Fast 80 Prozent der Unternehmen in der Region Osnabrück spüren bereits wirtschaftliche Auswirkungen des anhaltenden Nahostkonflikts. Das zeigt eine Blitz‑Umfrage der Industrie‑ und Handelskammer, die zwischen dem 15. und 17. April 2026 durchgeführt wurde und an der sich 120 Unternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen beteiligt haben.
Unternehmen unter Kostendruck
Besonders belastend wirken sich steigende Fracht‑ und Transportkosten, hohe Energiepreise sowie wachsende Rohstoff‑ und Materialkosten aus. Viele Unternehmen reagieren mit Preisanpassungen und Investitionszurückhaltung. „Der Krieg im Nahen Osten und die dadurch stark gestiegenen Energie‑ und Transportkosten treffen die Unternehmen jetzt mit voller Wucht“, erklärt IHK‑Hauptgeschäftsführer Marco Graf. „Viele Betriebe standen bereits zuvor unter erheblichem Kostendruck. Die aktuelle Situation verschärft diese Lage weiter und dämpft die ohnehin schwachen Erwartungen an eine wirtschaftliche Erholung.“ Im Detail zeigt die Umfrage, worin die Belastungen konkret bestehen: 73 Prozent der Unternehmen nennen gestiegene Fracht‑ und Transportkosten als zentrale Folge der Krise. 64 Prozent berichten von höheren Energiepreisen, 54 Prozent von steigenden Rohstoff‑ und Materialkosten. Mehr als jedes dritte Unternehmen verzeichnet zudem einen Rückgang von Nachfrage oder Aufträgen. Lieferengpässe oder Verzögerungen spielen (noch) eine untergeordnete Rolle, belasten einzelne Betriebe aber bereits merklich. Gleichzeitig reagieren viele Unternehmen mit konkreten Maßnahmen. Rund 60 Prozent haben ihre Preise angepasst, knapp die Hälfte das Risikomanagement intensiviert. Mehr als ein Drittel der Betriebe verschiebt zudem derzeit Investitionen oder Projekte. Zwar berichten aktuell nur 13 Prozent von konkreten Engpässen bei Rohstoffen oder Vorprodukten, doch insbesondere energieintensive Materialien, Kunststoffe und chemische Vorprodukte stehen unter erheblichem Preisdruck. Hinzu kommen kurze Preisbindungsfristen und eine zunehmende Unsicherheit in bestehenden Lieferbeziehungen.
Kurzfristige Eingriffe wenig nachhaltig
Vor diesem Hintergrund unterstützt die IHK Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Unternehmen bei den Energiekosten. Entscheidend sei dabei, dass diese Entlastungen schnell und unbürokratisch wirken. Der Koalitionsausschuss sieht hierzu eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin für zwei Monate vor. „Diese Maßnahme wird kurzfristig entlasten, sie ersetzt jedoch keine tragfähige Gesamtstrategie“, erklärt IHK‑Hauptgeschäftsführer Marco Graf. „Dauerhaft niedrigere Strompreise – etwa durch eine Stromsteuersenkung für alle – ist nicht nur im Koalitionsvertrag bereits vereinbart, sie wäre für die Wirtschaft auch breiter und nachhaltiger wirksam als kurzfristige Eingriffe ausschließlich bei den fossilen Kraftstoffen.“
Wenn ich nie gefragt wurde – wie kann die Umfrage dann trotzdem stimmen?
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.