Sind es die letzten Zuckungen der ursprünglich von Schülerinnen und Schülern gegründeten Organisation „Fridays for Future“? Zu einer Demonstration im Osnabrücker Schlossgarten kamen am Sonntag lediglich rund ein Dutzend Teilnehmer. Die meisten von ihnen dürften ihre ersten Demonstrationserfahrungen bereits in den späten 1960er- oder 1970er-Jahren gesammelt haben – darunter auch einige „Omas gegen Rechts“.
Die Spontandemo sollte sich gegen die Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump und die der deutschen Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz richten.
Demo von Fridays for Future im Osnabrücker Schlossgarten am 15.02.2026 / Foto: Pohlmann
Ist die Zeit der Klima-Demonstrationen auch in Osnabrück vorbei?
Doch viel mehr als ein Dutzend schaffte es an diesem Tag nicht vom Sofa in den Schlossgarten. Lag es daran, dass die Demonstration erste Ende vergangener Woche und damit recht kurzfristig angekündigt wurde? An den empfindlich kalten Temperaturen, die so gar nicht zur Erzählung passen wollen, dass die Zeit der kalten Winter vorbei sei? Am ungewohnten Termin – nicht an einem Freitag? Oder daran, dass sich angesichts steigender Energiekosten und zunehmend knapper Gasvorräte ein wachsender Teil der Bevölkerung von Klimathemen nicht mehr mobilisieren lässt?
Auf mitgebrachten Bannern war unter anderem zu lesen: „Mehr als 220 Tote in OS durch Abgase“ (siehe Faktencheck unten auf dieser Seite) sowie die Forderung „Climate Justice Now“. Währenddessen dürfte die als „Langstrecken-Luisa“ bekannte Klimaaktivistin im antarktischen Sommer vor der Küste Chiles deutlich mildere Temperaturen auf ihrer Segelyacht genießen als jene, die am Sonntag im Schlossgarten herrschten.
Mehr als 220 Tote in Osnabrück durch Abgase? Stimmt das –> siehe Faktencheck unten auf dieser Seite
Klimademo unter den Augen der Osnabrücker Dealerszene
Nach der Kundgebung vor dem historischen Schloss – unter den wachsamen Blicken der dort allzeit präsenten Dealer- und Drogenkonsumentenszene – sollte sich der kleine Demonstrationszug mit Lastenrad und Lautsprecheranlage noch durch die Innenstadt bewegen. Polizei und Stadtwerke hatten ihre Einsatzplanung offenbar der überschaubaren Teilnehmerzahl angepasst: Begleitet wurde die Demonstration von lediglich einem Streifenwagen sowie einem Fahrzeug der Verkehrslenkung der Stadtwerke.
* Faktencheck: „Mehr als 220 Tote in OS durch Abgase“ – passt das?
Banner auf der FFF-Kleinstdemo: In Osnabrück (knapp 170.000 Einwohner) gebe es „mehr als 220 Tote pro Jahr durch Abgase“.
Wichtig zur Einordnung: Solche Zahlen stammen fast immer aus Modellrechnungen (Burden-of-Disease/Attributionsmodelle).
Das sind keine „gezählten“ Todesfälle aus Totenscheinen, sondern statistische Schätzungen, wie stark Luftschadstoffe das Sterberisiko in einer Bevölkerung erhöhen.
Was sagt die Forschung auf Deutschland-Ebene?
Die Europäische Umweltagentur (EEA) beziffert für Deutschland die vorzeitigen Todesfälle durch PM2.5 (Feinstaub) in der Größenordnung von einigen Zehntausend pro Jahr
(z. B. für 2022; Methodik: Langzeitbelastung über WHO-Leitwerten).
Eine häufig zitierte Schätzung für Verkehrs-Abgase stammt vom International Council on Clean Transportation (ICCT):
Für 2015 werden für Deutschland rund 13.000 vorzeitige Todesfälle durch PM2.5 und Ozon aus „tailpipe emissions“ (Auspuffemissionen) angegeben.
Was würde das grob für Osnabrück bedeuten, wenn man die Deutschland-Zahlen nur proportional umrechnet?
Bei einer simplen Pro-Kopf-Hochrechnung (ohne lokale Messwerte/Modelle) ergeben sich grob folgende Größenordnungen:
- Feinstaub (PM2.5, EEA – Deutschland 2022): proportional etwa rund 65 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Osnabrück.
- Verkehrs-Abgase (ICCT – Deutschland 2015, tailpipe PM2.5 + Ozon): proportional etwa rund 26 pro Jahr in Osnabrück.
- Hohe Schätzung (DUH – Verweis auf EEA-Daten für 2023, PM2.5): proportional etwa rund 115–120 pro Jahr in Osnabrück.
… selbstverständlich immer noch viel zu viel – wenn man diesen Zahlen glauben will.
Zwischenfazit: „220 pro Jahr“ liegt deutlich über dem, was sich aus gängigen Deutschland-Schätzungen durch eine einfache Pro-Kopf-Übertragung ergeben würde.
Um auf „>220“ zu kommen, müsste entweder (a) ein Mehrjahreszeitraum gemeint sein, (b) ein sehr weit gefasster Schadstoffmix (nicht nur „Abgase“) genutzt werden,
oder (c) eine lokale Modellrechnung mit spezifischen Annahmen/Belastungsdaten vorliegen, die transparent benannt werden müsste.
Quellen (zum Nachlesen):
EEA (Deutschland, Health impacts of air pollution): eea.europa.eu
EEA-Bericht (Burden of disease, 2024): eea.europa.eu
ICCT-Factsheet (Deutschland, 13.000 transport-attributable deaths, 2015): theicct.org (PDF)
DUH-PM (Verweis auf EEA-Daten, ~60.000 PM2.5 in 2023): duh.de
Umweltbundesamt (Presseinfo, Größenordnung PM-bedingter vorzeitiger Todesfälle): umweltbundesamt.de
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