Führende Vertreter des Realo-Flügels der Grünen haben den Bundesverband der Grünen Jugend zu einer Kurskorrektur aufgefordert und warnen vor einer Abkehr von der politischen Mitte. Während einige Landesverbände der Grünen Jugend für ihre pragmatische Arbeit gelobt werden, werfen Kritiker dem Bundesverband laute Parolen und zu wenig inhaltliche Auseinandersetzung mit realen Problemen vor.
Realo-Vertreter mahnen Nähe zur gesellschaftlichen Mitte an
Omid Nouripour, Grünen-Politiker und Bundestagsvizepräsident, betonte gegenüber dem „Spiegel“ die Bedeutung einer Verankerung in der gesellschaftlichen Mitte. „Wer sich der Mitte der Gesellschaft verweigert, will einfach nur in die Nische, da ist es vielleicht bequemer, aber da löst man kein einziges Problem“, sagte Nouripour dem „Spiegel“.
Nouripour lobte den baden-württembergischen und den hessischen Landesverband der Grünen Jugend für ihre Arbeit. Beide hätten einen „tollen Wahlkampf“ gemacht und sich jüngst im Landtagswahlkampf im Südwesten und im Kommunalwahlkampf in Hessen mit „realen Problemen“ beschäftigt. „Andere fallen dagegen leider vor allem mit lauten Parolen auf“, so Nouripour laut „Spiegel“.
Hinweis auf Wahlverhalten junger Menschen
Danyal Bayaz, baden-württembergischer Finanzminister, erinnerte die Grüne Jugend an das Abschneiden der Partei bei der vergangenen Bundestagswahl. Er wies darauf hin, dass junge Menschen damals lieber AfD und Linkspartei als Grüne gewählt hätten, während der baden-württembergische Spitzenkandidat Cem Özdemir am 8. März „gerade bei Jung- und Erstwählern stark gepunktet“ habe. „Das ist etwas, womit sich der Bundesverband der Grünen Jugend auseinandersetzen sollte im Sinne: mehr Erkenntnis wagen, weniger Gewissheit“, so Bayaz dem Bericht zufolge.
Özdemir hatte am 8. März die Landtagswahl knapp vor dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel gewonnen.
Bundesvorstand der Grünen Jugend verteidigt Kritik
Die beiden Bundesvorsitzenden der Grünen Jugend, Henriette Held und Luis Bobga, verteidigten die Kritik an Özdemir noch in der Wahlnacht am 8. März. „Neben unserer Zusammenarbeit mit der Partei ist es natürlich auch unsere Aufgabe, die Partei zu kritisieren und innerparteiliche Debatten anzustoßen“, sagte Held dem „Spiegel“. „Deshalb wäre es nicht authentisch gewesen, wenn wir nach der Wahl in Baden-Württemberg so getan hätten, als wären wir mit allen Positionen einverstanden.“
Es gebe viele junge Menschen, die sich von den Grünen nicht vertreten fühlten, sagte Bobga dem „Spiegel“. Gerade junge Menschen mit Migrationshintergrund hätten ihm gesagt, „dass sie eine Kursverschiebung in der Migrationspolitik, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden hat, falsch finden“.
Bobga hatte in der Wahlnacht unter anderem bei ntv erklärt, nach den Wochen mit Özdemir sei er sich nicht sicher, ob ein gutes Ergebnis für die Partei am Ende auch gute Politik für die Menschen in Baden-Württemberg bedeute.
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