Die schwache Konjunktur in Deutschland führt zu mehr Streitigkeiten am Arbeitsplatz. Im zweiten Quartal 2026 entfielen bereits 15,3 Prozent aller Rechtsschutzschäden auf arbeitsrechtliche Konflikte. Die Schadenzahlungen stiegen noch stärker.
Arbeitsrechtsschutz gewinnt an Bedeutung
Von Januar bis Juni 2026 flossen 38,6 Prozent aller Zahlungen der Rechtsschutzversicherer in den Arbeitsrechtsschutz – ein Anstieg gegenüber 36,8 Prozent im Vorjahreszeitraum und 33,9 Prozent 2024. "Wenn Unternehmen Stellen abbauen oder umstrukturieren, nehmen auch die Konflikte am und um den Arbeitsplatz zu", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Für Beschäftigte könne es dabei schnell um die eigene wirtschaftliche Existenz gehen. Der Arbeitsrechtsschutz gewinne in schwachen Konjunkturphasen zunehmend an Bedeutung.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschärfen Konflikte
Die deutsche Wirtschaft leidet seit Jahren unter schwacher Dynamik und hoher Unsicherheit. Im ersten Halbjahr 2026 meldete das Statistische Bundesamt 12.812 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im August waren gut drei Millionen Menschen arbeitslos, 36.000 mehr als ein Jahr zuvor.
Rechtsschutzversicherungen als Kostenpuffer
Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt im Kündigungsfall die Kosten für Anwalt und Gerichtsverfahren im vereinbarten Umfang. Bei einer Kündigungsschutzklage gilt eine Frist von drei Wochen. Ohne Versicherung müssen Arbeitnehmer die Anwaltskosten in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht selbst tragen – auch bei Prozessgewinn.
Die Nachfrage nach Rechtsschutz steigt: Für 2026 erwartet der GDV ein Beitragswachstum von 4,5 Prozent. 2025 gab es rund 26,2 Millionen Verträge und 5,1 Millionen Schadenfälle. Der Schadenaufwand lag bei 4,1 Milliarden Euro, zehn Jahre zuvor bei 2,7 Milliarden. Rund 60 Prozent der Haushalte in Deutschland sind versichert.