Ex-Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) warnt vor einer gravierenden Lage durch Niedrigwasser in vielen Flüssen. Sie kritisiert die systematische Entwässerung Deutschlands und fordert Gegenmaßnahmen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) berät am Donnerstag mit Wirtschaftsvertretern über das Thema.
Kritik an systematischer Entwässerung
Deutschland werde selbst in Dürrezeiten systematisch entwässert, sagte Lemke dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland„. Verantwortlich dafür seien Tausende Kilometer Entwässerungsgräben und Rohre, das Trockenlegen von Feuchtgebieten sowie jahrhundertealte Baumaßnahmen an Flüssen, die diese regulieren und nutzbar machen sollten.
Es müsse darum gehen, das Wasser in der Landschaft zu halten und die natürliche Speicherfähigkeit zu erhöhen, betonte die Grünen-Politikerin. "Auen und Feuchtgebiete müssen wieder hergestellt sowie Entwässerungsgräben und Rohre zurückgebaut werden. Zudem müssen industrielle Wasserentnahmen reguliert und die Versiegelung in Städten zurückgedreht werden".
Die Rheinschifffahrt sei ein Spezialfall, so Lemke. Sie warnte vor einem politischen Großversagen, wenn grundlegende Herausforderungen nicht angenommen würden.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will mit Vertretern von Industrie, Häfen und Binnenschifffahrt über den Umgang mit dem extremen Niedrigwasser des Rheins und anderer Wasserstraßen sprechen. Zudem soll die Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen bewertet werden. Parallel findet eine Video-Sonderkonferenz der Verkehrsminister statt.
Aufgrund der Erderhitzung werden in bestimmten Gebieten Dürren und Niedrigwasser häufiger und heftiger. Durch den Klimawandel ändert sich die Niederschlagsverteilung, sodass es seltener, dann aber in größeren Mengen regnet. Die Situation verschärft sich, solange durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zusätzliche Treibhausgase freigesetzt werden.