dem Wehrdienst zu unterstützen und sie über ihre Rechte aufzuklären.
Beratungen digital und persönlich
Im Zentrum der Arbeit steht die individuelle Beratung zur Kriegsdienstverweigerung. Diese erfolgt sowohl digital als auch persönlich. Per Mail (osnabrueck@dfg-vk.de) können Begründungen für Verweigerungen geschickt werden, um Tipps zu bekommen, wie die Begründungen besser ausgedrückt werden können.
Zusätzlich gibt es monatliche Beratungstermine in der Lagerhalle. Dort werden auch Menschen angesprochen, die sich noch unsicher sind, ob sie den Kriegsdienst verweigern sollen und in einer Findungsphase sind. Die persönlichen Beratungen finden an jedem 3. Donnerstag im Monat zwischen 18:00 und 21:00 Uhr in der Lagerhalle. Im April allerdings schon am 2. Donnerstag, dem 9. April.
Junge Männer spüren häufig Angst und Druck
Typische Besucher sind junge Männer, die Post von der Bundeswehr erhalten haben oder zur Musterung eingeladen wurden. Auch Soldaten und Reservisten suchen die Beratung auf.
Die Anliegen sind vielfältig: Viele berichten von Angst angesichts der aktuellen Aufrüstung oder fühlen sich durch Werbung der Bundeswehr unter Druck gesetzt. „Viele wollen bestärkt werden in ihrer Ablehnung des Kriegsdiensts, weil moralischer Druck auf sie ausgeübt wird, dass man sein Land angeblich nur als Soldat verteidigen kann“, erklärt die DFG/VK auf Nachfrage der Hasepost.
Die DFG/VK rechnet damit, dass der Beratungsbedarf künftig weiter steigen könnte. „Wir fürchten, dass es nicht bei eine Freiwilligkeit bleibt, weil sich nicht genug junge Menschen zum Kriegsdienst melden“, erklärt die Ortsgruppe Osnabrück. Deshalb bilden sich die Berater bereits jetzt weiter.
Aufklärung und Präsenz im Bildungsbereich
Neben der Beratung engagiert sich die Gruppe auch auf der Straße. Beim Schülerstreik am 5. März war sie mit einem Infostand vertreten. „Wir haben viel Material kostenlos verteilt und das Gespräch mit Schülerinnen und Schülern gesucht“, heißt es. Ein systematischer Kontakt zu Schulen besteht bislang noch nicht. Perspektivisch möchte die Initiative jedoch Vorträge anbieten. Dabei sollen Themen wie das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung, Alternativen zu militärischen Konfliktlösungen sowie internationale Friedensbemühungen im Mittelpunkt stehen.
Kritik an der aktuellen Wehrdienst-Debatte
Die DFG/VK lehnt das Wehrdienstmodernisierungsgesetz grundsätzlich ab: „Dieses Gesetz ist ein Teil der Strategie der Bundesregierung Deutschland kriegstüchtig zu machen“. Diese Entwicklung bewertet die Initiative als einen falschen politischen Weg. Auch die öffentliche Debatte über den Wehrdienst wird kritisch gesehen. Ziel sei es aus Sicht der Organisation, Krieg und Militär wieder breit im Denken der Menschen zu verankern. Gleichzeitig gehe die Aufrüstung zu Lasten von Bildung, Gesundheit, Kultur und Sozialleistungen. Argumente für den Wehrdienst weist die Initiative zurück: „Militär und Krieg dürfen keine Mittel der Konfliktbewältigung zwischen Völkern sein.“
Warum junge Menschen zweifeln
Nach Einschätzung der Beratungsstelle entscheiden sich viele junge Menschen gegen den Wehrdienst, weil sie sich allein gelassen fühlen. „Die jungen Leute sollen die ‚Drecksarbeit‘ machen und haben Angst in Kriegsgebieten zu sterben. Gleichzeitig werden sie von der Politik in für sie wichtigen politischen Themen alleingelassen, zum Beispiel beim Thema bezahlbarer Wohnraum“, heißt es von der DFG/VK. Die Entscheidung zur Verweigerung werde dabei sowohl als persönliche Gewissensfrage als auch als politisches Statement verstanden.
Ziele und Perspektiven in Osnabrück
Für die Zukunft wünscht sich die DFG/VK in Osnabrück eine stärkere Verankerung von Friedenspolitik in Stadt und Gesellschaft. „Wir wollen, dass Osnabrück seiner Rolle als Friedensstadt gerecht wird“, heißt es.
Gleichzeitig rechnet die Gruppe damit, dass sich mehr junge Menschen engagieren werden – insbesondere angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und der wachsenden Debatte um den Wehrdienst. Von Politik und Gesellschaft fordert die Initiative eine Rückkehr zu Entspannungspolitik und eine klare Distanzierung von Militarisierung.
Botschaft an Unentschlossene
Jungen Menschen, die unsicher sind, wie sie zum Wehrdienst stehen, empfiehlt die DFG/VK eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Deutlich formuliert sie ihre Haltung: „Kriegsdienst ist Töten und Morden auf Befehl.“ Die Entscheidung dagegen sei eine Frage des eigenen Gewissens. Einen wichtigen Tipp für alle, die den Fragebogen ausfüllen gibt die DFG/VK mit: „Kreuzt beim Fragebogen der Bundeswehr bei der Fragen nach eurem Interesse an der Bundeswehr unbedingt die Null an – schon die Eins gilt als Einberufungsgrund.“
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