Der Oberbürgermeister-Kandidat der Linken, Dr. Thomas Groß, wirft dem Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums, Dr. Sven Jürgensen, eine „unerträgliche Relativierung“ des Nationalsozialismus vor.
Auslöser des Streits ist ein Interview Jürgensens mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Darin argumentierte der Leiter des Friedenszentrums, dass Remarque militärische Gewalt gegen das NS-Regime für geboten hielt. Die Schlussfolgerung des Leiters des Friedenszentrums: Remarque tauge daher heute nicht als guter Zeuge für eine strikte Ablehnung von Aufrüstung oder Wehrpflicht.
Was genau hat Dr. Jürgensen bei der NOZ gesagt?
Konkret wird Dr. Sven Jürgensen von der NOZ wie folgt zitiert: „Remarque ist in der heutigen Zeit kein guter Zeuge, um die Unterstützung der Ukraine zu kritisieren oder Wehrpflicht und Aufrüstung rundheraus abzulehnen“.
Der direkt darauf folgende Satz – „Denn es kann Dinge geben, die können es wert sein, auch mit dem Leben verteidigt zu werden“ – findet in der Replik von OB-Kandidat Groß jedoch keine Erwähnung mehr.
Kann man die Gräuel eines ungerechten Kriegs in Zahlen messen?
Linken-Politiker Dr. Thomas Groß, im Hauptberuf Professor für öffentliches Recht an der Universität Osnabrück, schreibt in seiner scharfen schriftlichen Erklärung, dass er zwar anerkenne, dass Wladimir Putin ein „rechtsradikaler Diktator“ sei, der Kriegsverbrechen verantworte, doch warnt er vor einer Gleichsetzung mit dem industriellen Massenmord der Nationalsozialisten.
Um seine Kritik zu untermauern, nutzt Groß eine quantitative Gegenüberstellung: Er kontrastiert die rund 15.000 zivilen Opfer des Ukraine-Krieges (UN-Schätzungen) mit den über 10 Millionen zivilen Toten der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg – davon allein 1,1 Millionen während der Leningrader Blockade. Wer diese Unterschiede verwische, so meint Groß, handle „geschichtsblind“.