Israels Botschafter Ron Prosor fordert zur Bekämpfung von Antisemitismus in Deutschland Pflichtbesuche von Schülerinnen und Schülern in KZ-Gedenkstätten sowie eine Verschärfung der gesetzlichen Grundlagen. Antisemitismus sei in Deutschland wieder salonfähig, warnt Prosor und dringt auf eine rechtlich verbindliche Verankerung der IHRA-Arbeitsdefinition von Judenhass.
Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten gefordert
Israels Botschafter Ron Prosor rät im Kampf gegen Judenhass in Deutschland zu verbindlichen Besuchen von Schülerinnen und Schülern in Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager. Wissen über die einstigen Lager und die Vernichtung der Juden sei, so Prosor, „gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund“ enorm wichtig, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Prosor verwies auf eigene Erfahrungen in anderen Ländern. „Wenn ich in arabischen Ländern zu Besuch war und mit meinen Gastgebern über unsere Geschichte sprach, begegneten mir anfangs häufig Vorurteile gegenüber Juden und Israelis.“ Danach sei das Verständnis spürbar größer gewesen. Weil solche Begegnungen etwas bewirkten, müssten sie nach seinen Worten auch in Deutschland viel öfter stattfinden.
IHRA-Definition als rechtliche Grundlage
Als entscheidend für eine wirksame Bekämpfung von Antisemitismus bezeichnete Prosor eine konsequente Gesetzgebung. Der einzige Weg, Antisemitismus wirklich zu bekämpfen, führe über eine solche Grundlage, betonte er laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Dazu müsse die „Arbeitsdefinition von Antisemitismus“ der 1998 gegründeten Organisation International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) rechtlich verbindlich verankert werden.
Diese Definition stelle klar, dass es keine legitime Kritik, sondern eine moderne Form von Antisemitismus sei, Israel zu dämonisieren oder dem Land das Existenzrecht abzusprechen. Erst mit einer solch verbindlichen Grundlage könnten Behörden und Justiz nach Prosors Darstellung tatsächlich dagegen vorgehen.
„Antisemitismus ist wieder salonfähig“
Prosor sieht Antisemitismus in Deutschland als zunehmend akzeptiert an. Antisemitismus sei in Deutschland wieder salonfähig, mahnte er. Wer „Kauft nicht bei Israel“ sage, meine nichts anderes als „Kauft nicht bei Juden“.
Nach seiner Einschätzung gibt es in Deutschland drei Arten von Antisemitismus. Mit rechtsextremem Judenhass wisse der Staat umzugehen – politisch wie juristisch. „Antisemitismus aus der muslimischen Welt ist gefährlich, weil er die demokratische Ordnung wie ein Trojanisches Pferd unterwandert. Aber die Juden stehen in diesem Kampf nicht allein.“
Besonders schwierig zu bekämpfen sei nach Prosors Worten der Antisemitismus von links, weil er sich auf „dem schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit“ bewege. „Und dieser Grat wird jeden Tag überschritten.“ Das zeige sich besonders in akademischen und kulturellen Kreisen, wo sich Judenhass nach seinen Beobachtungen hinter einer Fassade aus Bildung, moralischer Überlegenheit und politischer Korrektheit tarne.
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