Nach der knapp verlorenen Landtagswahl in Baden-Württemberg hat der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, deutliche Kritik an der Strategie und Programmatik seiner Partei geäußert. Er bemängelt vor allem fehlende inhaltliche Klarheit beim jüngsten CDU-Bundesparteitag in Stuttgart und fordert eine schärfere Profilschärfung. Winkel spricht sich zudem für eine harte Linie der CDU in möglichen Koalitionsverhandlungen aus.
JU-Vorsitzender kritisiert fehlende Debatten
Johannes Winkel
Der Bundesparteitag Ende Februar in Stuttgart war weitgehend ohne große Kontroversen und Debatten verlaufen. Ziel war es, vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln. "Damit haben wir uns keinen Gefallen getan", kritisierte der JU-Vorsitzende in der "Welt".
„Mit klarem Kompass und offenem Visier“
Winkel fordert von seiner Partei, gerade in Wahlkampfzeiten offensiv für inhaltliche Positionen zu werben. "Man kann und sollte es umdrehen: Gerade vor wichtigen Wahlen zeigt man den Menschen, wofür man steht. Mit klarem Kompass und offenem Visier in eine Debatte zu ziehen, das würde uns besser zu Gesicht stehen", sagte er der "Welt".
Die Umbrüche, die durch Demografie, Künstliche Intelligenz und Krieg in Europa auf Deutschland zukommen würden, seien nach Winkels Einschätzung so groß und gleichzeitig so offensichtlich, dass eine konkrete Positionierung der CDU unvermeidbar sei. "Das Politikmodell der `asymmetrischen Demobilisierung` wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die 2010er-Jahre sind vorbei", sagte Winkel der "Welt".
Forderung nach klarer Programmatik und harter Linie
Mit Blick auf die inhaltliche Ausrichtung verlangt der JU-Vorsitzende mehr programmatische Eigenständigkeit der CDU. Er fordert: "Wichtig ist, dass die CDU es sich zutraut, eine eigene, klare Programmatik zu entwickeln", so Winkel in der "Welt".
Auch für mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl formuliert er eine deutliche Erwartung. Winkel rät seiner Partei zu einer harten Linie: "Für die CDU gibt es jedenfalls keinen Grund, auch nur einen Millimeter von eigenen Positionen abzurücken, wenn sich die Grünen nun plötzlich von ihren konservativen Wahlkampfpositionen distanzieren sollten. Da wird es keine Rücksicht geben", sagte er der "Welt".
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