Das hat sich Robert Alferink, Oberbürgermeister-Kandidat der Osnabrücker SPD, wohl ganz anders vorgestellt. Dabei hätte er es besser wissen können – und müssen. Ein offenbar als Wahlkampf-Move gedachtes Instagram-Posting zur Kaufhof-Immobilie wurde jedenfalls schon nach wenigen Stunden von der Realität eingeholt.
Ohne jeden Zweifel: Die Ruine des ehemaligen Kaufhof-Warenhauses am Rande des Problemplatzes Neumarkt ist ein Schandfleck. Und durch die Entfernung der alten Horten-Kacheln und die späteren „Verschönerungsmaßnahmen“ ist das Gebäude nicht eben ansehnlicher geworden.
Ein Kommentar von Heiko Pohlmann
Aber muss man deshalb gleich fordern, die ohnehin bis ans Limit entleerte Stadtkasse noch weiter zu plündern, damit das Gebäude nicht an „irgendwelche Investoren“ geht? Genau das verlangte SPD-Kandidat Robert Alferink am Wochenende über seinen Instagram-Account.
Das also denkt ein Mitarbeiter der IHK über Unternehmer?
Wie kommt der Kandidat auf die Idee, dass ausgerechnet die Stadtverwaltung Osnabrück – für vieles bekannt, aber eher nicht für einen behutsamen Umgang mit Steuergeld – mit dieser Immobilie zwangsläufig etwas Besseres anfangen würde als ein privatwirtschaftlicher Investor?
Und was ist das für ein Bild von der Wirtschaft, wenn ausgerechnet jemand, der bei der Industrie- und Handelskammer angestellt ist – also einer Organisation, die ausschließlich von Unternehmen und Unternehmern getragen wird –, davon spricht, Investoren hätten „kein Interesse an der Entwicklung in Osnabrück“, sondern nur „am reinen Profit“?
SPD OB-Kandidat Robert-Alferink über Investoren / Screenshot: Instagram
Das ist kein ernstzunehmender Beitrag zur Stadtentwicklung. Das ist Mottenkisten-Sozialismus mit Instagram-Filter.
Der OB-Kandidat der SPD völlig ahnungslos was in Osnabrück passiert?
Dabei hätte Alferink es besser wissen können. Warum war in dieser Stadt längst an vielen Stellen bekannt, dass sich beim alten Kaufhof-Gebäude etwas bewegt – ein offenes Geheimnis, auch wenn die Details noch nicht öffentlich waren? Auch wir hielten deshalb eine bereits vorbereitete Postkarten-Aktion zunächst zurück, obwohl alles schon fertig war. Mit der Aktion wollte die HASEPOST humorvoll, aber durchaus bissig auf ungelöste städtebauliche Schandflecke aufmerksam machen.
Motiv Nummer 1 trug den Titel „Bukarest“ – eine satirische Anspielung auf überholte Klischees über osteuropäische Hauptstädte – und zeigt das Kaufhof-Gebäude. Die Karten liegen seitdem fertig gedruckt in einem Karton in unserer Redaktion – weil, wer ein wenig vernetzt ist im Osnabrücker Rathaus, informiert sein konnte, dass sich da etwas tut.
Diese Kartenaktion wurde gestoppt, weil es ein offenes Geheimnis im politischen Osnabrück war, dass sich irgendetwas beim Kaufhof-Gebäude tut … / Foto: Pohlmann
Nur der OB-Kandidat der SPD, Mitglied der grün-roten Mehrheitsgruppe im Stadtrat, wusste angeblich von nichts? Schwer vorstellbar. Zumal Recherchen unserer Redaktion darauf hindeuten, dass zumindest die Spitzen der Ratsfraktionen – auch der SPD – über laufende Verkaufsverhandlungen mit einem Investor aus dem nicht allzu fernen Münster informiert gewesen sein sollen.
Zum Glück für Osnabrück sind die Verhandlungen mit dem Investor, der offenbar sehr wohl ein Interesse an dieser Stadt hat – auch wenn er natürlich Geld verdienen will –, inzwischen so weit fortgeschritten, dass diese seltsam unternehmerfeindliche Attacke den Deal wohl nicht mehr gefährden kann.
Und statt die Immobilie „über Jahre in den Büchern“ vergammeln zu lassen, will der Investor dem Vernehmen nach nicht nur sanieren und investieren, sondern auch zügig vermieten – unter anderem an die Universität und an wohnungssuchende Studierende.
Das ist tatsächlich eine gute Nachricht für Osnabrück. Vor allem, wenn das Stadtbild dann nicht mehr so aussieht wie die Karikatur von Bukarest in der zum Glück lange beendeten sozialistischen Planwirtschaft, in der aktiv handelnde und investierende Unternehmer ein Feindbild der Herrschenden waren.
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