Das Bistum Osnabrück hält an seinem Sparkurs fest – und versteht ihn ausdrücklich als Teil eines tiefgreifenden Wandels. Bei der Vorstellung des Haushalts für 2026 wurde schnell klar: Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um die Zukunftsform der Kirche im Bistum Osnabrück.
Veränderungen stehen im Fokus des Bistum Osnabrück
Generalvikar Ulrich Beckwermert machte gleich zu Beginn deutlich, worum es geht: Kirche stehe – wie Gesellschaft und Politik – in einer Phase massiver Umbrüche. „Wir leben in Zeiten großer Veränderungen“, sagte er. Ein „Weiter so“ könne es deshalb nicht geben. Kirchengebäude, Einrichtungen und Personalstrukturen würden sich langfristig verändern und verkleinern.
Der Hintergrund ist vor allem finanzieller Natur. Eine Studie der WHU zeigt: Ohne Reformen würde sich bis 2040 die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter öffnen. Zwar bleiben die Kirchensteuereinnahmen trotz erwarteter Austritte von rund 100.000 Mitgliedern vergleichsweise stabil, denn steigende Löhne führen zu höheren Beiträgen. Gleichzeitig wachsen jedoch Personal-, Bau- und Betriebskosten ebenso.
Transformation mit klaren Sparzielen
Seit einem Jahr steuert Bruno Krenzel diesen Transformationsprozess. Erste Schritte seien bereits umgesetzt. Ein zentraler Hebel liegt im Bereich der Kindertagesstätten: 242 Kitas gehören zum Bistum. Hier sollen rund 30 Prozent der Ausgaben eingespart werden, ohne Kitas zu schließen. Gebündelte Verwaltungsstrukturen und intensivere Verhandlungen mit Kommunen über Zuschüsse sollen die Einsparungen ermöglichen. Anfang 2026 ist etwa die Hälfte der Einrichtungen bereits in solchen Verwaltungsverbünden organisiert.
Auch bei Gebäuden und Personal setzt das Bistum auf Bündelung und Mehrfachnutzung. Räume sollen stärker gemeinsam genutzt, Strukturen zusammengelegt werden. Besonders deutlich wird der Umbau beim Personal: Bis 2040 soll die Zahl der angestellten Mitarbeitenden um rund 40 Prozent sinken. Gründe sind die Reaktion auf den demografischen Wandel mit weniger Berufseinsteigern sowie ein stärkerer Fokus auf ehrenamtliches Engagement. Beckwermert betont dabei: „Wir werden weniger Geld für Personal ausgeben, aber wollen keineswegs weniger Leben in der Kirche.“ Ehrenamtliche Strukturen sollen neu gedacht und gestärkt werden.
Keine Mitgliederkampagne
Trotz hoher und weiterhin steigender Kirchenaustritte stellt Generalvikar Beckwermert klar: „Wir wollen keine Mitgliederkampagne starten. Wir wollen insbesondere durch unser Engagement im Bereich Soziales und Bildung die Leute zum Bleiben bewegen.“

Kai Mennigmann, Pressesprecher des Bistums Osnabrück, Astrid Kreil-Sauer, Finanzdirektorin des Bistums Osnabrück, Bruno Krenzel, Bevollmächtigter des Generalvikars und Generalvikar Ulrich Beckwermert bei der Vorstellung des Finanzhaushalts des Bistum Osnabrück. / Foto: Hannah Meiners
Der Haushalt 2026 im Überblick
Der Gesamtetat für 2026 beläuft sich auf 211 Millionen Euro. Rund 85 Prozent stammen aus der Kirchensteuer. Astrid Kreil-Sauer, Finanzdirektorin des Bistums Osnabrück, betont: „Der Haushalt muss an die aktuellen Anforderungen angepasst werden und finanziellen Spielraum für die Transformation schaffen.“
Die Mittel fließen vor allem in die Kirchengemeinden (67 Mio. Euro). Weitere Ausgaben gehen an soziale Dienste (33 Mio. Euro), Bildung, Kunst und Medien (34 Mio. Euro), zentrale Aufgaben (29 Mio. Euro), Gottesdienste und Seelsorge (18 Mio. Euro), Finanzen, Steuern und Versorgung (21 Mio. Euro) und gesamtkirchliche Aufgaben (7 Mio. Euro).
„Verändert bleiben“ als Leitmotiv
Der Begriff „verändert bleiben“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Haushaltsvorstellung. Das Bistum Osnabrück beschreibt seinen Kurs nicht als Rückzug, sondern als strukturelle Neuaufstellung. Weniger Gebäude, weniger Personal – aber neue Formen von Präsenz und Ehrenamt.