Ein wichtiger Schritt für die Versorgung der kleinsten Patientinnen und Patienten in der Region: Am Christlichen Kinderhospital Osnabrück (CKO) hat nach rund einem Jahr intensiver Planung eine neu aufgebaute Frauenmilchbank ihre Arbeit aufgenommen. Sie erweitert das medizinische Angebot des Level-1-Perinatalzentrums erheblich und kommt vor allem Frühgeborenen und kranken Neugeborenen zugute, wenn die Milch der eigenen Mutter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Spenderinnenmilch ist beste Alternative
In der Frauenmilchbank wird gespendete Muttermilch strukturiert gesammelt, sorgfältig untersucht, pasteurisiert und gelagert. So kann sichergestellt werden, dass Frühgeborene und kranke Neugeborene auch dann Muttermilch erhalten, wenn der natürliche Milchfluss verzögert einsetzt oder vorübergehend nicht ausreicht – etwa nach einer belastenden oder sehr frühen Geburt. „Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass Muttermilch von unschätzbarem Wert für Frühgeborene ist. Sie stärkt das Immunsystem, unterstützt die Organreifung und fördert die Entwicklung des Gehirns“, erklären Berit Kröner und Katharina Restemeyer. Für die ärztlichen Leiterinnen der Frauenmilchbank am Christlichen Kinderhospital sei Spenderinnenmilch die beste Alternative, wenn die eigene Milch noch fehle.
Lebenswichtige Vorteile
Gegenüber künstlicher Säuglingsnahrung enthält Frauenmilch eine Vielzahl immunaktiver Bestandteile, Antikörper und Nährstoffe. Besonders für Frühgeborene, deren Darm und Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt sind, ist sie von entscheidender Bedeutung. Studien belegen, dass die Ernährung mit Muttermilch das Risiko schwerer Komplikationen deutlich senkt – zum Beispiel von potenziell lebensbedrohlichen Darmerkrankungen. Gleichzeitig entlastet das Angebot die Mütter. „Viele Frauen stehen nach einer Frühgeburt unter großem Druck, möglichst schnell Milch produzieren zu müssen“, erklärt Daniela Künne, Still- und Laktationsberaterin im CKO. „Die Möglichkeit, ihr Kind in der Anfangszeit mit Spenderinnenmilch zu versorgen, nimmt Stress und schafft Raum, damit sich die eigene Milchbildung in Ruhe entwickeln kann“, ergänzt Kollegin Karoline Plischke.
Regionale Bedeutung und Perspektive
Frauenmilchbanken sind in Deutschland noch immer selten: Obwohl es bundesweit mehr als 200 spezialisierte Zentren für die Versorgung von Frühgeborenen gibt, verfügen nur etwa 50 Einrichtungen über eine Frauenmilchbank. Auch in Niedersachsen war das Angebot bislang begrenzt. In Osnabrück wird diese Versorgungslücke jetzt weiter geschlossen und die Ernährungssicherheit für besonders vulnerable Neugeborene gestärkt. Langfristig ist das Ziel klar: Möglichst alle sehr kleinen Frühgeborenen und kranken Neugeborenen sollen zumindest in der sensiblen Anfangsphase mit Muttermilch versorgt werden können.
Spenden unter strengen Auflagen
Spenderin kann jede gesunde Mutter werden, die über den Bedarf ihres eigenen Kindes hinaus Muttermilch produziert. Voraussetzung sind umfassende medizinische Untersuchungen, eine hygienische Einweisung sowie die Einhaltung strenger Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Die Milch wird getestet, aufbereitet und so gelagert, dass höchste Sicherheit für die kleinen Empfängerinnen und Empfänger gewährleistet ist. Anonymität und Datenschutz haben dabei oberste Priorität. „Die Bereitschaft der Mütter zu spenden ist erfreulich groß“, heißt es aus dem Christlichen Kinderhospital. „Viele Frauen möchten nach eigenen belastenden Erfahrungen etwas zurückgeben und anderen Familien helfen. Das stärkt nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl.“
Ganzheitlicher Ansatz für Familien
Die neue Frauenmilchbank im CKO fügt sich nahtlos in den ganzheitlichen Ansatz des Perinatalzentrums ein. Neben modernster Intensivmedizin gehören auch psychosoziale Unterstützung, intensive Elternbegleitung und professionelle Stillberatung zum Versorgungskonzept. Mit der Eröffnung der Frauenmilchbank setzt das Christliche Kinderhospital ein starkes Zeichen für die Bedeutung von Muttermilch in der Neugeborenenmedizin und für eine besonders sensible, familienorientierte Versorgung der jüngsten Patientinnen und Patienten. Das Christliche Kinderhospital zählt zu den größten Kinderkliniken in Nordwestdeutschland. Gemeinsam mit dem Marienhospital Osnabrück und dem Klinikum Osnabrück gewährleistet es die Versorgung von Risikogeburten nach höchsten medizinischen Standards.
Zahlen-Daten-Fakten zum CKO:
Das Christliche Kinderhospital Osnabrück (CKO) ist eine Spezialklinik für Kinder- und Jugendmedizin und spezielle Kinderurologie in Osnabrück. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Marienhospital Osnabrück. Eröffnet wurde das CKO am 1. Juli 2011. Das Christliche Kinderhospital bietet insgesamt 131 Betten sowie 80 Übernachtungsmöglichkeiten für Begleitpersonen in den Patientenzimmern. Das Haus ist in der Kinder- und Jugendmedizin auf alle Bereiche der Pädiatrie, Kinderchirurgie und Kinderorthopädie spezialisiert. Darunter unter anderem die Pneumo- und Allergologie, die Neurologie und Gastroenterologie, Neonatologie und Intensivmedizin, die Diabeto- und Endokrinologie sowie die Kardiologie. Zudem ist das CKO Kinderschmerzzentrum und gehört in Deutschland zu den führenden Kinderkliniken. Mit seinen Intensivstationen arbeitet das Krankenhaus im Bereich der Neonatologie auf dem höchsten Level 1-Standard. Das CKO ist Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover. Das CKO hat jährlich rund 33-tausend Übernachtungen und zudem 18-tausend Übernachtungen von Begleitpersonen der Kinder. Im Christlichen Kinderhospital Osnabrück sind rund 600 Menschen beschäftigt, darunter ca. 280 Vollzeitkräfte in der Pflege sowie ca. 60 Vollzeitkräfte im ärztlichen Dienst. Zum CKO gehören zwei Tochterfirmen – der ambulante Kinderintensivpflegedienst KidsCare sowie die Kinderhospital MVZ GmbH mit Betriebsstätten in Georgsmarienhütte, Bramsche und Fürstenau.
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