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Startseite AktuellFotografin Koelbl porträtiert Boris Pistorius: „Putin weiß, wo die Schwachstellen sind“
Aktuell

Fotografin Koelbl porträtiert Boris Pistorius: „Putin weiß, wo die Schwachstellen sind“

von Dominik Lapp 27. November 2025
von Dominik Lapp 27. November 2025
Buch über Boris Pistorius. / Foto: Dominik Lapp
37
📍Ort des Geschehens: Osnabrück (Gesamtstadt)

Die Fotografin Herlinde Koelbl hat es erneut getan: Nach Politikern wie Gerhard Schröder und Angela Merkel widmet sie nun dem derzeit beliebtesten deutschen Politiker ein ganzes Buch. In Osnabrück, wo Boris Pistorius aufgewachsen ist und einst Oberbürgermeister war, stellte der Bundesverteidigungsminister Anfang Oktober das Werk im Theater vor. Unsere Redaktion hat sich „Boris Pistorius. Aufbruch“ genauer angesehen – und findet ein facettenreiches Porträt zwischen politischer Verantwortung und privatem Halt.

Zwischen Staatsräson und Stadionbesuch

Ein Jahr lang begleitete Herlinde Koelbl den SPD-Politiker – in Bundeswehrkasernen, bei Truppenbesuchen, auf Reisen in Krisenregionen wie dem Irak. Ebenso war sie dabei, wenn Boris Pistorius mit seiner Ehefrau oder seinen Brüdern Zeit verbrachte oder gemeinsam mit ihnen beim Fußball an der Bremer Brücke stand. Die Kombination aus politischer Nähe und familiären Momenten macht das Buch genauso abwechslungsreich wie locker zu lesen.

Koelbl stellt ihrem Protagonisten nicht nur politische, sondern auch persönliche und philosophische Fragen. Das Ergebnis: Ein Mensch, der sich selbst als bodenständig beschreibt und dessen politisches Handeln stark von seiner Herkunft geprägt ist. „Als der mittlere von drei Brüdern bin ich in einem sehr politischen Elternhaus aufgewachsen, in dem Gerechtigkeit und Fairness immer großgeschrieben wurden. In der Familie habe ich früh gelernt, Dinge offen anzusprechen, dabei mein Gegenüber zu respektieren und gleichzeitig meine Position zu vertreten.“ Seine Mutter sei der ruhende Pol gewesen, politisch geprägt hätten ihn aber beide Elternteile.

Was ihn antreibt

Auf die Frage, von wem er am meisten gelernt habe, nennt Pistorius als Erstes seine Eltern. Seine 2015 verstorbene Frau habe ihn immer wieder geerdet, seine Brüder, Freunde, zweite Ehefrau und Kinder gäben ihm heute Halt. In der Politik habe er keine Freunde, sagt er – sein privates Umfeld sei deshalb umso wichtiger.

Er bereite sich gründlich vor, treffe andere Politiker, tausche Handynummern aus, um schnell im Austausch zu bleiben. Doch am liebsten verschaffe er sich selbst ein Bild. Und als Sozialdemokraten prägten ihn zwei Namen besonders: Willy Brandt und Helmut Schmidt. Eine Kanzlerkandidatur? Damit habe er nie gerechnet, betont Pistorius – er habe stets hinter Olaf Scholz gestanden.

Auch private Einblicke bietet das Buch: Wie hier ein Besuch der drei Pistorius-Brüder im Stadion an der Bremer Brücke. / Foto: Dominik Lapp

Auch private Einblicke liefert Herlinde Koelbl mit ihren Fotos im Buch: Wie hier ein Besuch der drei Pistorius-Brüder im Stadion an der Bremer Brücke. / Foto: Dominik Lapp

Haltung zu Krieg, Frieden und Verantwortung

Im Zentrum des Buches steht immer wieder die Frage nach Pistorius‘ politischer Haltung in Zeiten geopolitischer Krisen. Auch kritische Fragen werden gestellt, etwa ob er sich nicht genügend für den Frieden einsetze. Seine Antwort: „Das ist eine plakative und auch bösartige Unterstellung, die ich zurückweise. Auch mein Ziel ist ja gerade der Friede, und zwar der nachhaltige Friede. Meine Sozialisation in der Friedensstadt Osnabrück hat mich grundlegend geprägt.“

Bürgerinnen und Bürger zwischen 20 und 80 Jahren durften eigene Fragen beisteuern. Sie wollten wissen, warum er weiterhin Verteidigungsminister sein wollte, wie er die Bundeswehr umbauen würde, was ihn religiös bewegt und welche Visionen er für Deutschland und Europa hat.

Auch die Frage, ob er Pazifist sei, beantwortet er offen: „Ich glaube, jeder Mensch, der in Frieden leben will, ist Pazifist.“ Doch was wäre, wenn Deutschland angegriffen würde? Dann, sagt Pistorius, „müssen wir uns alle gemeinsam verständigen, ob wir nur zuschauen wollen. Ich bin eher bei denjenigen, die sagen: Ich wehre mich dagegen, ich möchte nicht unterjocht werden.“ Freiheit und die Menschen, die man liebt, könne man „nicht mit Gebeten oder Sitzblockaden verteidigen“.

Zur Bedrohung durch äußere Einflussnahme formuliert er klar: „Putin weiß, wo die Schwachstellen in unserer gesellschaftlichen Psyche sind, und er spielt geschickt die Karte ‚Angst vor Krieg‘. Wir sind möglicherweise seine größte Zielscheibe, was diese Frage angeht, weil er glaubt, dass wir besonders empfänglich dafür seien.“

Boris Pistorius in Osnabrück. / Foto: Dominik Lapp

Boris Pistorius bei einem Wahlkampf-Auftritt im Grünen Jäger in Osnabrück. / Foto: Dominik Lapp

Ein persönliches und politisches Dokument

Herlinde Koelbls Projekt war abenteuerlich, nicht zuletzt durch die Reisen in Krisengebiete. Herausgekommen ist ein Buch, das Boris Pistorius nahbar macht – ohne ihn zu verklären. Es zeigt den Politiker im Maschinenraum der Macht, aber ebenso den Familienmenschen, der Kraft aus seinem privaten Umfeld schöpft.

Das Buch „Boris Pistorius. Aufbruch“ (ISBN 978-3-98962-013-1, Knesebeck Verlag, 24 Euro) ist ein Werk mit 53 exklusiven Fotos und atmosphärischen Einblicken, das politisch Interessierte ebenso anspricht wie Leserinnen und Leser, die auf 152 Seiten nach dem Menschen hinter dem Minister suchen.

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.

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