Die Eskalation des Kriegs im Iran hat die globalen Energiemärkte in eine neue Krise gestürzt. Innerhalb weniger Tage stieg der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent zeitweise auf über 115 US-Dollar – der höchste Stand seit Juli 2022, wie die Tagesschau berichtet.
Noch Anfang Januar hatte ein Barrel Brent knapp über 60 Dollar gekostet. Die US-Sorte WTI überschritt ebenfalls die 100-Dollar-Marke, nachdem sie Ende Februar noch bei rund 70 Dollar gelegen hatte. Auslöser ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt. Seit den Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran sowie den iranischen Gegenangriffen kommen dort kaum noch Tanker durch, wie die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf die New York Times und Reuters schreibt.
Börsen reagieren hart auf Iran-Konflikt
Die Folgen sind bereits spürbar: An den asiatischen Börsen brachen die Kurse ein, besonders in Ländern, die stark von Energieimporten abhängig sind. Der japanische Nikkei-Index verlor zeitweise über sieben Prozent, der südkoreanische KOSPI sogar mehr als acht Prozent. „Asien leidet am stärksten unter dem Ölpreisschock“, erklärte Vishnu Varathan von der Bank Mizuho gegenüber der Tagesschau. Auch in Europa und den USA wächst die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. Volkswirte der Commerzbank warnen, dass ein anhaltend hoher Ölpreis die Teuerungsrate im Euroraum auf drei Prozent treiben und das Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Sollte der Konflikt länger andauern, drohe sogar eine globale Rezession, wie JPMorgan-Chefvolkswirt Bruce Kasman gegenüber der Tagesschau betonte.
Während die Märkte nervös reagieren, versucht die US-Regierung, die Lage herunterzuspielen. Präsident Donald Trump bezeichnete die gestiegenen Ölpreise auf seinem Portal Truth Social als „sehr geringen Preis für die Sicherheit der USA und der Welt“ und behauptete, sie würden nach der „Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran“ schnell wieder fallen. Doch Analysten von Goldman Sachs warnen laut Reuters, dass ein Ölpreis von 100 Dollar oder mehr die globale Konjunktur belasten werde. Besonders betroffen sind Raffinerien, die nun nach Ersatz für schweres Rohöl aus dem Nahen Osten suchen müssen – was die Preise für alternative Sorten aus Amerika, Europa oder Afrika ebenfalls in die Höhe treibt.
Speditionen leiden unter hohen Energiepreisen
Die Logistikbranche schlägt bereits Alarm: Steigende Kraftstoffkosten belasten Speditionen und Transportunternehmen, während Versicherungen für Schiffstransporte teurer werden. Sollten die Lieferengpässe anhalten, könnte dies laut Frankfurter Rundschau zu einer echten Versorgungskrise führen, falls Tanker ihre Ladepunkte im Persischen Golf nicht mehr anlaufen können. Gleichzeitig zeigt der Konflikt, wie verwundbar die globale Energieversorgung bleibt – trotz Fortschritten bei erneuerbaren Energien. Während einige Haushalte in Deutschland durch Wärmepumpen oder Elektroautos bereits unabhängig von Öl- und Gaspreisen sind, wie der Spiegel in einer Kolumne beschreibt, bleibt die Mehrheit der Wirtschaft weiterhin von fossilen Brennstoffen abhängig.
Wie lange dauert die Seeblockade an?
Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, wie lange die Straße von Hormus blockiert bleibt. Die Commerzbank-Experten Christoph Balz und Marco Wagner halten in ihrem Basisszenario eine kurze Kriegsphase von wenigen Wochen für wahrscheinlich. Doch das Risiko einer monatelangen Eskalation bestehe – insbesondere, wenn die USA und Israel ihren erklärten Ziel eines „Regime-Wechsels“ im Iran weiterverfolgen. In diesem Fall könnten die Ölpreise laut JPMorgan sogar nachhaltig über 120 Dollar steigen, mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.