Nach den schweren Ausschreitungen vom Samstag (17. Oktober) in Osnabrücks französischer Partnerstadt Angers wird das Ausmaß der Gewalt deutlich. Mindestens sieben Polizisten wurden verletzt, 17 Menschen festgenommen. Einem neueren Medienbericht zufolge könnte die Zahl der verletzten Beamten sogar bei 15 liegen. Neben Rathaus und Präfektur wurden weitere öffentliche Einrichtungen angegriffen. Auch aus einem Stadtteil von Angers gibt es Berichte über einen zusätzlichen Angriff auf eine Polizeiwache.
Die rund 160.000 Einwohner zählende Stadt an der Loire erlebte am Samstag schwere Ausschreitungen im Zuge französischer Proteste. Nach Angaben der Präfektur beteiligten sich rund 10.000 Menschen an einer Demonstration, von denen die überwiegende Mehrheit friedlich blieb. Die Behörden gingen zunächst von 300 bis 400 gewalttätigen Personen aus, später war von mehr als 500 die Rede.
Wie die HASEPOST bereits am Samstag in einem ersten Bericht über die Ausschreitungen in Angers berichtete, kam es in der Innenstadt zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, während gewalttätige Gruppen Geschäfte und öffentliche Gebäude attackierten.
Rathaus und Präfektur gestürmt – Feuer in Poststelle
Besonders schwer betroffen waren das Rathaus und die Präfektur des Départements Maine-et-Loire. Nach Angaben der Behörden gelangten Randalierer in beide Gebäude. Im Eingangsbereich des Rathauses entstanden erhebliche Schäden.
In der Präfektur brach in einem Postraum ein Feuer aus. Ein Mitarbeiter konnte die Flammen mit einem Feuerlöscher löschen, bevor sich der Brand weiter ausbreitete.
Auch das zentrale Polizeikommissariat und die historische Schlossanlage von Angers wurden angegriffen. Sicherheitskräfte verhinderten nach Behördenangaben ein Eindringen in das Kommissariat. Beim Schloss blieb es nach bisherigen Informationen ebenfalls bei einem Versuch.
In der Innenstadt wurden zudem Geschäfte beschädigt und geplündert. Besonders betroffen war der Lebensmittelmarkt Primaprix. Auch Bushaltestellen und weitere öffentliche Einrichtungen wurden beschädigt.
Polizeigewerkschaft schildert dramatische Einsatzbedingungen
Die Polizei war am Samstag nach Angaben der Präfektur von 10 bis 23 Uhr im Einsatz. Unterstützung kam aus Cholet und Saumur. Zudem wurden dienstfreie Polizeibeamte zurückgerufen und Kräfte der Gendarmerie eingesetzt.
Nach Angaben der örtlichen Polizeigewerkschaft Alliance waren die Beamten zeitweise deutlich in der Unterzahl. Ihr Vertreter Jérôme Hanarte schilderte gegenüber dem Nachrichtenportal Angers Info, dass zeitweise nur 15 bis 20 Polizisten rund 150 gewaltbereiten Personen gegenübergestanden hätten.
Auch die Bestände an Tränengasmunition seien nahezu erschöpft gewesen. Zusätzlich mussten Polizeikräfte aus dem benachbarten Département Mayenne zur Unterstützung anrücken. Die Gewerkschaft spricht von insgesamt 500 bis 600 gewalttätigen Personen. Unter ihnen sollen sich auch Angereiste von außerhalb befunden haben.
Unterschiedliche Angaben zur Zahl verletzter Polizisten
Die Präfektur hatte zunächst sieben verletzte Polizeibeamte gemeldet. In einem späteren Bericht vom Sonntagabend nennt Angers Info unter Berufung auf eigene Recherchen inzwischen 15 Verletzte. Eine offizielle Bestätigung dieser höheren Zahl liegt bislang nicht vor.
Nach Angaben staatlicher Stellen wurden bis Sonntagmorgen um 3:30 Uhr insgesamt 17 Personen festgenommen. Wie viele der Festgenommenen anschließend in Untersuchungshaft kamen oder bereits wieder entlassen wurden, ist noch nicht bekannt.
Zwei Demonstranten mussten nach den Auseinandersetzungen medizinisch untersucht werden. Ein Krankenhausaufenthalt war nach den zunächst veröffentlichten Angaben nicht erforderlich.
Erneuter Angriff auf Polizeiwache in der Nacht?
Auch nach den schweren Ausschreitungen in der Innenstadt soll es weitere Zwischenfälle gegeben haben. Nach einem Bericht von Angers Info versuchten mehrere Personen in der Nacht von Samstag auf Sonntag, in die Polizeiwache im Stadtteil La Roseraie einzudringen. Dabei sollen sie versucht haben, ein Metallgitter am Eingang anzuheben.
Ob dabei Schäden entstanden und ob Personen festgenommen wurden, ist bislang nicht bekannt. Eine unabhängige Bestätigung dieses Vorfalls durch die Präfektur steht noch aus.
Bürger helfen beim Aufräumen der Innenstadt
Am Sonntagmorgen begann in der Innenstadt die Beseitigung der Schäden. Mitarbeiter der Stadtverwaltung räumten zerstörte Gegenstände und Glasscherben beiseite und sicherten beschädigte Einrichtungen. Auch Einwohner beteiligten sich freiwillig an den Aufräumarbeiten.
Bürgermeister Christophe Béchu hatte die Ausschreitungen bereits am Samstag verurteilt und auf die erheblichen Schäden verwiesen. Wie hoch der Gesamtschaden ausfällt, ist derzeit noch nicht bekannt.