Der US-Ökonom Mohamed El-Erian warnt vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in Iran und hält in Deutschland ein Tempolimit zur Reduzierung des Energieverbrauchs für möglich. Der Allianz-Berater rechnet mit dauerhaft höheren Energiepreisen, Inflation und Zinsen und sieht sowohl Europa als auch die USA mit erheblichen Risiken für Wachstum und Finanzstabilität konfrontiert.
Tempolimit als Option zur Senkung des Energieverbrauchs
Mohamed El-Erian, Berater des Versicherungskonzerns Allianz, erwartet „gravierende strukturelle Effekte“ des Kriegs in Iran und bringt für Deutschland ein Tempolimit ins Gespräch, um Energie zu sparen. Es gebe „Möglichkeiten, die Bürger dazu zu bewegen, ihren Energieverbrauch zu drosseln“, sagte El-Erian dem „Spiegel“. Es gebe Länder, die ihre Bevölkerung ermuntern, zu Hause zu arbeiten, „während andere ein Tempolimit einführen“. Das sei „ein Beispiel, was möglich wäre“.
Von Preiskontrollen für Benzin rät der Ökonom hingegen ab. „Da bin ich Purist, das halte ich für keine gute Idee.“ Besser seien „gezielte finanzielle Entlastungen, etwa Unterstützung für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen“, so El-Erian laut „Spiegel“.
Irreversibler Schaden und Risiko für wirtschaftliche Stabilität
Der Krieg im Nahen Osten habe nach Einschätzung El-Erians bereits jetzt irreversiblen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Selbst wenn der Krieg heute enden würde, „müssten wir für einige Zeit mit höheren Energiepreisen, höherer Inflation und höheren Zinsen leben“, erklärte der Ökonom dem „Spiegel“.
Sollte es zu weiteren Schäden an der Energieinfrastruktur der Golfstaaten kommen, würden sich diese Probleme nach seinen Worten verschärfen, die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität stehe auf dem Spiel. „Der Geist der Inflation ist aus der Flasche, er wird sich nicht mehr vollends einfangen lassen.“ Für Europa sehe er zudem die Wahrscheinlichkeit einer Rezession derzeit bei 35 Prozent.
Eurobonds, Reformen und Risiken für die USA
„Deutschland hätte den finanziellen Spielraum und die Möglichkeit zu strukturellen Reformen, um die Folgen des Irankriegs aufzufangen“, sagte der frühere Cambridge-Ökonom, der einst US-Präsident Barack Obama beraten hat, dem „Spiegel“. Mit einem „koordinierten regionalen Vorgehen“ könne auch Europa die Krise mildern.
Dafür regt El-Erian laut „Spiegel“ die Aufnahme gemeinsamer Schulden an, „also eine Art Eurobonds“. Wenn dagegen jeder europäische Staat auf sich gestellt sei, werde das für manche schwierig. „Frankreich beispielsweise hat sehr wenig fiskalpolitischen Spielraum.“
Auch für die US-Wirtschaft sieht El-Erian „erhebliche Inflations- und Wachstumsrisiken“ und Gefahren für die Finanzstabilität. „Mich erinnert die Lage an frühere Finanzkrisen“, so der Ökonom im „Spiegel“. Nachdem Trump Iran am vergangenen Wochenende ein Ultimatum gesetzt hatte, habe es Hinweise gegeben, „dass es an den Finanzmärkten zu Liquiditätsengpässen kommen könnte“. Dann habe Trump eine Kehrtwende gemacht und das Ultimatum verlängert.
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