Altkanzler besucht Kremlchef trotz Ukraine-Krieg – Politiker empört
Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat an der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau teilgenommen. Wie der Kreml auf Telegram mitteilte, habe Putin am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Aufenthalt in der russischen Hauptstadt erfahren und ihn spontan zu sich nach Hause eingeladen. Fotos zeigen die beiden Männer in herzlicher Umarmung. Schröder war zuvor in den Aufsichtsrat des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus berufen worden und hatte eine Filiale in Moskau besucht, wo er eine Begrüßungsrede hielt, wie der Sender RBK berichtete.
Merz empört über Schröders Putin-Treffen
Der Besuch löste in Deutschland parteiübergreifend scharfe Kritik aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei „zutiefst empört“, sagte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer, wie ZDFheute und die Süddeutsche Zeitung übereinstimmend berichten. Merz empfindet es als „unmoralisch“, dass Schröder an einem Tag mit Putin feiert, an dem russische Angriffe in der Ukraine mindestens 25 Tote und über 100 Verletzte forderten. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt bezeichnete den Besuch auf X als „Schande für Deutschland“ und „Verrat an Europa“. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) nannte Schröder „Deutschlands frechsten Rentner“ und warf ihm vor, er sei „zu krank für Untersuchungsausschüsse“, aber fit genug für „gut dotierte Mandate in Russland“.
SPD verteidigt Schröders Russland-Kontakte
Während die Kritik aus Union, Grünen und FDP einhellig ausfiel, gab es aus der SPD auch Verständnis. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Nils Schmid, betonte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, Schröder sei einer der wenigen mit Zugang zu Putin. Wenn sein Besuch dem Frieden auch nur „einen Millimeter“ gedient habe, sei er ein Erfolg. Ähnlich äußerte sich der SPD-Abgeordnete Stegner im Tagesspiegel: Schröder könne Türen öffnen, und man solle keine „Teufelsaustreibung“ betreiben.
Schröders umstrittene Rolle als Putins Lobbyist
Schröder steht seit Jahren wegen seiner engen Verbindungen zu Russland in der Kritik. Nach seiner Kanzlerschaft war er unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG für den russischen Energiekonzern Gazprom tätig. Die Pipeline ging wegen des Ukraine-Kriegs nie in Betrieb. Seit Beginn der russischen Invasion hat sich Schröder mehrfach mit Putin getroffen. Im Mai hatte Putin ihn sogar als möglichen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht – ein Vorschlag, der in der Bundesregierung auf Skepsis stieß.
Putins Geburtstagsangriff auf die Ukraine
Am Tag von Putins Geburtstag hatte Russland die Ukraine mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „Geburtstagsgeschenk für Putin“. Schröder selbst äußerte sich zu seinem Besuch bisher nicht öffentlich.