Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.
Guten Abend,
in der kommenden Woche ist bei SPD und Grünen in Osnabrück hektische Betriebsamkeit angesagt. In Podiumsdiskussionen am Montag (SPD) und Mittwoch (Grüne) soll die kritische Situation des Einzelhandels in der Hasemetropole besprochen werden. Denn vor allem im Bereich zwischen Möser- und Johannisstraße herrscht derzeit reichlich Leerstand in den Ladengeschäften, die Rede ist von knapp 10 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche. In bestimmten Bereichen, zum Beispiel rund um den Neumarkt, dürften die Zahlen allerdings noch wesentlich höher liegen.
Diese Entwicklung ist von Vertretern des Handels und der IHK Osnabrück-Emsland schon seit einigen Jahren vorhergesagt worden. Deshalb verwundert mich die plötzliche Erkenntnis der linken Fraktionen im Stadtrat, daß in Bezug auf den Osnabrücker Einzelhandel dringender Handlungsbedarf besteht. Und das so kurz vor der nächsten Kommunalwahl, die offensichtlich ein paar deutliche Bekenntnisse zur heimischen Wirtschaft verlangt. SPD und Grüne haben seit mehr als vier Jahren Zeit gehabt, etwas für den Osnabrücker Einzelhandel zu tun. Geschehen ist nichts, ganz im Gegenteil. Die Erreichbarkeit der Innenstadt wurde sowohl für den individuellen PKW-Verkehr als auch für Nutzer des ÖPNV systematisch erschwert, Parkflächen wurden vernichtet und Parkgebühren in astronomische Höhen getrieben. Die Querung des Neumarkts mit dem PKW kann schon mal 30 Minuten für 500 Meter dauern, während kaum genutzte und mit viel Steuergeld ausgebaute Radwege ein trauriges Symbol der völlig verfehlten Osnabrücker Verkehrspolitik sind. Zudem ist die Aufenthaltsqualität rund um den Neumarkt und die Johannisstraße eher mäßig, was unter anderem auf den jahrzehntelangen baulichen Stillstand in diesem Bereich zurückzuführen ist. Das soll sich angeblich noch in diesem Jahr ändern, das sollte sich aber auch schon in ganz vielen teilweise weit zurückliegenden Jahren ändern.
Es passiert einfach nichts und der Niedergang des Osnabrücker Einzelhandels wird vom Stadtrat achselzuckend zur Kenntnis genommen. Ob das nach den Podiumsdiskussionen von SPD und Grünen in der nächsten Woche besser wird? Ich wage es zu bezweifeln. Denn trotz aller hehren Worte und mangelhaften Taten müsste man sich dafür einfach mal der banalen Realität stellen: die Osnabrücker Innenstadt hat in ihrem jetzigen Zustand keinerlei Anziehungskraft auf Kunden jeglicher Couleur. Neben der baulichen Misere gibt es dort auch noch einen weiteren rosa Elefanten, der ungern thematisiert wird: dort halten sich bevorzugt Menschen auf, die eher weniger durch großzügiges Konsumverhalten in Erscheinung treten und dem allgemeinen Sicherheitsgefühl auch nicht besonders gut tun. Warum sollte man in dieser Umgebung noch seine Einkäufe tätigen? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Vielleicht können es SPD und Grüne nach ihren Podiumsdiskussionen. Nur mit wohlklingenden Beschwichtigungsparolen ist dem Osnabrücker Einzelhandel allerdings nicht mehr zu helfen. Dafür ist in den letzten Jahren zuviel Schaden angerichtet worden. Ob die Verursacher den wiedergutmachen können? Wohl kaum!
Herzlichst
Ihr Justus Möser
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