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Startseite KolumneMösers Meinung: Über die Kälte und Hartherzigkeit des Staates
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Mösers Meinung: Über die Kälte und Hartherzigkeit des Staates

von Justus Möser 19. Januar 2020
von Justus Möser 19. Januar 2020
Wohnungsbesichtigung, Screenshot: YouTube
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Guten Abend,

vor ein paar Tagen habe ich einen alten Bekannten getroffen. Er war zuletzt für ein paar Jahre im Osnabrücker Südkreis als Gastronom tätig, mit eher mäßigem Erfolg. Doch das Geld reichte zumindest, um über die Runden zu kommen, und außerdem gehörte zu seiner Gaststätte eine kleine Wohnung, die in dieser Zeit sein Zuhause war. Mein Bekannter sucht nun eine neue Bleibe, denn Ende Februar wird die Gaststätte geschlossen, weil der Vermieter die Räumlichkeiten in schicke Appartements umbauen möchte. Die sollen dann an Studenten oder Singles oder Wochenendpendler weitervermietet werden, bevorzugt an Nichtraucher und Menschen ohne Haustiere und Kinder. 

Ich habe meinen Bekannten gefragt, wie es weitergehen soll. Er wußte es nicht. Ein Neuanfang in der Gastronomie ist heutzutage sehr schwer, zumal im ländlichen Raum. Sein größtes Problem war aber die Schwierigkeit, eine neue Wohnung zu finden. Er hatte bei der für ihn zuständigen Gemeinde um Hilfe gebeten, aber da wurde ihm unmißverständlich mitgeteilt, daß man da nichts für ihn tun könne und er sich schon selber kümmern müsse. Ich konnte und wollte das erst gar nicht glauben. Was ist das für ein Staat, der seine Bürger in einer Notsituation alleine läßt? Der zwar 450 € bereitstellt, um die Mietkosten erträglicher zu gestalten (an deren Explosion in den letzten Jahren vor allem die staatliche Politik und das Nichthandeln der zuständigen Politiker schuld ist). Der aber nicht mehr in der Lage zu sein scheint, den Menschen, die in ihm leben, ein Dach über dem Kopf zu geben.

Ich halte die angemessene Unterbringung der Bürger neben der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung für die zentrale Aufgabe eines funktionierenden Staatswesens. Wenn die Bereitstellung einer Unterkunft nicht mehr möglich ist, wofür brauchen wir denn dann einen mittlerweile völlig aufgeblähten Staatsapparat? Zur Eintreibung von Steuerschulden und Rundfunkgebühren, deren Sinnhaftigkeit und zweckmäßige Verwendung immer schleierhafter scheint? Zur Versorgung einer Politiker- und Beamtenkaste, die offensichtlich vor allem das eigene Wohl im Auge hat und denen das Schicksal der Leute, um die sie sich gefälligst anständig zu kümmern haben, wohl ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist? Zum Machterhaltung einer Regierung, die Fehler auf Fehler aneinander reiht und einen faulen Kompromiß nach dem nächsten schließt, nur um Neuwahlen zu vermeiden?

Ich finde auf diese Fragen keine befriedigende Antwort. Mir fällt nur auf, daß in politisch durchaus schwierigen Zeiten die Kälte und Hartherzigkeit unseres Staates immer deutlicher zutage tritt. Die allgemein grassierende Klimahysterie wird gnadenlos ausgenutzt, um Gesetzesvorhaben durchzudrücken, die einer kritischen Überprüfung niemals standhalten würden und die den Bürger finanziell in einem mittlerweile unerträglichen Ausmaß belasten. 

Was ist das für ein Staat, der für seine Bürger keinerlei Empathie mehr aufbringt, dem nichts mehr daran gelegen scheint, das Leben der Menschen besser und erträglicher zu gestalten? Wenn dem wirklich so ist, dann hat er jegliche Daseinsberechtigung verwirkt. 

Falls übrigens jemand eine Wohnung bis 500 € für meinen Bekannten hat (Mitte 40, kinderlos, Raucher, eine Katze, ab März vorübergehend von Hartz 4 lebend), dann möge er sich doch bitte bei der HASEPOST melden. Denn wir müssen uns wohl daran gewöhnen, gewisse essentielle Dinge des Lebens, die wir bisher der sogenannten Obrigkeit anvertraut haben, wieder selber zu erledigen.

Ich wünsche allen HASEPOST-LESERN einen Sonntagabend, an dem es nichts zu mösern gibt.

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

 


Als Kommentar, Kolumne, Meinungsbeitrag oder Satire gekennzeichnete Beiträge geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

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Justus Möser

Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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