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Startseite AktuellKommentar: AfD scheitert erneut in Osnabrück, doch das ist nur die halbe Wahrheit
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Kommentar: AfD scheitert erneut in Osnabrück, doch das ist nur die halbe Wahrheit

von Heiko Pohlmann 18. April 2017
von Heiko Pohlmann 18. April 2017
Kommentar: AfD scheitert erneut in Osnabrück, doch das ist nur die halbe Wahrheit
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Es war ein versprengtes Häuflein Anhänger der AfD, das der Berliner Spitzenkandidatin Beatrix von Storch und dem Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel am Dienstagnachmittag auf dem Osnabrücker Marktplatz applaudierte.

Gedacht war die Veranstaltung als Auftakt für den Bundestagswahlkampf der AfD. Es wurde vor allem aber zu einer Demonstration des Gegenwinds, der in der Friedensstadt Osnabrück der Alternative für Deutschland scheinbar besonders kräftig entgegenweht.

Aber war das eine erneute Niederlage, so wie im vergangenen Sommer, als die AfD kleinlaut eingestehen musste nicht genügend Unterschriften zusammenbekommen zu haben, um eine erfolgreiche Anmeldung zur Kommunalwahl einzureichen?
Diejenigen Osnabrücker, die das von unserer Redaktion live vom Marktplatz via Facebook gestreamte Video (in der Mitte dieser Seite eingebettet) so oder ähnlich deuteten, müssen leider enttäuscht werden.

Bereitschaftspolizei, AfD, Beatrix von Storch, Osnabrück

Wer es auf den historischen Markt geschafft hatte, wurde noch lange nicht bis vorne durchgelassen. Diese Demonstranten mussten innerhalb des ersten „Rings“ bleiben.

Zugang zum Markt wurde von Gegendemonstranten blockiert

Vielleicht hat die AfD in Osnabrück tatsächlich nur zwei oder drei Dutzend Anhänger? Falls ja, dann zeichnet diese kleine Schar ein besonderer Hang zur Pünktlichkeit aus, denn nur wer mindestens eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn am einzigen von der Polizei für den Zugang freigehaltenen Eingang an der Hasestraße erschien, der kam auch problemlos auf den Marktplatz.
Das galt für Anhänger der AfD ebenso wie für Gegendemonstranten.

Bereitschaftspolizei, AfD, Beatrix von Storch, Osnabrück

Diese Gruppe Demonstranten konnte sich unter die AfD-Anhänger in den innereren Bereich mischen und drehte Beatrix von Storch den Rücken zu.

Schon bald zeigte eine Sitzblockade von AfD-Gegnern Wirkung, und spätestens eine Dreiviertelstunde vor Veranstaltungsbeginn war auch mit Ellenbogen und gutem Zureden kein Durchkommen mehr.
Von Seiten der Polizeiführung gab es für dieses – im Internet angekündigte und daher nicht überraschende – Verhalten der Gegendemonstranten offensichtlich keine Strategie. Die AfD wird zu Recht fragen: Warum?

Der AfD kam die Blockade vielleicht durchaus gelegen

Ein Sieg der demokratischen Kräfte in Osnabrück, die mit großer Mehrheit (geschätzt wurden etwa 2.000 Gegendemonstranten) eine kleine radikale Partei an einer angekündigten und genehmigten Versammlung hinderten?

Bunte Protestschilder - aber auch zahlreiche erigierte Mittelfinger und hassverzehrte Gesichter.

Bunte Protestschilder – aber auch zahlreiche erigierte Mittelfinger…

Oder war dies eine vom obersten Dienstherrn der Polizei, dem ehemaligen Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius und Lieblingsfeind der niedersächsischen AfD abgesegnete bewusste Nachlässigkeit im Einsatzkonzept seiner führenden Beamten?

Jede Seite wird sich ihre eigene Erklärung zusammenstricken, die AfD hat auf jeden Fall wieder eine Verschwörungstheorie mehr auf ihrer Liste.

Sollte die AfD in Osnabrück – wie es die Kommunalwahlschlappe im vergangenen Jahr angedeutet hat – tatsächlich nur wenig Zuspruch in der Bevölkerung haben, so haben die Blockierer den Beweis dafür leider zunichte gemacht.
Nun kann die AfD mit Fug und Recht sagen: „Seht her, die Polizei schafft es nicht, dass unsere Anhänger eine offiziell angemeldete Veranstaltung besuchen können“.

Beatrix von Storch, Bodyguards, AfD

„Die Kandidatin“ – immer ein Bodyguard vor und hinter ihr.

Polizei leistete Schwerstarbeit rund um den Marktplatz

Davon abgesehen, dass es der Polizeiführung nicht gelang den Zugang zum Marktplatz offen zu halten, kann man als Beobachter den einzelnen Beamten vor Ort sonst grundsätzlich nur Respekt zollen. Der physische „Druck“ auf die Absperrungen war gewaltig und der psychische Stress, den ein Trillerpfeiffenkonzert und hunderte ausgestreckte Mittelfinger auslösen, war bei den Polizisten sicher höher als bei den wenigen Vertretern der AfD. Deren Redner Hampel und von Storch hatten unter dem massiven Polizeischutz inhaltlich nichts zu bieten, was nicht in sonntäglichen Talkshows schon zu den Themen Europa, Islam und Flüchtlinge von Seiten dieser Partei geliefert wurde – ein großer Teil der Redebeiträge ist auf dem oben eingebetteten Video dokumentiert.

Gegendemonstranten, AfD in Osnabrück

Gegendemonstranten mussten draussen bleiben – auch weil der Zugang zum Markt von anderen Demonstranten blockiert worden war.

Friedlicher Protest auf dem Marktplatz endete mit Rauswurf

Bei allem grundsätzlichen Respekt für die Polizeiarbeit unter erschwerten Bedingungen, wird einigen Beobachtern allerdings eine Szene auf dem Marktplatz in Erinnerung bleiben: Eine Gruppe junger Frauen, die inmitten der AfD-Anhänger begannen gegen die mikrofonverstärkte Rede der AfD-Größe von Storch gegenzuhalten, wurden massiv von Ordnern oder Anhängern der AfD angegangen.
Nur mit viel Wohlwollen kann man die darauf folgende „Herausbegleitung“ durch die Einsatzkräfte als Schutzmaßnahme gegen eine weitere Eskalation der Situation werten. In dieser singulären Situation schien den Beamten der Überblick verloren gegangen zu sein und die eigentlichen Aggressoren blieben unbehelligt. Aber das passiert wohl, wenn zwei Lager so unerbittlich aufeinander treffen. Demokratie ist anders.

Gegendemo, AfD Osnabrück

Der AfD-Anhänger applaudiert, die Demonstrantinnen wurden hinausbegleitet.

Fotos: Laura Stevens

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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