In Osnabrücks französischer Partnerstadt Angers ist es am Samstag (17. Oktober) zu Ausschreitungen gekommen. Seit 1964 verbindet beide Städte eine Partnerschaft. In Angers wurde das Rathaus beschädigt, zudem versuchten Personen, in die Präfektur einzudringen. Auch in Paris und anderen Städten kam es zu Bränden und Zusammenstößen mit der Polizei.
In Angers im Westen Frankreichs zogen zahlreiche Menschen durch die Innenstadt. Große Teile der Demonstration verliefen friedlich, örtlich kam es jedoch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte nach lokalen Medienberichten in der Rue Voltaire Tränengas ein. Später wurde das Rathaus beschädigt. Personen versuchten außerdem, in die Präfektur einzudringen. Auch von Brandstiftungsversuchen an Briefkästen wurde berichtet. Eine abschließende Bilanz zu Verletzten, Festnahmen und Sachschäden in Angers lag am Abend noch nicht vor.
Was steckt hinter den Ausschreitungen?
Die Proteste haben verschiedene Ausgangspunkte. Schüler und Studenten demonstrierten gegen Missstände im Bildungswesen; andere Gruppen kritisierten steigende Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit. Gewerkschaften und politische Gruppierungen beteiligten sich ebenfalls an Aufrufen. Einzelne Motive erinnern an die früheren Gelbwestenproteste.
Die ursprünglichen Forderungen erklären die gewaltsamen Ausschreitungen allerdings nur bedingt. Bei den Zusammenstößen treten teils junge, vermummte Gewalttäter auf. Frankreich kennt seit Langem Spannungen zwischen Jugendlichen und der Polizei, insbesondere in sozial benachteiligten Vorstädten, in denen auch viele Familien mit Einwanderungsgeschichte leben. Ob und in welchem Umfang diese Konflikte die gegenwärtigen Ausschreitungen in Angers und anderen Städten prägen, ist bislang nicht belegt. Belastbare Daten zum Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter den gewalttätigen Teilnehmern fehlen ebenfalls. Die Motive friedlicher Demonstranten und die gewalttätiger Gruppen lassen sich nicht gleichsetzen.
Auch in Paris und weiteren Städten Gewalt
Nach Medienberichten kam es am Samstag auch in Paris, Marseille und Lyon zu teils schweren Zwischenfällen. Gemeldet wurden brennende Barrikaden, beschädigte Geschäfte, Plünderungen und Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Polizei setzte vielerorts Tränengas ein. Zahlreiche Versammlungen verliefen zugleich friedlich. Landesweite Teilnehmer- und Festnahmezahlen unterscheiden sich je nach Quelle und Zeitpunkt; eine endgültige Bilanz lag zunächst nicht vor.