Seit Mitternacht gilt der neue Tankrabatt – doch mittags stiegen die Preise wieder.
Seit Mitternacht gilt in Deutschland erneut ein Tankrabatt, der die Spritpreise spürbar sinken ließ. Wie die Tagesschau berichtet, fiel der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 um 14,5 Cent auf 2,062 Euro pro Liter, während Diesel um 15,2 Cent auf 2,209 Euro sank. Teilweise wurde E10 sogar für weniger als zwei Euro angeboten, besonders in Städten wie Leipzig, München oder Stuttgart. Der ADAC bestätigte, dass bereits am Vormittag ein Großteil der steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent pro Liter bei den Verbrauchern ankam. Allerdings warnte der Automobilclub, die Preissenkungen dürften nicht durch spätere Erhöhungen wieder zunichte gemacht werden.
Tankstellen erhöhen Preise pünktlich um 12 Uhr
Doch die Erleichterung währte nur kurz: Wie der MDR und die Tagesschau übereinstimmend berichten, stiegen die Preise pünktlich um 12 Uhr mittags wieder kräftig an. An einer Leipziger Tankstelle erhöhte sich der Preis für Super E10 von 1,94 Euro auf 2,25 Euro – ein Anstieg von rund 30 Cent. Grund dafür ist die seit April geltende 12-Uhr-Regel, die Tankstellen nur einmal täglich eine Preiserhöhung erlaubt. Viele Autofahrer nutzten daher den Vormittag, um günstig zu tanken, was an einigen Tankstellen zu langen Schlangen führte.
Tankrabatt fließt nicht gezielt an Bedürftige
Die Maßnahme bleibt umstritten. Während der ADAC die schnelle Preissenkung als Hinweis auf „erhebliche Preisspielräume“ wertete, kritisierten Ökonomen wie Veronika Grimm oder Tomaso Duso von der Monopolkommission, dass der Rabatt nicht gezielt bei Bedürftigen ankomme. Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni seien rund 200 Millionen Euro des Entlastungsvolumens bei den Mineralölkonzernen hängen geblieben, wie die Tagesschau unter Berufung auf die Monopolkommission berichtet. Die Bundesregierung erwartet diesmal Steuerausfälle von rund 2,5 Milliarden Euro, wobei die Länder die Hälfte der Kosten tragen sollen.
Pendler zweifeln an Rabatt-Weitergabe
In Schleswig-Holstein zeigte sich ein gemischtes Bild: Einige Pendler begrüßten die Entlastung, andere zweifelten, ob die Konzerne den Rabatt vollständig weitergeben. Der ADAC betonte, dass Pendler und Menschen im ländlichen Raum besonders von den hohen Spritpreisen betroffen seien. Der Verband des Kfz-Gewerbes kritisierte indes, dass die auf drei Monate begrenzte Maßnahme keine dauerhafte Lösung darstelle. Langfristig fordere man eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast auf Kraftstoffe, die in Deutschland mit über 60 Prozent besonders hoch sei.
Spritpreise bleiben trotz Rabatt unberechenbar
Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die Rekord-Spritpreise im September eingeführt, der der teuerste Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen war. Ob die Entlastung vollständig ankommt, bleibt jedoch unklar, da es keine direkte Verpflichtung der Tankstellen gibt, die Preise zu senken. Die Weitergabe des Rabatts ist zudem schwer messbar, da Spritpreise durch äußere Faktoren wie den Iran-Krieg oder logistische Probleme stark schwanken können.