Trotz sinkender Spannungen an den Ölmärkten rechnet Wirtschaftsweiser Gabriel Felbermayr damit, dass die Kraftstoffpreise in Deutschland in den kommenden Monaten hoch bleiben. Er warnt vor überzogenen Hoffnungen auf deutlich sinkende Spritpreise und sieht zugleich Risiken durch leere Gasspeicher und mögliche Panikkäufe im Energiesektor.
„Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch“
Wirtschaftsweiser Gabriel Felbermayr erwartet, dass die jüngste Entspannung an den Ölmärkten sich vorerst nicht deutlich an den Zapfsäulen niederschlagen wird. „Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch“, sagte Felbermayr der „Welt“ (Donnerstagausgabe). Auch wenn sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhige, müsse sich „das gesamte System erst in ein neues Gleichgewicht bewegen“.
Er verwies darauf, dass Schiffe bereits umdirigiert worden seien und zusätzlich Unsicherheiten bei Versicherungsprämien sowie bei den Transitgebühren für Fahrten durch die Straße von Hormus bestünden. „Selbst im besten Fall werden uns diese Verwerfungen noch Monate beschäftigen“, sagte er der „Welt“. Für das Jahresende hält er einen Rohölpreis von rund 80 Dollar für plausibel. Die 60 Dollar, die es zu Jahresbeginn gab, seien dagegen „auf absehbare Zeit“ nicht realistisch.
Debatte über staatliche Entlastungen
Staatliche Entlastungen der Privathaushalte und der Wirtschaft hält Felbermayr derzeit nicht für zwingend. Er rät der Politik jedoch, Instrumente für den Fall eines neuen Preisschubs vorzubereiten. Die Politik müsse sich jetzt überlegen, welche Lösungen tragfähig seien. „Eine Möglichkeit wäre, zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen, die der Staat durch steigende Energiepreise erzielt, an die Bürger zurückzugeben. Der Staat sollte kein Krisengewinner sein“, sagte er der „Welt“.
Dass die schwarz-rote Koalition nicht wie andere Regierungen in Europa schon in den vergangenen Wochen ein Hilfsprogramm in Milliardenhöhe aufgelegt hat, begrüßte Felbermayr. „Es ist gut, nicht bei den ersten Verwerfungen sofort wieder eine Art wirtschaftspolitische Vollkasko zu versprechen“, sagte er der „Welt“. Dass man den ersten populistischen Reflexen widerstanden habe, sei ein gutes Zeichen.
Konjunkturaussichten und Risiko leerer Gasspeicher
Für die deutsche Wirtschaft rechnet Felbermayr im Jahr 2026 nicht mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. „Vor allem nach dem Waffenstillstand sehe ich keine Rezession, wohl aber eine anhaltende Belastung der Wirtschaft“, sagte er der „Welt“. Die Wachstumsprognosen dürften sich seinen Angaben zufolge um einige Zehntel nach unten verschieben. Das sei unangenehm, aber noch kein Einbruch.
Sorgen bereiten dem Ökonomen nach eigenen Worten die leeren Gasspeicher, die erneut starken Preisdruck auslösen könnten. Wenn nun alle auf sinkende Preise warteten, würden die Speicher immer später gefüllt. „Irgendwann kommt der Punkt, an dem alle kaufen müssen. Solche panikartigen Käufe könnten die Preise im Herbst wieder ordentlich antreiben, auch wenn die akute Krise vor Ort gar nicht mehr da ist“, sagte Felbermayr der „Welt“.
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