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Startseite Meinung & KolumneMösers Meinung – Glaubenskriege
Meinung & KolumneMösers Meinung

Mösers Meinung – Glaubenskriege

von Justus Möser 18. März 2017
von Justus Möser 18. März 2017
Ausschnitt aus "Der Triumph des Todes", ein Gemälde des flämischen Malers Pieter Bruegel der Ältere. Es entstand um das Jahr 1562 in Ölfarben auf Holz und ist heute im Museo del Prado in Madrid ausgestellt.
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Guten Abend,

ich bekomme immer sehr starke Magenschmerzen, wenn jemand das Wort „Glaubenskriege“ in den Mund nimmt. Wenn es sich dabei auch noch um einen hochrangigen Politiker handelt, dann falle ich fast vom Glauben ab. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu äußerte sich am Donnerstag mit Bezug auf die Parlamentswahlen in den Niederlanden folgendermaßen: „Zwischen den Sozialdemokraten und dem Faschisten Wilders besteht überhaupt kein Unterschied, alle denken gleich. Sie haben alle dieselbe Mentalität. Und diese Mentalität wird Europa an den Abgrund führen. Bald könnten in Europa auch Religionskriege beginnen. Und sie werden beginnen.“ Solche Worte lassen mich erschaudern. Ich bin knapp 70 Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges auf die Welt gekommen. Dieses unselige und völlig sinnlose Gemetzel zwischen Katholiken und Protestanten hat das Heilige römische Reich deutscher Nation entvölkert und zerstört; selbst zu meinen aktiven Zeiten, also mehr als hundert Jahre nach dem Ende dieser Apokalypse, waren die Folgen immer noch spürbar. Osnabrück war von diesem Schlachtfest zum Glück nicht ganz so stark betroffen wie andere Landesteile, aber in in manchen Gebieten in Süddeutschland fielen diesem sogenannten Glaubenskrieg mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zum Opfer. Jetzt wird also wieder ganz offen und unverhohlen von Glaubenskriegen schwadroniert, wird mit Auseinandersetzungen im Namen einer Religion gedroht, wird eine unbestimmte Angst geschürt. Ich bin fassungslos ob der Dreistigkeit, mit der ein Außenminister alle diplomatischen Regeln außer Kraft setzt und außer Acht läßt, mit der ein Mann, dem man ob der Unbedarftheit seines Handelns eigentlich nur eine gehörige Portion Dummheit attestieren möchte, nicht nur die Niederlande, sondern gleich ganz Europa beleidigt und quasi im Alleingang einem ganzen Kontinent den Krieg erklärt. Wir Deutschen wissen aus unserer Geschichte nur zu gut, wie abscheulich Kriege im Namen der Religion sind. Und daß sie letzen Endes zu nichts führen und nur Elend und Unheil mit sich bringen. Es wäre mir auch egal, wenn ein durchgeknallter Dschihadist solche Worte wie der türkische Außenminister von sich geben würde. Aber hier spricht ein Mann als Repräsentant eines Landes, mit dem viele Länder Europas in einem Militärbündnis zusammenarbeiten, dessen Bevölkerung in großer Zahl außerhalb der türkischen Landesgrenzen in Westeuropa lebt und arbeitet und das bis vor kurzem noch aufgrund seiner schönen Strände und der Gastfreundlichkeit seiner Bewohner als ein bevorzugtes Urlaubsziel vor allem der Deutschen galt. Ich hoffe nur, daß die großspurigen Ankündigungen von Mevlüt Cavusoglu nur sinnlose Provokationen sind, um die im Ausland lebenden Türken zu einem Ja für das im April zur Abstimmung stehende Verfassungsreferendum zu bewegen. Und daß wir nicht einem Prager Fenstersturz der Moderne beiwohnen, der vor 400 Jahren ein entscheidender Auslöser für den verheerendsten Krieg auf deutschem Boden war. Ihm fielen mehr Deutsche zum Opfer als im ersten und zweiten Weltkrieg zusammen. Das Trauma des 30jährigen Krieges hat unsere Geschichte und Mentalität geprägt wie kein anderes Ereignis, selbst der Nationalsozialismus hat in der deutschen Seele nicht solche verstörenden Spuren hinterlassen. Wir sollten deshalb ganz besonders hellhörig sein, wenn uns jemand einen Krieg im Namen einer Religion prophezeit. Und wir sollten uns gut überlegen, wie wir auf eine solche Prophezeiung reagieren. Nur totschweigen, ignorieren und aussitzen ist wahrlich nicht immer die beste Lösung. Manchmal muß man sich auch ganz entschieden gegen Unverschämtheiten wehren. Und sei es nur, damit man sich morgens noch guten Gewissens im Spiegel betrachten kann.

Hier in Osnabrück, der Friedensstadt, haben wir zudem auch noch einen Glaubenskrieg quasi vor der eigenen Haustür. Was sich in den letzten Tagen in der lokalen Politik mal wieder zum Thema Neumarkt zugetragen hat, ist wahrlich kein Ruhmesblatt in unserer bald 1250jährigen Stadtgeschichte. Da setzen grüne Fraktionsführer konstruierte Meldungen in die Welt, in denen von einem Osnabrücker Feinstaubproblem die Rede ist. Was aber in Wirklichkeit überhaupt nicht der Fall ist. Damit soll Stimmung gemacht werden gegen die Verfügung der Stadtverwaltung, die Sperrung des Neumarktes solange aufzuschieben, bis nachvollziehbare Alternativen in der Verkehrsplanung vorliegen. Oberbürgermeister Griesert wird gleich mal mit Erdogan & Co. auf eine Stufe gestellt und als Diktator gescholten, der angeblich Recht und Gesetz nach seinem Gusto beugt. Warum schafft man es selbst im ansonsten doch recht beschaulichen Osnabrück nicht, den politischen Gegner zu respektieren und fair und verantwortungsbewußt miteinander umzugehen? Glaubenskriege fangen im Kleinen an. Wehret den Anfängen!

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern ein Wochenende, an dem es nichts zu mösern gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.


In dieser Woche erschien unsere Kolume „Mösers Meinung“ ausnahmsweise an einem Samstag statt zu gewohnter Zeit am Freitagabend, wir bitte dies zu entschuldigen.


Illustration: Unter Verwendung eines Ausschnitts aus „Der Triumph des Todes“ von Pieter Bruegel dem Älteren (1562),Museo del Prado in Madrid.

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Justus Möser

Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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