Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.
Guten Abend,
seit ein paar Tagen kursiert ein verstörendes Gewaltvideo in den sozialen Netzwerken und in zahlreichen namhaften Medien. Es zeigt einen Vorfall in der Großen Straße in Osnabrück. Ein junger Mann schlägt einem offensichtlich obdachlosen anderen Mann mit voller Wucht eine Flasche ins Gesicht.
Die Person, die diese Szene filmt, feuert den Schläger mit den Worten ‚Jetzt, jetzt, jetzt, sofort, sofort, sofort, danach wir hauen ab‘ unverhohlen an. Die Tat ereignete sich am 20. Juni dieses Jahres gegen 03.20 Uhr. Ein früher Samstagmorgen, am Abend wird Deutschland bei der Fußball-WM gegen die Elfenbeinküste spielen. Die Polizei stuft den Gewaltexzess als singulären Vorfall ein, die Gewalt gegen Obdachlose befindet sich im Großraum Osnabrück seit Jahren im bundesweiten Vergleich auf einem eher niedrigen Niveau. Das hört sich recht beruhigend an, man könnte eigentlich zur Tagesordnung übergehen. Doch es gibt einige schockierende Begleiterscheinungen, die fassungslos und nachdenklich machen: das Gewaltvideo wurde erst am vergangenen Wochenende der Polizei zugespielt. Vorher soll es aber schon wochenlang vor allem in Kreisen der lokalen Türsteher-Szene die Runde gemacht haben, wobei es kein einziger Empfänger für nötig gehalten hat, die Polizei einzuschalten.
Gewalt scheint etwas alltägliches geworden zu sein, durchaus unterhaltsam, aber keiner besonderen Aufmerksamkeit mehr wert. Sie dient bevorzugt der Selbstdarstellung, der Profilierung, der Aufwertung von Menschen, die außer fehlender Achtung vor der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen und dem Fehlen jedweder Skrupel sonst nichts vorzuweisen haben. Das ist eine beängstigende gesellschaftliche Entwicklung, der die Justiz und auch die Politik entschieden entgegentreten müssen. Die mutmaßlichen Täter sind 16 und 18 Jahre jung. Was soll man mit ihnen machen? Wenn man sich das Video anschaut, erschreckt vor allem ihre völlige Emotionslosigkeit. Sie werden nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Aufgrund ihres Alters wird der zuständige Richter wahrscheinlich milde Strafen verhängen. Schließlich hat jeder Mensch das Recht auf eine zweite Chance. Das Problem der Gewaltexplosion in Deutschland ist damit nicht gelöst. Es wird in nächster Zeit drastisch zunehmen.
Herzlichst
Ihr Justus Möser
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