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Startseite AktuellKommentar: Nichts zu feiern im Schlossgarten?
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Kommentar: Nichts zu feiern im Schlossgarten?

von Heiko Pohlmann 9. Oktober 2021
von Heiko Pohlmann 9. Oktober 2021
Schlossgarten und Uni Osnabrück
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Der Schlossgarten ist weitestgehend fertig „saniert“, mit Ausnahme der Schlossterrasse, die kommendes Jahr nachgereicht wird. ein Grund zu feiern? Die Kapelle des Ratsgymnasiums spielte, Schnittchen und Sektgläser wurden ausgeteilt und der scheidende Oberbürgermeister hielt eine Rede. 

Beobachtungen am Rande einer seltsamen „Feierstunde“, von Heiko Pohlmann

Doch wo bitte waren bei dieser Feierstunde die Kommunalpolitiker, zum Beispiel der Regenbogenkoalition, die sich im Stadtrat so vehement hinter ihrem Stadtbaurat versammelt hatten, als dieser die in der Bevölkerung so eindeutig abgelehnten Umbaupläne durchboxte?

Rund 83% der HASEPOST-Leser lehnten die Pläne für den Schlossgarten 2017 in einer Befragung ab und 78% der NOZ-Leser waren gegen eine Neugestaltung der beliebten Parkanlagen.

Stadtbaurat Frank Otte war bei der feierlichen Eröffnung tatsächlich nicht vor Ort. „Der ist wohl krank, oder ist der vielleicht noch im Urlaub“, konnte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert als oberster Dienstherr der Stadt die Frage nach dem Verbleib des Stadtbaurats auf Nachfrage unserer Redaktion nicht beantworten. Dabei sollte der Stadtbaurat ausweislich der Einladung durch das Presseamt als Gesprächspartner vor Ort sein. Am Nachmittag nach der Feierstunde im Schlossgarten wurde Otte übrigens noch mit dem Fahrrad in Osnabrück gesichtet – es war wohl doch Urlaub?

Statt Stadtbaurat und Kommunalpolitiker waren reichlich Vertreter der Firmen vor Ort. Also Architekten, Bauunternehmer und Brunnenbauer die nun eine Abschlussrechnung stellen dürfen; die hatten sicher einen Grund zu feiern. Mehr als 3,5 Millionen Euro Steuergeld hat das alles gekostet. Nicht besonders groß oder beeindruckend – aber immerhin ganz schön teuer.

Ein „Fontänenfeld“ wurde eingeweiht, das in dieser Form auch vor einer Kreissparkasse einer weitaus kleineren Stadt als Osnabrück stehen könnte.
Eigentlich war aber doch ein Wasserbecken nach barockem Vorbild geplant, das laut Dokumentation des Wettbewerbverfahrens „das neue Gelenk zwischen Alt und Neu“ sein sollte. Doch dieses zentrale und historisierende Element musste zwischenzeitlich aus den Plänen gestrichen werden, weil die Fördergelder, die man unbedingt einstreichen wollte, weswegen Geld bei der Umsetzung keine wesentliche Rolle spielte, genau so ein Element nicht vorsahen.
Hätte man wissen können, wenn man als für die Umgestaltung verantwortlicher Stadtbaurat sich vorher mal die Förderrichtlinien angeschaut hätte, hat man aber nicht gewusst, daher wurde schnell ein Spielbrunnen eingeplant, der zwar nicht mehr barock ist und (siehe oben) eher vor eine Kreissparkasse passt. Aber was interessiert die Osnabrücker Verwaltung auch, womit vorher noch der Siegerentwurf des Gestaltungswettbewerbs so blumig begründet wurde?

Der neue Spielplatz in DHL-Farben und Anmutung einer Packstation hat eine "besondere" Architektur mit vielen Gitterstäben. Foto: Pohlmann

Der neue Spielplatz in DHL-Farben und Anmutung einer Packstation hat eine „besondere“ Architektur mit vielen Gitterstäben. Foto: Pohlmann

Keine Worte über die DHL-Packstation aka Kinderspielplatz

Was bei der feierlichen Veranstaltung mit Ratskapellenbegleitung überhaupt keine großartige Erwähnung fand, war der neue Kinderspielplatz nur wenige Meter neben dem neuen Spritzbrunnen.
Dabei fing mit diesem Kinderspielplatz, der in seiner Neugestaltung eher an eine DHL-Packstation oder einen vergitterten Kinderknast erinnert, alles an.
Weil die Uni ein neues Studierendenzentrum vor ihrer Mensa plante, musste der dort ursprünglich angesiedelte Spielplatz verlegt werden. Statt dafür einfach den Osnabrücker ServiceBetrieb (OSB) zu beauftragen, wurde das ganz große Rad gedreht, weil man ja Fördergelder abgreifen konnte.

Fiktiv kaputte Wasserbecken in den bunten Blumenbeeten

Angeblich waren die alten Wasserbecken inmitten der jedes Jahr bunt bepflanzten Beete irreparabel kaputt – obwohl niemals in den Ausschuss- und Ratsdebatten dazu ein Kostenvoranschlag für die Reparatur gezeigt und eine Gegenrechnung aufgemacht wurde, was die Erhaltung des Status Quo und eine Spielplatzverlegung und Gestaltung in Regie des Eigenbetriebs den alternativ gekostet hätte.
Auffällig auch: Obwohl 2017 behauptet wurde, die Wasserbecken innerhalb der Blumenbeete seien defekt, plätscherten sie dennoch munter weiter, bis zum Beginn der Umbauaarbeiten im vergangenen Herbst. Was war an den alten Wasserbecken denn nun wirklich kaputt, das einen millionenteuren Umbau der Fläche begründet? oder passte die Geschichte einfach nur zu gut? Besser gut gelogen als schlecht begründet?

Der Schlossgarten früher

Der Schlossgarten früher

Wie auch immer, Oberbürgermeister Griesert bedankte sich bei allen Anwesenden. Griesert erwähnte auch seine Nachfolgerin Katharina Pötter, die er irgendwo unter den Gästen ausgemacht haben wollte. [Korrektur: der OB wies unsere Redaktion darauf hin, dass er eine Mitarbeiterin mit gleichem Nachnamen aus der Verwaltung gemeint habe] Doch die war gar nicht vor Ort, wie auch sonst kein Kommunalpolitiker, mit Ausnahme von Gisela Brandes-Steggewentz (Linkspartei), die allerdings dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören wird. Und sonst, Parteifreunde des grünen Stadtbaurats zum Beispiel? Fehlanzeige!

Otte behauptete „Einmütigkeit“ im Wettbewerb zum Schlossgartenumbau

Osnabrücks neue Oberbürgermeisterin hat übrigens eine besondere Beziehung zu dem mehr als 3,5 Millionen teueren Umbau. Pötter hatte, wie unsere Redaktion seinerzeit exklusiv berichtete, als Teilnehmerin des Gestaltungswettbewerbs „starke Zweifel an der Sinnhaftigkeit“ des Siegerentwurfs geäußert.
Zuvor hatte Stadtbaurat Frank Otte fälschlich behauptet, die Zustimmung der Teilnehmer der Wettbewerbsjury für den Siegerentwurf  sei „einmütig“ gewesen.
Eine Unwahrheit über den Gestaltungswettbewerb, der danach vom AStA der Universität zusätzlich kritisiert wurde, als die Studierendenvertretung in einer Mitteilung an unsere Redaktion das Auswahlverfahren als „intransparent“, „konspirativ“ und nur „Schein von Demokratie“ bezeichnete.

Nun ja, der Stadtbaurat war dann bei der Eröffnung nicht dabei und auch sonst gab es wohl nichts zu feiern.
Wo waren sie denn alle, die Kommunalpolitiker der Regenbogenkoalition, die das alles als „großen Wurf“ angesehen haben? Gab es nichts zu feiern?

 


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„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten“ (C. G Jung).
Bitte denken Sie mehr, Ihr Heiko Pohlmann.


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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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