Wo begegnet Frauen und Mädchen (sexualisierte) Gewalt und was hat Gewaltprävention mit Demokratie zu tun? Ist es schon Gewalt, wenn jungen Frauen unter den Rock fotografiert wird? Kommt unserer Gesellschaft das Schamgefühl abhanden? Wird Gewalt salonfähig? Werden Söhne noch zu Respekt gegenüber Frauen erzogen?
Zusammenhänge zwischen Gewaltbereitschaft und der Missachtung der Demokratie
Dr. Debbie Stoll, Kommunikationstrainerin und Mitglied des Zonta-Clubs Westfälischer Friede, weist auf deutliche Zusammenhänge zwischen Gewaltbereitschaft und der Missachtung demokratischer Werte und Regeln hin: „Menschen, die Lügen verbreiten oder Hassreden halten, missbrauchen die Freiheit der Demokratie. Sie sind auch eher bereit, demokratische Rechte einzuschränken – und hier entsteht Raum für (sexualisierte) Gewalt“, sagt Stoll mit Blick auf die bekannten Anmaßungen des amtierenden US-Präsidenten. Und ruft dazu auf, junge Frauen zu stärken. Aber auch positive Role Models für junge Männer seien dringend erforderlich, denn Inhalte in den sozialen Medien alleine könnten keine richtungweisende Orientierung bieten.
Workshops in Projektreihe „Mut ist orange“
Hier setzt die Projektreihe „Mut ist orange“ an. – Die Farbe verweist auf die UN-Kampagne gegen Gewalt an Frauen „Orange the World“. – Im Auftrag des Zonta-Clubs Westfälischer Friede Osnabrück und in Zusammenarbeit mit dem Kollegium des Berufsschulzentrums (BSZ) am Westerberg will die Kommunikationstrainerin in mehreren Workshops das Bewusstsein junger Menschen für die eigenen Rechte und Pflichten und zumal für die Rechte ihrer Mitmenschen schärfen.
Auf dem monatlichen Clubabend berichtete Debbie Stoll jetzt über den Fortschritt des Projekts. In einem ersten Workshop hat sie gemeinsam mit Lehrerinnen, Lehrern, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern des BSZ am Westerberg ein Gewaltpräventionskonzept erarbeitet. Im Frühjahr werden nun die Schülerinnen und Schüler das Konzept in einem zweiten Peer-Workshop vertiefen und mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern umsetzen.
Gewalt als nichtdemokratisch
„Gewalt muss als nichtdemokratisches Handeln entlarvt und geächtet und durch demokratische Handlungsalternativen ersetzt werden“, fasst Stoll das Projektziel zusammen. Demokratie sei kein Selbstläufer, sie müsse gelernt und immer wieder verteidigt werden.
„Gewaltprävention ist kein Randthema, sondern eine Frage unserer demokratischen Haltung“, so Clubpräsidentin Lidia Wübbelmann: „Dass Debbie Stoll – seit Januar Mitglied in unserem Zonta-Club – dieses komplexe Thema so klar, mutig und wirksam in die Lebenswelt junger Menschen trägt, erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit. Unser Dank gilt ebenso der Volksbank-Stiftung respektplus und dem Präventionsverein prävos, die mit ihrer großzügigen finanziellen Unterstützung dieses wichtige Projekt möglich machen.“
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