Die Naturschutz- und Waldbehörde (28,4 Hektar) der Stadt Osnabrück und der Osnabrücker Servicebetrieb (191,7 Hektar), bewirtschaften zusammen eine Waldfläche von 220,1 Hektar – das entspricht etwa der Größe von 314 Fußballfeldern. Gemeinsam setzen sie sich für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie die Entwicklung eines zukunftsfähigen Waldbestandes ein.
Herausforderungen eines urbanen, zersplitterten Stadtwaldes
Osnabrücks Wälder erfüllen zahlreiche Funktionen, die teils in Konkurrenz zueinanderstehen können. Sie sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, dienen der Holzproduktion, tragen als Kohlenstoffsenke zum Klimaschutz bei und sind gleichzeitig wichtige Naherholungsgebiete für die Stadtbevölkerung. Auch erhöhte Anforderungen an die Verkehrssicherheitspflichten in den Stadtwäldern müssen mit der Bewirtschaftung in Einklang gebracht werden.
In enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt Ankum der Niedersächsischen Landesforsten und der Unteren Naturschutzbehörde werden diese vielfältigen Anforderungen daher in einer Strategie zusammengeführt, die sowohl ökologische wie auch klimaschutzrechtliche Belange mit Erholungsfunktionen vereint.
Gemeinsame Entwicklungsziele: zukunftsfähiger Laubmischwald
Im Natruper Holz haben sich alle Projektbeteiligten gemeinsam mit den Mitgliedern des Osnabrücker Servicebetrieb-Ausschusses im Wald getroffen, um das Ziel der Entwicklung abzustecken. Der Fokus liegt auf der Förderung eines zukunftsfähigen Laubmischwaldes, der widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel ist. „Denn“, so Förster Jens Kohlbrecher der Revierförsterei Iburg des Forstamtes Ankum, „wir wissen nicht, wohin die Reise geht.“
Um einen vitalen und nachhaltigen Bestand zu sichern, wird auf heimische Altbäume mit großkronigem Wuchs sowie einem altersabgestuften Nachwuchs gesetzt. Aktuell liegt der Anteil der Laubbäume im Natruper Holz mit 88 Prozent deutlich über dem Nadelbaumanteil. Besonders gefördert werden Baumarten wie Stiel-Eichen, Buchen, Kirschen und Ahorn, während nicht heimische Arten wie die Rot-Eiche oder die nicht standortgerechte Fichte langfristig zurückgedrängt werden. Dies schafft Raum für standorttypische sowie klimafitte Laubbaumarten. Es wird auf Biodiversität gesetzt, also eine gute Durchmischung des Waldes. Vor allem soll Platz für die Eichen geschaffen werden. Von allen heimischen Baumarten leben in und an der Eiche die meisten Insektenarten. Durch die Ausbreitung der schattenverträglichen Buche im Natruper Holz sind sie allerdings in ihrer Entwicklung bedroht. „Eingriffe in die Waldentwicklung sind unerlässlich, da es sonst das Ende der Eichen bedeuten würde,“ so der mahnende Apell des Forstamtsleiters Sebastian Höft. Die Buchen wachsen im Lichtschacht der Eichen und machen sich breit. Eichen gelten als Lichtbaumarten, da sie für eine optimale Entwicklung, Wachstum und für ihre Vitalität ein besonders starkes Bedürfnis nach Licht haben. Die Buche hingegen ist eine typische Schattenbaumart. Das bedeutet, dass sie in jungen Jahren auch im Schatten gedeihen kann. Dies ermöglicht der Buche, unter einem dichten Kronendach anderer Bäume zu wachsen und mit der Zeit andere Baumarten zu verdrängen, da ihre Krone dichter und umfassender wird, sobald sie genügend Licht erhält.
Maßgeschneiderte Maßnahmen pro Einzelflächen
Armin Feiler, Abteilungsleiter Stadtgrün beim Osnabrücker Servicebetrieb, betont, „jede Fläche benötigt individuelle Eingriffe. One size fits all, kann hier nicht angewendet werden.“ Besonders in älteren Beständen müssen punktuell Bäume entnommen werden, um Raum für die Weiterentwicklung zukunftsfähiger Baumarten zu schaffen. Selbst gesunde Bäume müssen weichen, wenn sie andere, für das Ökosystem essenzielle Arten, am Wuchs hindern. In gemischten Beständen erfolgen gezielte, lenkende Eingriffe, um die Artenzusammen-setzung in Richtung standortgerechter Laubbaumarten wie Stiel-Eiche, Buche, Kirsche und Ahorn zu steuern.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der konsequenten Erhaltung von Habitatbäumen, die für Tiere und Pflanzen einen unersetzlichen Lebensraum darstellen. Auch Totholz, das für die Biodiversität eine wichtige ökologische Rolle spielt, bleibt in der Mitte der Flächen erhalten. In Bereichen mit dichtem Jungwuchs sind regelmäßige Pflegemaßnahmen unerlässlich, um den aufstrebenden Baumgenerationen optimale Wachstumsbedingungen zu bieten. Zudem wird die Wasserhaltung durch Senken und Gräben gefördert. Dazu gehören Rückstauzonen, die Feuchtigkeit nachhaltig sichern und ein Wachstum der Bäume in Trockenperioden ermöglichen. Außerdem verhindern sie, dass Wege dauerhaft überflutet werden.
Mit diesen Pflegemaßnahmen werden sowohl die strukturelle als auch die ökologische Vielfalt des Waldgebietes für eine langfristige Zukunft sichergestellt, um den Anforderungen des Natur- und Klimaschutzes gerecht zu werden. Entlang der Siedlungsränder und Wege werden zudem Maßnahmen zur Verkehrssicherung durchgeführt.
Markierte Bäume bald sichtbar
Die Markierungsarbeiten zur Kennzeichnung von Bäumen erfolgen noch im Frühjahr. Dabei spielen Farben eine wichtige Rolle, denn sie haben unterschiedliche Bedeutungen und geben wichtige Informationen über den Zustand und die geplanten Maßnahmen für die entsprechenden Bäume.
Blaue Markierungen kennzeichnen sogenannte Zukunftsbäume, die aufgrund ihrer Vitalität, Qualität und Stabilität durch die Entnahme anderer Bäume gefördert werden sollen. Diese Bäume sollen durch gezielt Pflegeingriffe zu den großkronigen, vitalen, widerstandsfähigen Altbäumen entwickelt werden.
Weiße Markierungen markieren die Wegepunkte und Grenzen für die Forstmaschinen, insbesondere im Rahmen angelegter „Rückegassen“, die einen bodenschonenden und effizienten Ablauf ermöglichen.
Rote Markierungen kennzeichnen Bäume, die gefällt werden sollen, um Platz für vitalere oder standortangepasste Arten zu schaffen oder die aus gesundheitlichen Gründen entnommen werden müssen.
Habitatbäume benötigen besonderen Schutz
Besonders schützenswerte Bäume, die als Habitat für bedrohte Tierarten dienen, die eine besondere ökologische Funktionen erfüllen oder als Naturdenkmal ausgewiesen sind, werden ebenfalls markiert. Diese Habitatbäume sollen bis zu ihrem natürlichen Zerfall erhalten bleiben. Im Herbst, voraussichtlich im September 2026, wenn sich der Waldboden durch Trockenheit verfestigt hat, wird mit den forstwirtschaftlichen Eingriffen begonnen. Hierbei kommen vor allem Holzerntemaschinen, sogenannte Harvester, zum Einsatz. In sensiblen Bereichen ergänzen motormanuelle Maßnahmen die Eingriffe, um Bodenschäden zu reduzieren. Dank der Holzverwertung wird mit einer Einnahme in einem niedrigen fünfstelligen Bereich für die Stadt gerechnet. Das anfallende Rundholz wird an lokale Sägewerksbetriebe verkauft.
Eine langfristige Vision für den Osnabrücker Stadtwald
Die bevorstehende Waldbewirtschaftung und die geplanten Eingriffe folgen klaren Konzepten, die von der Naturschutz- und Waldbehörde und dem Osnabrücker Servicebetrieb sorgfältig ausgearbeitet wurden. Diese langfristige Planung verfolgt das Ziel, ein nachhaltiges und ökologisch wertvolles Waldbild zu schaffen. Auch wenn dieses Bild nicht unmittelbar mit den Erwartungen aller Bürgerinnen und Bürger übereinstimmen mag, richtet sich der Blick auf einen zukunftsfähigen und widerstandsfähigen Stadtwald, der nicht nur ökologischen und forstwirtschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, sondern auch der Bevölkerung langfristig als Ort der Erholung dient.
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