Gesundheitsökonomen äußern Verständnis für den politischen Vorstoß, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen. Sie kritisieren die bisherige Regelung als schwer zu begründen und sehen darin ein Gerechtigkeitsproblem, das insbesondere Paare mit gleichem Haushaltseinkommen ungleich belastet.
Kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern unter Kritik
Gesundheitsökonomen zeigen Verständnis für den Vorstoß zur Streichung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Es sei „schwer zu begründen, warum Beitragszahler die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern finanzieren sollen“, sagte Martin Albrecht vom Iges-Institut dem „Spiegel“. Anders als die Erziehung von Kindern sei der weitgehende Verzicht auf Erwerbsarbeit in einer Ehe keine Voraussetzung zur Sicherung des Umlageverfahrens. Zudem sei „die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit heute ein allgemein anerkanntes gesellschaftspolitisches Ziel“.
Datenlage zu betroffenen Familienhaushalten
Laut Berechnungen des Iges-Instituts auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) liegt der Anteil der betroffenen Haushalte mit Kindern unter 14 Jahren bei gerade einmal 43 Prozent aller Mitversicherten. Bei kleinen Kindern unter sechs Jahren haben sogar lediglich 20 Prozent der Haushalte kostenfrei mitversicherte Partner. Allerdings stellen Ehepartner mit Kindern im betreuungsbedürftigen Alter nur eine Minderheit unter den erwachsenen Mitversicherten.
Gerechtigkeitsproblem und Kritik an der Ausgestaltung
Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang äußerte sich ebenfalls kritisch zur Mitversicherung. Es gebe dort „ein Gerechtigkeitsproblem“. Aktuell würden Paare mit identischem Haushaltseinkommen höchst unterschiedlich belastet. „Die Vorteile sind umso größer, je unterschiedlicher das Einkommen der Partner ist“, so Rothgang. Dies widerspreche „dem Prinzip der horizontalen Gleichbehandlung“.
Ordnungspolitisch sei der Vorstoß allerdings schlecht ausgeführt. „Damit wird kein einziges Strukturproblem grundsätzlich gelöst“, erklärte er. Stattdessen gehe es der Koalition „erkennbar nur darum, kurzfristig ein paar Euro einzusammeln“.
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