Nach den schweren Ausschreitungen vom vergangenen Samstag (17. Oktober) verzichtet Osnabrücks französische Partnerstadt Angers vorerst auf eine Ausgangssperre. Bürgermeister Christophe Béchu und die zuständigen Sicherheitsbehörden sehen derzeit keinen Anlass für zusätzliche Beschränkungen. Allerdings gehen die Proteste weiter: Am Dienstagmorgen blockierte eine kleinere Gruppe von Demonstranten zeitweise einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Für Donnerstag und Samstag sind weitere Demonstrationen angekündigt.
Noch am Montag hatte Angers’ Bürgermeister Christophe Béchu nach den Ausschreitungen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ins Gespräch gebracht. Neben einem besseren Schutz öffentlicher Gebäude standen auch örtlich begrenzte Demonstrationsverbote und Ausgangssperren zur Diskussion.
Nach einer Besprechung mit dem Präfekten des Départements Maine-et-Loire am Montag ist inzwischen klar: Eine Ausgangssperre soll es in Angers zunächst nicht geben.
Zwei ruhige Nächte geben den Ausschlag
Wie das lokale Nachrichtenportal Angers Info am Dienstag berichtet, begründen die Sicherheitsbehörden ihre Entscheidung insbesondere mit der Beruhigung der Lage. Sowohl die Nacht von Sonntag auf Montag als auch die folgende Nacht seien ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Damit seien zusätzliche Einschränkungen derzeit nicht notwendig, hieß es aus dem Umfeld des Bürgermeisters.
Auch wirtschaftliche Überlegungen spielten bei der Entscheidung eine Rolle. Die Stadtverwaltung wolle den Einzelhandel nicht zusätzlich belasten. Viele Geschäftsleute in der Innenstadt hatten bereits durch die Ausschreitungen vom Samstag Schäden erlitten.
Anders als in Paris, Lille und Lyon, wo nach den landesweiten Unruhen Ausgangssperren angeordnet wurden, setzt Angers damit vorerst auf eine Rückkehr zur Normalität.
Die Entscheidung bedeutet allerdings nicht, dass die Behörden grundsätzlich auf weitere Maßnahmen verzichten. Sollte sich die Sicherheitslage erneut verschärfen, könnten zusätzliche Beschränkungen wieder auf die Tagesordnung kommen.
Demonstranten blockieren Verkehrsknotenpunkt
Die Protestbewegung selbst ist unterdessen nicht beendet. Am Dienstagmorgen gegen 7 Uhr versammelten sich nach einem Bericht von Angers Info rund 30 Personen am Verkehrsknotenpunkt Saint-Serge. Das Nachrichtenportal bezeichnet die Teilnehmer als Schüler und Studenten.
Mit Absperrgittern und Einkaufswagen errichteten die Demonstranten eine sogenannte Filterblockade. Anders als bei einer vollständigen Straßensperrung ließen sie Fahrzeuge kontrolliert passieren und verteilten dabei Flugblätter an Autofahrer.
Die Aktion sollte nach Angaben der Beteiligten die Protestbewegung fortsetzen. Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei oder Verletzte liegen nicht vor.
Neue Demonstrationen für Donnerstag und Samstag angekündigt
Bereits am Donnerstag (22. Oktober) soll es in Angers erneut eine Demonstration geben. Für 11 Uhr ist eine Kundgebung auf der zentral gelegenen Place du Ralliement angekündigt.
Weitere Proteste könnten am Samstag (24. Oktober) folgen. Für diesen Tag rufen unter anderem Gruppen aus dem Umfeld der Gelbwestenbewegung zu einer weiteren landesweiten Mobilisierung auf.
In Angers soll sich die Demonstration um 14 Uhr am Jardin du Mail versammeln. Auch im nahe gelegenen Saumur ist zur gleichen Uhrzeit eine Protestaktion auf der Place de la Bilange angekündigt.
Die Organisatoren wollen insbesondere gegen hohe Lebenshaltungskosten und die Politik der französischen Regierung demonstrieren.
Erinnerungen an die schweren Ausschreitungen
Die neuerlichen Protestaufrufe erfolgen nur wenige Tage nach den schweren Ausschreitungen in der Innenstadt von Angers.
Am Samstag waren nach Behördenangaben rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen. Während die große Mehrheit friedlich demonstrierte, griffen mehrere Hundert gewalttätige Personen Geschäfte und öffentliche Einrichtungen an.
Das Rathaus und die Präfektur wurden beschädigt, Geschäfte geplündert und Polizeibeamte verletzt. Bis Sonntagmorgen wurden zunächst 17 Festnahmen gemeldet.
Bürgermeister Béchu hatte am Montag vor rund 1.000 Menschen bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Rathaus Konsequenzen aus den Ereignissen gefordert.
Wie die HASEPOST bereits über die Prüfung von Demonstrationsverboten in Angers berichtete, kritisierte Béchu insbesondere Mängel bei der Vorbereitung des Polizeieinsatzes. Die Sicherheitsbehörden wollen ihre Maßnahmen vor künftigen Demonstrationen überprüfen.