Der neue Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr hält zur Abwehr möglicher Inflationsrisiken infolge des Iran-Kriegs staatliche Eingriffe in die Treibstoffpreise für denkbar. Er warnt vor einer „ausgewachsenen“ Energiepreiskrise, sollte sich der Konflikt im Nahen Osten länger hinziehen oder zentrale Seewege blockiert werden.
Felbermayr schließt Eingriffe in Treibstoffpreise nicht aus
Zur möglichen Begrenzung eines Anstiegs der Benzinpreise an den Tankstellen brachte Gabriel Felbermayr Preisobergrenzen ins Gespräch. „Man könnte eventuell über Obergrenzen für Treibstoffpreise sprechen, ab denen es dann zu einer Intervention der Regierung kommen kann, am besten international koordiniert durch die Freigabe von strategischen Reserven“, sagte Felbermayr der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe). „Diese Obergrenzen sollten nicht zu niedrig gedacht werden“, sagte Felbermayr.
Der österreichische Ökonom warnte vor dem Risiko einer „ausgewachsenen“ Energiepreiskrise, sollte der Konflikt im Nahen Osten für längere Zeit andauern oder sollte die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr dauerhaft gesperrt werden. „Soweit ist es noch überhaupt nicht, aber wenn die Dinge einen Monat oder so weiter andauern, dann gibt es tatsächlich Gefahr, nicht nur für das Wachstum. Dann werden wir das auch in der Inflation deutlich spüren“, sagte Felbermayr der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Eine Verdopplung des Ölpreises könne Deutschland grob schon bis zu 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten, so Felbermayr. „Nachdem die Erholung in Deutschland eine zarte ist, ist dieser Gegenwind über die höheren Energiepreise jetzt alles andere als hilfreich.“
Geopolitische Folgen für China
Geopolitisch legt der Iran-Krieg nach Einschätzung des Ökonomen Schwächen der Volksrepublik offen. „Für China sind diese Vorgänge sehr unerfreulich. Iran und auch Venezuela waren Teil des großen geopolitischen Plans der Chinesen“, sagte Felbermayr der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Dass weder China noch Russland hier in irgendeiner Weise dem Iran zur Hilfe kommen können, zeigt die Schwäche Chinas in dieser Situation.“ Zudem seien die hohen Energiepreise für China schmerzhafter als für die USA.
Deutschlands Rolle im Konflikt zwischen USA und China
Im Konflikt der beiden Großmächte USA und China empfahl Felbermayr Deutschland und Europa, sich wirtschaftlich nicht auf eine Seite ziehen zu lassen. „Wir können weder auf die USA noch auf China als Handelspartner verzichten. Eine Entscheidung entweder für Amerika oder für China wäre für uns verheerend“, sagte Felbermayr der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch der Berufung von Felbermayr in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zugestimmt. Die Mitglieder des Sachverständigenrats werden umgangssprachlich als „Wirtschaftsweise“ bezeichnet. Felbermayr übernimmt dort den Platz von Ulrike Malmendier, deren Vertrag auf Wunsch der Union nicht mehr verlängert worden war.
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