Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) bewertet die neue EU-Ökodesign-Verordnung als wichtigen Fortschritt für den Ressourcenschutz. Der Branchenverband der Textil- und Modeindustrie „Textil+Mode“ kritisiert das Gesetz hingegen scharf und warnt vor zusätzlicher Bürokratie, ohne dass das Ultra-Fast-Fashion-Problem gelöst werde.
Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft im Fokus
Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), lobt die neue EU-Ökodesign-Verordnung. „Echtes Recycling beginnt beim Design. Dass die EU-Ökodesign-Verordnung nun ernst macht, ist ein historischer Schritt für den Ressourcenschutz“, sagte Bruckschen der „Rheinischen Post“ (Sonntagausgabe).
Bruckschen zufolge schont es nicht nur das Klima, wenn Produkte von Anfang an kreislauftauglich gestaltet und digital dokumentiert würden, sondern mache die Kreislaufwirtschaft zugleich „zu einem Wachstumsmotor“. Wörtlich sagte er: „Bessere Produkte für die Verbraucher, verlässliche Rohstoffe für die Wirtschaft – dabei gewinnen alle.“
Die EU-Ökodesign-Verordnung tritt am Sonntag, dem 19. Juli, in Kraft und verbietet es großen Unternehmen in der EU, unverkaufte Kleidung zu vernichten.
Kritik der Textil- und Modebranche
Der Gesamtverband „Textil+Mode“ bewertet die neue EU-Ökodesign-Verordnung deutlich kritischer. „Kein deutscher oder europäischer Hersteller vernichtet einwandfreie Neuware“, sagte Jonas Stracke, Kreislaufexperte bei „Textil+Mode“, der „Rheinischen Post“. „Dennoch erweckt der Name des Gesetzes den Eindruck, als würden Hersteller massenhaft Neuware vernichten.“
Stracke kritisiert, das Gesetz setze an der falschen Stelle an. „Das Gesetz mit dem wuchtigen Namen Vernichtungsverbot bekämpft nicht mal im Ansatz das Ultra-Fast-Fashion-Problem, sondern schafft in der EU viel neue Bürokratie, ausgerechnet für die Unternehmen, die nicht für die Altkleiderberge mit wertloser Ramschware verantwortlich sind“, sagte Stracke der „Rheinischen Post“.
Forderung nach besseren Strukturen
Aus Sicht von „Textil+Mode“ reicht das Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung nicht aus, um mehr Nachhaltigkeit in der Textilwirtschaft zu erreichen. Stracke sagte: „Für mehr Nachhaltigkeit braucht es vor allem funktionierende Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen sowie einen Markt für recycelte Textilfasern. Solange diese Voraussetzungen fehlen, bleibt auch das Vernichtungsverbot mit all seinem zusätzlichen Dokumentationsaufwand lediglich ein Papiertiger.“
