Die Luftfahrtbranche fordert von der Bundesregierung, das für den Kriegsfall aufgebaute Kerosin-Pipelinesystem der Nato für die zivile Nutzung freizugeben. In einem Schreiben an mehrere Bundesministerien warnen die Verbände vor sich verschärfenden Engpässen bei der Kerosinversorgung und dringen auf sofortige Maßnahmen. Zudem wollen sie erreichen, dass Flugstreichungen wegen Kerosinmangels künftig als außergewöhnlicher Umstand gelten und damit keine Entschädigungsansprüche der Passagiere auslösen.
Branchenverbände fordern Zugriff auf Nato-Pipelinesystem
Die Luftfahrtbranche verlangt von der Bundesregierung, das für den Kriegsfall aufgebaute Kerosin-Pipelinesystem der Nato nutzen zu dürfen. In einem Schreiben an die Ministerien für Finanzen, Verkehr und Wirtschaft fordern die Verbände die Freigabe der strategischen Kerosinreserven. Das berichtet der „Spiegel“.
Die Betreffzeile des als vertraulich eingestuften Schreibens laute dem „Spiegel“ zufolge: „Nahostkrise: Dringende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Konnektivität Deutschlands“. Darin warnen die drei großen Lobbyverbände, darunter der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, die sich verschärfenden Engpässe bei der Kerosinversorgung würden absehbar Folgen für Deutschland haben. Gefordert seien jetzt sofortige Schritte.
Forderung nach Änderungen bei Fluggastrechten
Die Verbände dringen laut „Spiegel“ zudem auf eine Änderung der EU-Fluggastverordnung. Die EU solle Flugstreichungen aus Kerosinmangel in der EU-Fluggastverordnung als außergewöhnlichen Umstand aufnehmen. Das würde bedeuten, dass Passagiere bei einer Streichung keine Entschädigung bekämen.
Videokonferenz zur Energiekrise und Folgen für den Luftverkehr
Das vertrauliche Schreiben, aus dem der „Spiegel“ berichtet, diente zur Vorbereitung einer Videokonferenz der Vertreter mit den Staatssekretären aus dem Verkehrs- und Wirtschaftsministerium wegen der sich verschärfenden Energiekrise. Die Luftfahrtvertreter trugen demnach vor, dass die Ölkonzerne ihnen nur bis Mitte Mai garantieren, Kerosin liefern zu können. Was danach passiere, hätten die Ölmanager ihnen nicht sagen können. Sie baten die Regierungsbeamten, die Unternehmen auf Auskunft zu drängen.
Die Lufthansa hatte vergangene Woche bekannt gegeben, wegen des Kerosinmangels 20.000 Kurzstreckenflüge bis Herbst zu streichen. Nach Informationen des „Spiegel“ hat sie dafür Kontakt mit der Deutschen Bahn aufgenommen.
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