Die Forderung von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen drastisch zu reduzieren, hat in der Gesundheitsbranche deutlichen Widerspruch ausgelöst. Vor allem der GKV-Spitzenverband hält den Vorstoß für unbegründet und verweist auf sinkende Verwaltungsausgaben. Linnemann begründet seine Initiative mit angeblich unnötigen Kosten und mangelndem Wettbewerb.
GKV-Spitzenverband spricht von „Debatte ohne Hand und Fuß“
Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, kritisierte im Gespräch mit dem „Stern“ die Initiative scharf. „Hier wird mal wieder eine Debatte ohne Hand und Fuß geführt, die an der Realität völlig vorbeigeht“, sagte Blatt dem Magazin. Er verwies darauf, dass der von Linnemann angeführte Punkt hoher Verwaltungskosten so nicht zutreffe. „Herr Linnemann hat offenbar den Bericht der Finanzkommission Gesundheit nicht gelesen, der deutlich herausarbeitet, dass der Anteil der Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben seit Jahren sinkt.“
Blatt forderte stattdessen weitreichende Veränderungen im System. „Wir erwarten von der Politik die Kraft zu echten Strukturreformen und nicht die Flucht in Scheindebatten“, sagte Blatt dem „Stern“.
Linnemann fordert deutlich weniger Krankenkassen
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte am Morgen im Zuge der Debatte um eine Gesundheitsreform eine deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenkassen verlangt. „Zehn Krankenkassen in Deutschland reichen“, sagte Linnemann den Sendern RTL und ntv. Nach seiner Darstellung bieten die vielen Kassen derzeit in der Regel die gleichen Leistungen an und verursachen damit überflüssigen Verwaltungsaufwand.
„Wenn ich sehe, dass da Milliarden ausgegeben werden für nichts, weil es keinen Wettbewerb gibt, dann müssen wir da ran, und deswegen sind über 90 Krankenkassen zu viel“, sagte Linnemann RTL und ntv. Der CDU-Generalsekretär schlug vor, vor allem kleinere Kassen zu streichen. Als mögliche Schwelle nannte er 200.000 oder 250.000 Versicherte.
GKV-Spitzenverband verweist auf bereits erfolgte Konzentration
Blatt wies im „Stern“ diese Argumentation vehement zurück und erinnerte an die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. „Von weit über tausend Krankenkassen in den 90er-Jahren sind heute nur noch 93 an der Versorgung beteiligt und stehen im Wettbewerb um gute Versorgung und guten Service.“ Nach Einschätzung des GKV-Spitzenverbandes habe sich die Struktur der Kassen bereits stark verändert.
„Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert und laufend optimiert werden kann“, sagte Blatt dem „Stern“. Die Reformbereitschaft der Kassen bewertet er positiv: „Wenn alle Bereiche in unserem Gesundheitssystem so veränderungsbereit wären wie die Krankenkassen, wären viele Probleme sicherlich längst gelöst.“
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