Die Arbeitsgruppe "Postinfektiöse Erkrankungen" der Leopoldina verlangt eine bessere medizinische Betreuung für Betroffene von Long Covid. Die bisherigen Versorgungsdefizite erforderten laut Co-Sprecher Norbert Suttorp „wissenschaftliches Neuland“.
Versorgungslücken und wirtschaftliche Folgen
Leopoldina-Vizepräsidentin Regina Riphahn betont, dass die Erfahrungen mit Long Covid helfen könnten, sich auf künftige Pandemien vorzubereiten. Langfristig könnten die wirtschaftlichen Kosten solcher Erkrankungen 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.
Die Arbeitsgruppe beschreibt die aktuelle Organisation der Patientenversorgung und zeigt Lücken auf. Probleme gibt es insbesondere an den Schnittstellen zwischen ambulanter, hausärztlicher und spezialisierter Versorgung sowie zwischen Akutkliniken und Reha-Zentren.
Datenlage und Prävention als Schlüssel
Für eine bessere Diagnostik und Behandlung postinfektiöser Erkrankungen sei eine verbesserte Datenlage nötig. In Deutschland gebe es zu wenige und nicht ausreichend verknüpfte Daten. Eine bessere Infrastruktur könnte helfen, Biomarker für Long Covid zu identifizieren.
Die elektronische Patientenakte biete die Chance, eine solide Datengrundlage für die Forschung zu schaffen – vorausgesetzt, die Datenerhebung erfolge auf Basis einer breiten Einwilligung der Erkrankten. Zudem betonen die Mediziner die Rolle der Prävention: Impfungen könnten nicht nur vor schweren Verläufen, sondern auch vor postinfektiösen Erkrankungen schützen.