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Deutschland & die Welt

Neue BKA-Zahlen: Gewalt gegen Frauen nimmt deutlich zu

von mit Material von dts Nachrichtenagentur, bearbeitet 21. November 2025
von mit Material von dts Nachrichtenagentur, bearbeitet 21. November 2025
Vorstellung der Bundeslagebilder "Häusliche Gewalt 2024" und "Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024" am 21.11.2025 / via dts Nachrichtenagentur
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Die Zahl weiblicher Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten ist im Jahr 2024 weiter gestiegen. Besonders deutlich ist der Anstieg bei digitaler Gewalt sowie bei frauenfeindlichen Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Taten im Dunkelfeld, wie neue Befragungsdaten zeigen. Auch bei Häuslicher Gewalt erreichen die Opferzahlen einen neuen Höchststand.

Mehr weibliche Opfer von Sexualdelikten und Tötungsdelikten

Die Bundeslagebilder „Häusliche Gewalt 2024“ und „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ wurden am Freitag in Berlin von Bundeskriminalamt, Bundesinnenministerium und Familienministerium vorgestellt. Demnach wurden 2024 in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten erfasst, ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber 2023 (52.330). Knapp die Hälfte der Betroffenen war zum Tatzeitpunkt minderjährig.

Die meisten der registrierten Frauen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Belästigung (36,4 Prozent). Es folgen Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff (insgesamt 35,7 Prozent) sowie sexueller Missbrauch (27,5 Prozent).

Im Jahr 2024 wurden 308 Mädchen und Frauen getötet. Insgesamt erfasste die PKS 328 Mädchen und Frauen als Opfer vollendeter Tötungsdelikte, ein Rückgang um 8,9 Prozent im Vergleich zu 2023 (360). Da in der PKS 2024 erstmals der Verletzungsgrad der Opfer bundeseinheitlich erfasst wurde, ist nun eine Unterscheidung zwischen den von vollendeten Tötungsdelikten insgesamt betroffenen Opfern und den tatsächlich tödlich verletzten Personen möglich. Betroffene Opfer können beispielsweise Kinder sein, die bei der Tat auch angegriffen, aber nur verletzt wurden. 859 Frauen und Mädchen wurden Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten, 8,4 Prozent weniger als 2023 (938).

Tötungsdelikte an Frauen könnten über die Daten der PKS nicht als „Femizide“ im Sinne des allgemeinen Verständnisses „Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist“ interpretiert werden, hieß es weiter. Begründet wird dies damit, dass keine bundeseinheitliche Definition des Begriffs „Femizid“ existiere und in der PKS keine Tatmotivation erfasst werde. Eine trennscharfe Abbildung und Benennung von Femiziden sei daher auf Basis der vorliegenden kriminalstatistischen Daten nicht möglich.

Deutlicher Anstieg digitaler und frauenfeindlicher Straftaten

Digital verübte Gewalt trifft zunehmend Frauen und Mädchen. 18.224 weibliche Opfer wurden 2024 in diesem Bereich registriert, etwa durch Cyberstalking oder Online-Bedrohungen. Gegenüber 2023 (17.193) bedeutet dies einen Anstieg um 6,0 Prozent und den stärksten Zuwachs in allen Fallgruppen.

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität wird die Tatmotivation berücksichtigt. Hier wurden 2024 insgesamt 558 frauenfeindliche Straftaten erfasst, ein Anstieg um 73,3 Prozent. Damit setzt sich der bereits 2023 verzeichnete Anstieg fort (2023: +56,3 Prozent). Knapp die Hälfte der Delikte entfällt auf den Straftatbestand Beleidigung. Bei den registrierten 39 Gewaltdelikten handelt es sich in den meisten Fällen um Körperverletzungen; 2024 wurde in diesem Zusammenhang ein versuchtes Tötungsdelikt erfasst.

Häusliche und innerfamiliäre Gewalt auf Höchststand

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 265.942 Menschen Opfer Häuslicher Gewalt, ein neuer Höchststand. Knapp ein Viertel aller in der PKS erfassten Opfer ist damit der Häuslichen Gewalt zuzuordnen. Die Opfer sind mit 70,4 Prozent überwiegend weiblich. Zur Häuslichen Gewalt zählt sowohl die Partnerschaftsgewalt als auch die Innerfamiliäre Gewalt, also Gewalthandlungen zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern und anderen Angehörigen.

Zugleich zeigt sich, dass zunehmend auch Männer und Jungen betroffen sind. 2024 waren mit 78.814 Betroffenen fast 30 Prozent der Opfer Häuslicher Gewalt männlich. Wie schon in den Vorjahren waren die meisten Opfer Häuslicher Gewalt von Partnerschaftsgewalt betroffen (171.069 Personen; 64,3 Prozent), während 94.873 Personen (35,7 Prozent) Innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt waren.

Im Bereich der Partnerschaftsgewalt stieg die Zahl der Opfer um 1,9 Prozent auf 171.069. Rund 80 Prozent der Opfer sind weiblich. Unter den Tatverdächtigen sind Männer mit 77,7 Prozent weiterhin deutlich überrepräsentiert. Häufigstes Delikt bei weiblichen wie männlichen Opfern ist die Körperverletzung. 132 Frauen und 24 Männer wurden 2024 durch Partnerschaftsgewalt getötet.

Von Innerfamiliärer Gewalt waren 2024 insgesamt 94.873 Personen betroffen, ein Anstieg um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 54,2 Prozent der Opfer sind weiblich, 45,8 Prozent männlich. Am stärksten betroffen sind Kinder zwischen 6 und 14 Jahren. Auch hier ist Körperverletzung das häufigste Delikt. 130 Menschen wurden 2024 im Kontext Innerfamiliärer Gewalt getötet (2023: 155, -16,1 Prozent), darunter 71 männliche und 59 weibliche Opfer.

Auffällig ist bei Partnerschaftsgewalt wie Innerfamiliärer Gewalt ein Anstieg der Straftaten im digitalen Raum. Im Kontext von Partnerschaftsgewalt stieg die Zahl der Opfer digitaler Gewalt gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent auf 4.876, im Rahmen der Innerfamiliären Gewalt um 20,4 Prozent auf 2.027.

Holger Münch, BKA-Präsident, sagte: „Die Zahl der Straftaten an Frauen steigt kontinuierlich. Wir sehen hier allerdings nur das Hellfeld. Gerade bei Häuslicher Gewalt, die oft hinter verschlossenen Türen geschieht, gibt es ein hohes Dunkelfeld.“ Nach den Angaben ist die Zahl der polizeilich registrierten Opfer Häuslicher Gewalt innerhalb der letzten fünf Jahre um insgesamt 17,8 Prozent gestiegen.

Viele Taten im Bereich Partnerschaftsgewalt, sexualisierte und digitale Gewalt werden jedoch nicht angezeigt, etwa aus Angst, Abhängigkeit oder Scham. Erste Ergebnisse der Dunkelfeld-Opferbefragung „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ zeigen: Die Anzeigequote liegt meist unter zehn Prozent, bei Partnerschaftsgewalt sogar unter fünf Prozent. Die Frequenz und der Schweregrad der Gewalterfahrung sind bei Frauen über alle Gewaltformen hinweg höher als bei Männern. Rund ein Viertel der Opfer von Partnerschaftsgewalt wird mehrfach Opfer. Zudem erleben die Betroffenen von Partnerschaftsgewalt oft mehrere Gewaltformen. Auch Erfahrungen mit Gewalt in der Kindheit sind nach den Ergebnissen der Studie weit verbreitet: Jede zweite in der Studie befragte Person berichtet – unabhängig vom Geschlecht – im Leben schon mal körperliche Gewalt durch Eltern und Erziehungsberechtigte erlebt zu haben.

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mit Material von dts Nachrichtenagentur, bearbeitet

Dieser Artikel wurde mit Material der Nachrichtenagentur dts erstellt, kann jedoch durch unsere Redaktion ergänzt oder aktualisiert worden sein.

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