Nato-Generalsekretär Mark Rutte hält einen Einsatz der Allianz im Persischen Golf grundsätzlich für möglich. Vor dem Nato-Gipfel in Ankara verwies er darauf, dass das Bündnis in seiner Geschichte bereits außerhalb seines Territoriums aktiv war. Zugleich dämpfte er Erwartungen an eine kurzfristige Mission und verwies auf laufende Einsätze europäischer Staaten. In Deutschland äußerte sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius skeptisch zur Beteiligung der Bundesmarine.
Rutte signalisiert grundsätzliche Einsatzbereitschaft
Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte einen möglichen Einsatz der Allianz im Persischen Golf in Aussicht. „Wenn es erwünscht ist, kann die Nato helfen, selbstverständlich“, sagte Rutte dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe). Zwar sei ein Nato-Engagement nicht die erste Sache, an die man denken sollte. Die Nato sei aber in ihrer Geschichte schon außerhalb ihres Territoriums tätig gewesen.
Rutte äußerte sich vor dem Gipfeltreffen der Nato in Ankara. Er ist derzeit bemüht, US-Präsident Donald Trump vom Wert der transatlantischen Allianz zu überzeugen. Trump wirft den europäischen Bündnispartnern vor, die USA im Irankrieg im Stich gelassen zu haben. Die Europäer haben sich jedoch bereit erklärt, einen Marine-Einsatz zur Räumung von Seeminen in der Straße von Hormus zu organisieren.
Lob für europäische Koalition in der Straße von Hormus
„Im Moment sieht es danach aus, als ob die von den Franzosen und Briten geführte Koalition großartige Arbeit leistet“, sagte Rutte dem „Handelsblatt“. Eine Nato-Mission werde kurzfristig kaum möglich sein, aber vielleicht in der Zukunft, wenn es hilfreich sei.
Voraussetzung für einen Einsatz ist ein dauerhaftes Ende der Kämpfe und die Zustimmung des Iran. Beide Bedingungen sind bisher nicht erfüllt.
Bundesmarine in Dschibuti, Pistorius skeptisch
Die Bundesmarine hat bereits zwei Schiffe ins afrikanische Dschibuti verlegt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist jedoch skeptisch, ob es noch zu einem Einsatz kommt. Der SPD-Politiker will die beiden Schiffe möglicherweise schon im Sommer wieder nach Hause holen.
„Sie werden nicht unendlich warten“, sagte er am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rutte und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
