Die Pollensaison hat begonnen und die ersten Frühblüher machen Allergikern zu schaffen. Wie sich Symptome behandeln lassen, wann mit welcher Therapie begonnen werden sollte und wie man sich vor einem Etagenwechsel schützen kann, erklären Pneumologie-Sektionsleiter Ayhan Berber und Oberarzt Taha Bekci vom Klinikum Osnabrück.
Viele Menschen von Pollenallergie in Deutschland betroffen
So mancher hat es in den letzten Tagen schon wahrgenommen: die Augen tränen, die Nase läuft und die Haut wird von Juckreiz geplagt. Während die einen sich über die ersten warmen Frühlingstage und das Erwachen der Natur freuen, beginnt für Menschen mit einer Pollenallergie eine Zeit, die zur Herausforderung werden kann. Rund 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Pollenallergie betroffen. „Die Tendenz ist steigend“, stellt Ayhan Berber, Sektionsleiter der Klinik für Pneumologie am Finkenhügel, fest. Die Gründe sieht der Arzt im Klimawandel. „Ein erhöhter CO2-Gehalt der Luft kann das Pflanzenwachstum fördern und zu einer erhöhten Pollenproduktion führen.“
Nicht nur Klimawandel verstärkt Pollenallergien
Der Mediziner ist seit 2009 als Pneumologe tätig. Er beobachtet, wie durch die verkürzte Winterzeit die Blütezeit in der Regel früher beginnt. Und somit die Saison, in der unzählige winzige Pflanzenpollen durch die Luft segeln, immer länger dauert. Berber stellt aber noch etwas ganz anderes fest: „Man kann durchaus sagen, die Pollen verändern sich und Allergene werden intensiver.“
Bei immer mehr Patienten sei ein Etagenwechsel zu sehen, bestätigt Oberarzt Taha Bekci. Von einem solchen Etagenwechsel sprechen Ärzte, wenn sich die allergische Entzündung von den oberen auf die unteren Atemwege ausdehnt. „Die Allergie betrifft dann auch die Lunge und eine solche Entzündung sollte auf keinen Fall verharmlost werden“, betont Bekci. Aus einem unbehandelten Heuschnupfen könne sich durchaus ein chronisches Asthma bronchiale entwickeln. In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auch schwer verlaufen, etwa im Rahmen einer Anaphylaxe, dies ist jedoch unabhängig vom sogenannten Etagenwechsel.
Pollenallergien können auch Kreuzallergien auslösen
Was für viele also nur ein harmloser Blütenstaub ist, kann für Allergiker unterschiedliche Beschwerden auslösen. „Der Heuschnupfen kann durchaus mild sein, die Symptome können aber auch so stark werden, dass sich ein richtiges Krankheitsgefühl einstellt“, sagen die beiden Pneumologen. Auch eine Kreuzallergie kann auftreten. Das ist die Form von Allergie, in der das Immunsystem Proteine in Lebensmitteln für Pollenallergene hält, weil sie sich in ihrer Struktur ähneln. „Gerade Menschen, die gegen Birke und Hasel allergisch sind, können beim Verzehr von Stein- und Kernobst mit Juckreiz im Mundraum reagieren – ein sogenanntes orales Allergiesyndrom. Auch eine Allergie auf Melone, Tomate oder Orange bei einer bestehenden Gräserpollenallergie sind ein klassisches Anzeichen für eine Kreuzallergie“, erklärt Berber.
Mediziner raten Menschen mit Heuschnupfen, Arzt aufzusuchen
Doch warum reagiert mancher Körper so empfindlich auf Pollen? Die Gründe, so die beiden Ärzte, seien multifaktorell. „Im Laufe des Lebens können Infektionen das immunologische System triggern. Aber auch genetische Faktoren oder Umweltveränderungen durch Urbanisierung, Feinstaubbelastung und Luftschadstoffe können eine Rolle spielen. Bei hoher Pollenbelastung kann auch das Tragen einer Maske im Freien hilfreich sein.“ Der entscheidende Botenstoff, der für die typischen Symptome einer Pollenallergie verantwortlich ist, ist Histamin. Berber wie auch Bekci empfehlen Betroffenen, bei den ersten Symptomen einer Pollenallergie einen Arzt zu konsultieren. Denn gegen den Heuschnupfen lässt sich etwas tun.
Diese Therapien gibt es gegen Heuschnupfen
Die häufig erstgewählte Therapie sind Antihistaminika der zweiten oder dritten Generation, egal ob als Tablette, Augentropfen oder Nasenspray. Effektiv sei auch Nasenspray mit Kortison. Ebenfalls hilfreich: eine allergenspezifische Immuntherapie. Diese Art der Therapie sollte in einem symptomfreien Intervall beginnen. „Bis es zu einer Toleranzentwicklung kommt, kann es zwei bis drei Jahre dauern“, erklärt Berber.
Das sind die Tipps der Mediziner
Die Osnabrücker Lungenfachärzte empfehlen Betroffenen zudem, sich an ein paar klassische Tipps zu halten: Stoßlüftung nur zu bestimmten Zeiten. „In der Stadt eher Frühmorgens, auf dem Land abends.“ Abends statt morgens duschen, um die Pollen aus den Haaren und vom Körper zu waschen. Regelmäßig die Bettwäsche zu wechseln. Gegebenenfalls in der Natur eine Maske zu tragen. Und wer in dieser Zeit in Urlaub fährt: sowohl das Meer als auch das Hochgebirge gelten als pollenarme oder pollenfreie Regionen – und eignen sich für eine Zeit ohne Heuschnupfen.
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