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Startseite Meinung & KolumneMösers Meinung – zum Thema “Denkmäler”
Meinung & KolumneMösers Meinung

Mösers Meinung – zum Thema “Denkmäler”

von Justus Möser 1. Juli 2016
von Justus Möser 1. Juli 2016
Mösers Meinung – zum Thema “Denkmäler”
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Guten Abend,

am Herrenteichswall, ganz in der Nähe des Iduna-Hochhauses, steht ein kleines Bauwerk aus roten Klinkersteinen. Es liegt ein wenig versteckt, umgeben von hohen Bäumen und abseits der Fußgängerwege. Auf einer schwarzen Tafel an diesem Bauwerk findet man drei Namen: Ebert, Erzberger, Rathenau. Damit soll an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert (1871-1925), den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger (1875-1921) und das Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei Walter Rathenau (1867-1922) gedacht werden. Das unscheinbare Bauwerk ist also ein Denkmal, errichtet 1928 von der Osnabrücker Ortsgruppe des sogenannten Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Das Reichsbanner wurde 1924 gegründet, und die Osnabrücker Mitglieder wollten mit diesem Denkmal das Andenken an Politiker ehren, die ihrer Meinung nach Symbolfiguren für die Demokratie waren. Ebert, Erzberger und Rathenau hatten ihren Einsatz für eine demokratische Republik mit dem Leben bezahlt, zudem eigneten sie sich besonders zur Verkörperung des republikanischen Ideals durch ihre Zugehörigkeit zu den drei Parteien der Weimarer Koalitionen. Die Osnabrücker Kreisorganisation wurde Träger des Denkmals und die einzelnen Kreisorte in der Umgebung verpflichteten sich, den Bau des Denkmals finanziell zu unterstützen. Zunächst hatte sich das Reichsbanner um einen Standort direkt auf dem Wall bemüht, was allerdings von der Mehrheit im Bürgervorsteherkolleg nicht genehmigt wurde. Viele Mitglieder dieser mit dem heutigen Stadtrat vergleichbaren politischen Vertretung waren solchen Dingen wie Demokratie und Republik nicht besonders positiv gegenüber eingestellt. Das Denkmal sollte auch ein Bekenntnis zur Weimarer Republik sein, zu einer positiven demokratischen Zukunft in einem Land, das auch zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs immer noch an den Kriegsfolgen zu leiden hatte. Es war in seiner Form bewußt sachlich und schlicht gehalten, weil es sich schon durch seine äußere Form von den pompösen Denkmälern der Kaiserzeit unterscheiden sollte. Das Schicksal dieses Denkmals war allerdings nach noch nicht einmal fünf Jahren besiegelt, als am 12. Mai 1933 im grade neugewählten Bürgervorsteher-Kollegium ein Dringlichkeitsantrag eingebracht wurde, um den „Stein des Anstoßes“ abzureißen. Kurz darauf erfolgte die Demontage des Ebert-Erzberger-Rathenau-Denkmals unter Mithilfe von SA-Männern. Die Osnabrücker Zeitung erinnerte 1936 daran, „daß dieses etwas merkwürdige Denkmal zur Verherrlichung einstiger Schwarzrotgoldener Systemgrößen viel lokalen Krieg heraufbeschworen habe“. Erst mehr als 40 Jahre später kam den Osnabrückern das Denkmal wieder in Erinnerung. 1980 befürworteten alle Fraktionen des Osnabrücker Stadtrats den von der CDU eingereichten Antrag, an der Stelle des Denkmals einen Gedenkstein zu errichten. 1983 wurde dann allerdings doch direkt mit dem Wiederaufbau des ursprünglichen Denkmals begonnen und noch im selben Jahr erfolgte die Wiedereinweihung. 2012 wurde eine Erläuterungstafel angebracht.

Wenn ich manchmal zum Herrenteichswall hinaufgehe und mit einem kurzen Blick das unscheinbare Denkmal würdige, dann frage ich mich, wem wir wohl in der heutigen Zeit in Osnabrück ein Denkmal setzen sollten. Angela Merkel? Christian Wulff? Frank Otte? Das ist zugebenermaßen eine schwierige Frage. Neben dem Ebert-Erzberger-Rathenau-Denkmal haben wir ja auch noch eine Reihe weiterer Erinnerungsstätten für zum Beispiel meine Wenigkeit oder den ehemaligen Bürgermeister Stüve im Angebot. Ich vermisse in der Hasemetropole ein Denkmal für Erich Maria Remarque, der, zumindest gemessen an der Auflage seiner Bücher, der wohl bekannteste Sohn der Stadt ist. Aber mit ihm taten sich nach dem Zweiten Weltkrieg viele Lokalpolitiker ein wenig schwer, er war ihnen zu sehr Weltbürger und Pazifist, als daß sie ihn auch noch ausgiebig würdigen wollten. Geschichte wiederholt sich, sogar in Osnabrück. Vielleicht sind Denkmäler mittlerweile auch ein wenig aus der Zeit gefallen; im Zeitalter der digitalen Revolutionen erscheint es ein wenig altmodisch, Erinnerungen in klotzige Steine zu pressen statt sie einfach nur in binäre Zahlencodes zu verwandeln. Ich finde trotzdem, daß wir uns wieder mehr mit unserer Vergangenheit beschäftigen sollten. Eine erfolgreiche Zukunft kann nur gelingen, wenn man weiß, welche Dinge unsere Gegenwart zu dem gemacht haben, was und wie sie ist. Und da wären Angela Merkel und Frank Otte gar keine so schlechte Wahl. Man mag mit ihrem Tun und Handeln ja nicht immer einverstanden sein, aber diese Personen haben wenigstens noch Visionen und Überzeugungen, für die sie selbst dann einstehen, wenn es von allen Seiten Kritik hagelt. Obwohl ich mir da bei Angela Merkel nach genauerer Überlegung nicht ganz so sicher wäre. Aber bei Frank Otte schon. Der glaubt an das, was er tut. Wahrscheinlich ist deshalb ein Denkmal für den Stadtbaurat auch überflüssig. Denn sein Handeln wird den Osnabrücker Bürgern mit Sicherheit noch lange in spürbarer Erinnerung bleiben. Ob sie wollen oder nicht.

Ich finde es gut, wenn man der Menschen gedenkt, die unter Einsatz des eigenen Lebens für Freiheit und Demokratie gekämpft haben. Ob sie nun Ebert, Erzberger, Rathenau, Stauffenberg oder Adenauer heißen. Wenn man sich den heutigen Vorstand der Stadt Osnabrück so ansieht, dann erscheint es mir zumindest zweifelhaft, ob angesichts der mittlerweile vorherrschenden Vollversorgungsmentalität noch eine nennenswerte Bereitschaft vorherrscht, für diese Werte auch unter erschwerten Bedingungen einzutreten. Angesichts der wilden Zeiten, in denen wir leben, und der, um es vorsichtig auszudrücken, nicht unbedingt zuversichtlichen Zukunftsprognosen wäre es aber schon wichtig, wenn sich unsere Volksvertreter immer wieder der Verantwortung bewußt werden, die ihre Ämter mit sich bringen. Das kleine unscheinbare Denkmal am Aufgang zum Herrenteichswall sollte sie daran erinnern, mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn es gilt, unsere Demokratie zu schützen.

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern ein Wochenende, an dem es nichts zu kritisieren gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

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Justus Möser

Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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