Der Renten-Ökonom Axel Börsch-Supan sieht derzeit keinen Bedarf für eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Stattdessen fordert er mehr Flexibilität beim Übergang in den Ruhestand sowie eine Korrektur bestehender rentenpolitischer Regelungen, die nach seiner Einschätzung hohe Mehrkosten verursachen.
„Rente mit 70“ nach Einschätzung des Experten noch fern
Renten-Ökonom Axel Börsch-Supan hält die aktuell diskutierte Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre für nicht erforderlich. Die Lebenserwartung steige nur sehr langsam, sagte er der „Welt am Sonntag“. Wörtlich erklärte er: „grob gesagt müsste man etwa alle 14 Jahre ein Jahr länger arbeiten“. Eine „Rente mit 70“ liege damit „weit in der Zukunft“.
Börsch-Supan, Chef des Munich Research Institute for the Economics of Aging (MEA), plädiert stattdessen für mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Wer früher aus dem Erwerbsleben ausscheide, solle dafür deutlich stärkere Abschläge in Kauf nehmen müssen.
Forderung nach höheren Abschlägen und flexiblerem Rentenbeginn
Nach Auffassung von Axel Börsch-Supan ist der geltende Abschlag von 3,6 Prozent bei einem vorzeitigen Renteneintritt zu niedrig. Rechnerisch müsste er bei fünf Prozent liegen, argumentiert der Ökonom. Mehr Flexibilität beim Rentenbeginn solle mit einer strengeren finanziellen Anrechnung eines frühen Ausstiegs verbunden werden.
Als eine der beiden größten rentenpolitischen Fehlentscheidungen bezeichnet Börsch-Supan die Haltelinie beim Rentenniveau. Sie allein werde Mehrkosten „in der Größenordnung von 200 Milliarden Euro“ verursachen, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Kritik an Haltelinie, Rente nach 45 Jahren und Rente mit 63
Neben der Haltelinie beim Rentenniveau nennt Axel Börsch-Supan die abschlagsfreie Rente nach 45 Arbeitsjahren als zweite große rentenpolitische Fehlentscheidung. Kurzfristig drohe ab spätestens 2031 ein Beitragssprung um etwa zwei Prozentpunkte, sobald die Reserve der Rentenversicherung von rund 40 Milliarden Euro aufgebraucht sei, erklärte er gegenüber der „Welt am Sonntag“.
Besonders kritisch bewertet Börsch-Supan die Rente mit 63. „Erstaunlicherweise nutzen sie vor allem gutverdienende und gesunde Menschen“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Würde man diese Regelung abschaffen, könnten nach seiner Einschätzung, über zwei Jahre gerechnet, mehr als eine halbe Million zusätzliche Arbeitskräfte im System gehalten werden.
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